Nach Corona Wie Betroffene von Long Covid einander helfen können

Bei vielen Menschen ist Corona nicht nach wenigen Wochen vorbei. Sie kämpfen mit einschneidenden Spätfolgen, die den Alltag stark beeinträchtigen. Doch Long Covid ist noch nicht ausreichend erforscht, gesicherte Therapieansätze fehlen oft. Hilfe und neue Kraft können Betroffene im Austausch untereinander finden. In Magdeburg, Wittenberg, Sangerhausen und in Mansfeld-Südharz gibt es bereits Selbsthilfegruppen. Bald kommt eine weitere in Merseburg hinzu.

Trauriger junger Mann am Fenster
Long Covid bringt Betroffene mitunter um Berufsleben und Alltag. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Nach einer Corona-Infektion leiden viele Menschen dauerhaft unter Beschwerden wie Erschöpfung, geminderter Belastbarkeit und Atemnot. Long Covid kann laut RKI anhängig von der Schwere der eigentlichen Infektion bis zu 41 Prozent aller Corona-Patienten treffen. Dennoch fühlen sich Betroffene oft noch völlig allein gelassen mit ihrem Problem. Und das, obwohl sie die Krankheit nicht selten um ein normales Berufs- und Privatleben gebracht hat.

Menschen mit Long Covid würden von ihren Hausärzten trotz Schwere der Probleme oft nicht ernst genommen, sagte Silvana Thomas von der Paritätischen Selbsthilfekontaktstelle Saalekreis dem MDR SACHSEN-ANHALT. "Das wird zwar besser, aber in Summe gibt es noch zu wenig Ärzte, die sich ernsthaft mit der Krankheit befassen."

Viele Ärzte nehmen Betroffene von Long Covid nicht ernst.

Silvana Thomas Paritätische Selbsthilfekontaktstelle Saalekreis

Neue Selbsthilfegruppe für Long Covid in Merseburg

Um hier Abhilfe zu schaffen, wird sich in Merseburg noch im August die neue Selbsthilfegruppe "Long Covid/Post Covid" erstmals treffen. Bislang gibt es sechs Anmeldungen. Den Anstoß für die Gründung der Gruppe hatte der Fall eines 30-Jährigen gegeben. "Er ist seit seiner Corona-Erkrankung an ein Beatmungsgerät angeschlossen und sitzt im Rollstuhl", berichtete Thomas.

Unterschied zwischen Long Covid und Post Covid

Während von Long Covid gesprochen wird, wenn Symptome länger als vier Wochen nach einer Erkrankung anhalten, bezeichnet Post Covid Beschwerden, die auch zwölf Wochen nach der Erkrankung nicht abklingen oder neu hinzukommen. Zu den möglichen Spätfolgen zählt zum Beispiel das Fatigue-Syndrom, eine anhaltende Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Aber auch Gedächtnisstörungen, Geschmacksverlust, Depressionen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen oder auch Atemnot werden häufig genannt.

Wie, warum und bei wem Long Covid auftritt, darüber sind sich Experten noch uneins. Weitere Forschungen sind notwendig. Bis dahin seien Diagnose und Behandlung schwierig, schreibt das Robert Koch-Institut auf seiner Webseite. Umso wichtiger können daher Selbsthilfegruppen sein. "Die Vernetzung von Betroffenen ist sehr hilfreich, da jeder seine persönlichen Erfahrungen auch über Therapieansätze einbringt", erklärte Silvana Thomas.

Teilnahme an Selbsthilfegruppen auch digital möglich

So sieht das auch Romy Kauß vom Paritätischen Sachsen-Anhalt. "Niemand kann mehr Verständnis aufbringen als andere Betroffene." Allerdings gibt es Kauß zufolge bislang erst vier Long Covid Selbsthilfegruppen im ganzen Land. Bisher gibt es nur in Magdeburg, in Mansfeld-Südharz, Wittenberg, Sangerhausen und bald noch in Merseburg je eine Gruppe.

So häufig ist Long Covid

Den bisherigen Erkenntnissen des RKI zufolge sind unter den Erwachsenen besonders häufig Menschen im jüngeren und mittleren Alter von Long Covid betroffen, bei Kindern- und Jugendlichen häufen sich die Symptome bei Teenagern. Wie viele Menschen darunter leiden, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich geklärt. Bei Menschen mit schwerem Corona-Verlauf liegt das Risiko von Langzeitfolgen nach bisherigen Untersuchungen bei 38 Prozent. Bei eher leichtem Verlauf variiert das Risiko laut RKI zwischen acht und 41 Prozent. Für genaue Zahlen braucht es aber noch weitere Studien. Wie wahrschinlich Long Covid ist, komme dabei auch auf die Virus-Variante an. Quelle: RKI

"Es haben sich also noch nicht so wahnsinnig viele Selbsthilfegruppen zum Thema gegründet", so Kauß. Allerdings sei das nur auf den ersten Blick ein Problem. "Wer in zum Beispiel Stendal Hilfe sucht, der kann sich auch digital einer Gruppe irgendwo im Land anschließen." Denn im Zuge der Pandemie hätten sich virtuelle Treffen vielerorts etabliert. Das wird übrigens auch bei der neuen Long Covid Gruppe in Merseburg möglich sein.

Erster Anlaufpunkt für Hilfesuchende sind in jedem Fall die Selbsthilfekontaktstellen in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Hier gebe es auch alle Kontaktinfos zu den Gesprächsrunden, sagte Kauß. "Wenn noch keine passende Gruppe existiert, helfen die Kontaktstellen auch bei der Gründung einer neuen."

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MDR (Daniel Salpius)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. August 2022 | 08:30 Uhr

2 Kommentare

Rain Man vor 6 Wochen

Ein Großteil der Patienten mit Long-Covid-Symptomen war vor der Virus-Infektion bereits wegen Vorerkrankungen in ärztlicher Behandlung. Eine Datenauswertung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (ZI) belegte, dass 96 Prozent der Patienten mit Long Covid zuvor beispielsweise an Atemwegserkrankungen oder Übergewicht litten.

Shantuma vor 6 Wochen

Da treffen Long-Covid-Opfer und Impfnachwirkung-Opfer auf einander.
Denn beide haben die selben Probleme.

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