Ein Mann in Jeans und Daunenjacke steht am Rand eines leeren Schwimmbeckens.
Bürgermeister Ronald Fiebelkorn will das Harzbad wieder in Betrieb sehen. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Seit sechs Jahren zu Harzbad in Benneckenstein soll wiederbelebt werden

11. April 2023, 11:33 Uhr

Das Harzbad in Benneckenstein soll wieder eröffnet werden. Vor sechs Jahren ist es wegen hoher Betriebskosten und baulicher Mängel unter großem Protest von Anwohnern und Tourismusanbietern geschlossen worden. Es war eine der ersten großen Tourismusinvestitionen nach der Wende.

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Die kleine Pfütze im Becken unter der Rutsche hat grüne Algenränder. Ein paar tote Fliegen liegen auf dem Fußboden. Auf einem Schreibtisch liegt die leere Teilnehmerliste für Schwimmkurse. Die Jahreszahl "2017" steht darauf. Ansonsten ist alles blitzblank. Ein unglaublicher Eindruck sei das, sagt Ronald Fiebelkorn, der Bürgermeister der Stadt Oberharz am Brocken, zu der Benneckstein gehört.

"Wenn man das von innen so sieht, könnte man denken, wir lassen morgen Wasser rein und machen wieder auf", schildert Fiebelkorn seinen Eindruck, als er am Rand des leeren Schwimmbeckens steht. Doch er weiß auch: Es gibt Schäden am Dach. Deshalb musste das Bad 2017 schließen, und auch weil die Betriebskosten dem ohnehin mageren Stadtsäckel enorm zusetzten. 

Harzbad – eine der ersten touristischen Großinvestitionen im Ostharz

Das Harzbad in Benneckenstein war eine der ersten touristischen Großinvestitionen im Ostharz. Es war 1994 errichtet worden und hatte damals 400 Badegästen Platz geboten. Auf rund 1.200 Quadratmetern Grundfläche verfügte das Hallenbad über ein Schwimmbecken, ein Sitzbecken, eine Kinderlandschaft und eine ca. 50 Meter lange Wasserrutsche. Später kam eine Sauna hinzu. Cafeteria und Solarium gehörten ebenfalls zum Angebot.

Am Ende einer Spaßrutsche ist eine Pfütze Wasser im leeren Becken.
Das Bad ist leer und am Gebäude gibt es bauliche Mängel. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Als das Bad im Jahr 2017 geschlossen wurde, hagelte es Proteste von Anwohnern und aus dem Tourismusgewerbe. Das Bad war schließlich ein wichtiger Bestandteil des touristischen Angebots der Region. Im Oberharz gründete sich die Bürgerinitiative "Pro Harzbad". Diese reichte eine Petition für die Wiederbelebung des Hallenbades ein, unterschrieben von 1.300 Ein- und Anwohnern, letztlich ohne Erfolg.

Vor vier Jahren gab es dann erste Ideen, wie eine Wiederbelebung machbar sei. Bürgermeister Fiebelkorn favorisierte damals die Idee, einem Investor ein nahes Grundstück für den Bau einer Ferienhaussiedlung anzubieten, wenn dieser gleichzeitig das Harzbad übernehmen, sanieren und betreiben würde. Der Plan scheiterte.

Stadt will Bad nun selbst sanieren

Mann mit grauen Haaren in dunkelblauer Daunenjacke
Ronald Fiebelkorn sagt: "Wir wollen das Bad revitalisieren." Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

"Wir wollen das Bad revitalisieren", sagt der Bürgermeister, und meint mit "wir" die Stadt Oberharz am Brocken, die öffentliche Hand. Neu ist, dass nun die Stadt selbst das Bad sanieren und mit einer Wellness- und Saunalandschaft erweitern soll, um es dann zusammen mit dem Feriendorfinvestor zu betreiben.

Das Feriendorf sei bei diesen Überlegungen zwingend notwendig, damit mehr Gäste als früher das Bad nutzen. Nur so könne das Bad wirtschaftlich betrieben werden, so der Bürgermeister. Die Flächen dafür seien schon verfügbar. Die Stadt habe sie erworben. Auch der Flächennutzungsplan für das zehn Hektar große Gelände wurde bereits entsprechend geändert.

Landesregierung muss zustimmen

Als nächstes soll nun eine städtische Betreibergesellschaft gegründet werden, die dann Planung, Sanierung und Umbau angeht. Der Stadtrat muss nur noch zustimmen. Ein ganz wichtiges Detail fehlt indes noch: Die Landesregierung muss grünes Licht geben, damit EU-Fördergelder fließen können, und auch die Kommunalaufsicht hat ein Wörtchen mitzureden, denn die Stadtkasse ist leer.

Das Wirtschaftsministerium hatte bereits vor einiger Zeit Fördergeld in Aussicht gestellt. Die Kommunalaufsicht könnte zustimmen, wenn die Stadt Oberharz dafür keine zusätzlichen Kredite aufnimmt, und wenn finanzkräftige Investoren zu steigenden Übernachtungszahlen in Benneckenstein beitragen. Der Bürgermeister ist zuversichtlich: Drei Firmen seien bereits an die Stadt herangetreten.

MDR (Carsten Reuß, Julia Heundorf) | Erstmals veröffentlicht am 08.04.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. April 2023 | 17:00 Uhr

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