Kraniche
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Geschützte Tierart Immer mehr Kraniche in Sachsen-Anhalt

03. März 2024, 16:40 Uhr

In Sachsen-Anhalt werden immer mehr Kraniche gezählt. Gab es in den 1970er-Jahren durch die Jagd auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts lediglich eine Handvoll Kraniche, sind es gegenwärtig knapp 1.100 Brutpaare. Heutzutage gehört die Vogelart zu den geschützten Tierarten.

In Sachsen-Anhalt brüten immer mehr Kraniche. "Derzeit sind es 1.084 Brutpaare", sagt Axel Schonert von der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz. "So viele Brutpaare haben wir noch nie gezählt."

Bei Luther standen Kraniche auf Speiseplan

Laut Schonert gab es in den 1970er-Jahren auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt lediglich "ein, zwei, drei Brutpaare". Ein Grund dafür sei die Jagd auf Kraniche gewesen. "Die Vögel wurden über Jahrhunderte hinweg aus der Landschaft geschossen." Sie landeten demnach auf dem Speisezettel vieler Menschen. "Der Reformator Martin Luther hat Kraniche gegessen", sagt Schonert. "Das wissen wir aus den Abfällen der Luther-Küche."

Heutzutage gehören Kraniche zu den geschützten Tierarten. "Die Vögel besiedeln inzwischen sogar Flächen in der Nähe von Siedlungen. Dort wären sie früher nicht anzutreffen gewesen."

Kraniche fliegen am Kyffhäuser vorbei
Kraniche am Kyffhäuser: Die Vogelart ist geschützt und wird nicht mehr gejagd, um einem Teller zu landen. Bildrechte: IMAGO / Bild13

Kranichtagung an Hochschule Anhalt

Schonert hat sich am Wochenende mit 80 Gleichgesinnten zur 23. Landeskranichtagung des Landes Sachsen-Anhalt an der Hochschule Anhalt in Bernburg getroffen. Auf der Tagung sei es auch um die Schlafplätze der Kraniche gegangen. Schonert und sein Team gehen davon aus, dass rund 55.000 Kraniche während des Vogelzuges in Sachsen-Anhalt übernachten. "Da Kraniche nicht nur eine Nacht bleiben und viele Tiere auch immer wieder wegfliegen, reden wir von ungefähr 150.000 Kranichen, die in Sachsen-Anhalt jährlich pausieren."

Auf der Tagung in Bernburg wurde laut Schonert auch die lang anhaltende Trockenheit der letzten Jahre diskutiert. Sie habe den Kranichen enorm geschadet. "Die Tiere mussten viele Brutplätze aufgegeben, weil kein Wasser mehr da war." Derzeit seien die Bedingungen für die Kraniche aber gut, weil es viel geregnet habe. Dadurch werde es in diesem Jahr auch viele Frösche und andere Amphibien geben. "Das Jahr 2024 wird voraussichtlich reich an Vogelfutter sein", sagt Schonert. Das werde nicht nur Kraniche und Störche freuen, sondern auch viele andere Arten.

Kraniche am Stausee Kelbra
Rund um den Stausee Kelbra finden die Kraniche ein reiches Nahrungsangebot. Bildrechte: imago/Bild13

Kranichzug als Beispiel für Klimawandel

An den Verhaltensweisen der Kraniche sehe man auch, dass der Klimawandel voranschreitet. "Anders als früher legen die Zugvögel heute häufig nur noch kurze Strecken zurück." Schonert schätzt, dass mehrere 10.000 Kraniche im Winter gar nicht mehr aus Deutschland wegfliegen. "Wir haben zum Beispiel an der Talsperre Kelbra einige Kraniche gehabt, die standen im Schnee. So einen Anblick hätte es vor 30 Jahren in unserer Region nicht gegeben."

Vögel starten von einer vereisten Fläche
Stausee Kelbra: Auch der zeitweise Schnee hielt die Vögel zuletzt nicht ab, ihr Quartier aufzuschlagen. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Einen Vorteil habe das Ganze aber, sagt Schonert. "Kraniche, die in Deutschland überwintern, können sich im Frühjahr die besten Brutplätze sichern."

Weil die Zahl der Kranich-Brutpaare in Sachsen-Anhalt immer mehr zunimmt, sucht die Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz in Sachsen-Anhalt weitere ehrenamtliche Mitstreiter. Jeder, der Lust hat, Kraniche und ihre Brutplätze zu zählen, sei willkommen.

Kraniche
Das Land Sachsen-Anhalt sucht ehrenamtliche Helfer, um Kraniche und ihre Brutplätze zu zählen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Acht-Millionen-Euro-Investition für Naturerlebniszentrum am Stausee Kelbra

Die Landesregierung Sachsen-Anhalt will am Stausee Kelbra ein modernes Naturerlebniszentrum errichten. Geplant ist für acht Millionen Euro ein Neubau und eine moderne Ausstellung/Hotspot zum Kranichzug. In einer Mitteilung der Staatskanzlei heißt es dazu: "Jedes Jahr im Herbst machen hier bis zu 50.000 Kraniche Halt und den Stausee Kelbra damit zum drittgrößten Kranichrastplatz in Deutschland. Dieses einzigartige Naturerlebnis zieht jährlich tausende Besucher an, die sich darüber künftig in einem modernen Naturerlebniszentrum informieren können."

Den Weg dafür ebnete die Landesregierung auf ihrer Sitzung am 20. Februar 2024. Auf Initiative des Umweltministeriums sowie mit nachdrücklicher Unterstützung aus der Region und besonders durch den Landkreis Mansfeld-Südharz soll der Neubau mit einem Investitionsvolumen von bis zu acht Millionen Euro zu 90 Prozent aus Bundeshilfen zum Strukturwandel finanziert werden.

Den Eigenanteil von bis zu 800.000 Euro sowie Betriebs- und Personalkosten leistet der Talsperrenbetrieb Sachsen-Anhalt (TSB); er übernimmt zudem Errichtung und Betrieb des neuen Informationszentrums "Naturerlebnis Stausee", mit naturschutzfachlicher Unterstützung der Biosphärenreservatsverwaltung Karstlandschaft Südharz.

Das geplante Informationszentrum soll auf einer Liegenschaft der Stadt Kelbra im Bereich des Strandbades entstehen. Die Finanzierung ist über das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) geplant; dieses sieht Finanzhilfen des Bundes für bedeutsame Investitionen der vom Kohleausstieg betroffenen Bundesländer vor. Zur Unterstützung des Strukturwandels in Sachsen-Anhalt stehen aus dem InvKG bis 2038 insgesamt bis zu 1,63 Milliarden Euro zur Verfügung. (Quelle: Auszug aus der Pressemitteilung der Staatskanzlei zum Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier)

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MDR (Stepahn Schulz, Susanne Ahrens)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR SACHSEN-ANHALT | 03. März 2024 | 12:00 Uhr

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