Doppelkapelle St. Crucis in Landsberg
Die Doppelkapelle war ab dem 15. Jahrhundert als Wallfahrtsort bekannt. Bildrechte: imago stock&people

Durstige Pilger Mittelalterliches Brauhaus an Doppelkapelle in Landsberg entdeckt

17. August 2023, 17:57 Uhr

Seit dem 15. Jahrhundert war die Doppelkapelle in Landsberg im Saalekreis ein Wallfahrtsort für Gläubige. Bei Ausgrabungen an der Kapelle konnte nun ein mittelalterliches Brauhaus freigelegt werden. Zudem soll die Burg über beheizbare Wohnräume verfügt haben.

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Bei Ausgrabungen an der Doppelkapelle in Landsberg im Saalekreis sind Spuren einer mittelalterlichen Brauerei entdeckt worden. "Die Kapelle war ein Wallfahrtsort und die Pilger hatten Durst", sagte Projektleiter Donat Wehner. "Neben den Umrissen des Brauhauses wurde auch eine Darre, also ein Trockenofen aus Ziegeln, freigelegt."

Stichwort "Doppelkapelle"

Eine Doppelkapelle wie in Landsberg wurde an Domen, in Burgen und Königs- sowie Bischofspfalzen der Salier und Staufer errichtet. Zwei sakrale Räume befinden sich übereinander und sind akustisch durch einen Raumschacht miteinander verbunden. Das Ziel dahinter: die räumliche Trennung der Stände.

Quelle: Stadt Landsberg

Burg mit beheizbaren Wohnräumen

Eine Burg in Landsberg wurde im 14. Jahrhundert bis auf die Doppelkapelle abgetragen. "Das beweisen Planierschichten, die die Mauern überdeckten", so Wehner. Unter den rund 450 Funden sind neben Koch-, Trink- und Vorratsgeschirr auch Münzen, Würfel und Spielzeugpferde, die das Alltagsleben auf der Burg widerspiegeln. Fragmente von Ofenkacheln belegen, dass die Burg über beheizbare Wohnräume verfügte.

Ein Mann zeigt an Mauerresten einen Fugenstrich
Bereits 2021 wurden Spuren von zwei Burgen bei der Doppelkapelle freigelegt. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Wallfahrtsort mit Blutsäule

Die Doppelkapelle in Landsberg wurde 1434 erstmals als Wallfahrtsort erwähnt. "Papst Alexander schenkte Markgraf Dietrich bei seinem Besuch in Italien einen Splitter vom Heiligen Kreuz Christi und eine Blutsäule aus italienischem Marmor, die heute noch in der Kapelle steht", sagte Wehner. Die Säule wurde bei entsprechenden Temperaturunterschieden feucht und das Wasser wurde als heiliges Blut gedeutet.

Markgraf Dietrich II. von Landsberg (1142-1185) war ab 1156/57 Markgraf der Mark Lausitz mit dem späteren Sitz auf der Burg Landsberg. Die Lehr- und Forschungsgrabung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt soll 2024 fortgesetzt werden.

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dpa, MDR (Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. August 2023 | 16:40 Uhr

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