Wirtschaft IHK Magdeburg: Russland-Sanktionen wenig hilfreich

Angesichts des Krieges gegen die Ukraine wurden gegen Russland zahlreiche Sanktionspakete verhängt. Kritik kommt nun von der Industrie- und Handelskammer Magdeburg: Die Sanktionen würden der Wirtschaft zu schaffen machen, politisch aber nicht viel bringen. Die Stimmung bei den Unternhemen in Sachsen-Anhalts Norden sei auf einem Tiefststand angekommen.

Ein Güterzug steht auf dem Gelände der SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt).
Die Russland-Sanktionen machen unter anderem den Stickstoffwerken Piesteritz zu schaffen. Bildrechte: dpa

Der Präsident der Industrie-und Handelskammer (IHK) Magdeburg, Klaus Olbricht, hat die Sanktionen gegen Russland kritisiert. Olbricht erklärte vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges, die Maßnahmen seien wenig hilfreich. Die Sanktionspakete hätten politisch noch nicht allzu viel gebracht. Ohnehin hätten Sanktionen noch nie einen Krieg beendet, erklärte der IHK-Präsident. Deutschland lebe davon, Rohstoffe auf dem Weltmarkt einzukaufen, sie zu veredeln und dann wieder zu verkaufen. Das gehe auf lange Sicht ohne Russland nicht.

Olbricht sprach von einer schwierigen Situation. Wenn man Russland in die Schranken weisen wolle, müsse man militärisch stärker werden. Da könne der Westen auch noch viel tun, mit Waffen und Munition.

Stimmung auf "absolutem Tiefststand"

Derweil sei die Stimmung in der Wirtschaft im Norden Sachsen-Anhalts auf einem Tiefpunkt angekommen. "Die wirtschaftliche Verfassung der Unternehmen im Norden von Sachsen-Anhalt ist so schlecht wie seit Beginn unserer Konjunkturumfrage nicht mehr", sagte Olbricht in Magdeburg.

Präsident der IHK Magdeburg
Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg Bildrechte: IHK Magdeburg / Dirk Mahler

Der Geschäftsklimaindex der gewerblichen Wirtschaft, eine Konjunkturumfrage der IHK, liege bei 68,3 Punkten. "Das ist ein absoluter Tiefststand." Die Unternehmen seien alle verunsichert, hätten Angst vor der Zukunft und keiner wisse wie es weitergeht.

Grund sind demnach der Ukraine-Krieg und die Energiekrise. Olbricht betonte, die Entlastungspakete der Bundesregierung müssten auch die Wirtschaft entlasten und nicht nur die Allgemeinbevölkerung. Wenn man weltmarkfähig bleiben wolle, müsse man auf Energiepreise zurückkommen, wie sie vor der Krise gewesen seien. Viele der Unternehmen stünden sonst vor dem Aus, warnte Olbricht. Es brauche ein Bekenntnis der Bundesregierung, die heimische Wirtschaft "mit allen Mitteln zu unterstützen", hieß es von der IHK.

CDU: Existenzängste berechtigt

Unterstützung kam derweil aus der CDU in Sachsen-Anhalt. Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Ulrich Thomas, nannte die Existenzängste in Mittelstand, Handwerk und bei den freien Berufen berechtigt. Man habe es nicht nur mit einem vorübergehenden Abschwung zu tun. "Vielmehr ist der Gesamtausblick nach über zwei Jahren Corona-Pandemie, aktuellem Ukraine-Krieg und der Energiekrise völlig offen", sagte Thomas.

Diese Ungewissheit erschwere die Planungen und Investitionen erheblich. "Angesichts der Preisentwicklungen bei Rohstoffen und Energie ist es jetzt dringend erforderlich, Freie Berufe, Mittelstand und Handwerk zu unterstützen." Für diese oft familiengeführten Unternehmen gebe es noch keine Zusagen. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Hilfspakete möglich seien, erklärte Thomas. Insbesondere Kurzarbeiterregelungen und Hilfsgelder hätten dabei kleine Unternehmen im Bestand gesichert. 

MDR (Max Hensch, Felix Fahnert)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 25. August 2022 | 07:00 Uhr

35 Kommentare

nasowasaberauch vor 4 Wochen

Gas ist auf lange Sicht nicht zu ersetzen. Weder für die Grundlast bei E-Energieerzeugung noch für die Industrie. Sie war und ist gedacht als Zwischenlösung bis die Erneuerbaren mit Speichern diese Grundlastfähigkeit irgendwann erreichen. Deutschland ist gefangen in der EU und dem atlantischen Bündnis, unfähig zu eigenen Entscheidungen. Die USA verfolgen in diesem Krieg militärisch und wirtschaftlich eigene Ziele, die für Europa, speziell für Deutschland schädlich sind und daran wird sich erst etwas ändern, wenn ein Schwanz mit dem Hund wedeln kann. Und noch eins, einige sollten aufhören sich selbst ein "gefällt mir" zu geben, das fällt auf.

ElBuffo vor 4 Wochen

Soso, ein Viertel der Ukrainer sind Russen. Mit Russen haben die Ukrainer und umgekehrt auch kaum Probleme. Mit solchen Typen wie Stalin oder eben Putin schon eher.

ElBuffo vor 4 Wochen

Und Sie wissen, was Putins (nicht Russlands) Kriegsziele sind? Ausgeschlossen, dass nach der Eliminierung der Ukraine nicht bald neue Erfolge hermüssen, weil sich in Russland damit nichts ändern wird. Die Annektion der Krim hat ja nun auch nicht gerade lange vorgehalten, damit das russische Volk seine Probleme mit seinen Kleptokaraten vergisst.

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