Ein Mann legt am Mahnmal Magda Blumen nieder.
Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Klaus-Dietmar Gabbert

Gedenken an Opfer durch Holocaust Wie in Magdeburg an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird

01. März 2024, 10:14 Uhr

In Magdeburg wird am 1. März an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Im Fokus stehen die verfolgten Sinti und Roma, die vor genau 81 Jahren von Magdeburg aus ins KZ nach Ausschwitz deportiert wurden. Nachgeholt wird auch die vom 27. Januar abgesagte Gedenkstunde von Landtag und Landesregierung.

In Magdeburg wird am Freitag gleich zweimal an das Schicksal der Millionen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Dabei stehen diesmal die verfolgten Sinti und Roma im Fokus.

Gedenkstunde im Januar abgesagt

Zunächst soll um 10 Uhr im Landtag die eigentlich für den 27. Januar vorgesehene Gedenkstunde von Landtag und Landesregierung nachgeholt werden. Die Veranstaltung am Holocaust-Gedenktag war kurzfristig abgesagt worden, da Landwirte für den gleichen Zeitpunkt geplant hatten, auf dem Domplatz mit Treckern zu demonstrieren. Die Bauern verschoben ihre Demo letzten Endes zwar noch um einen Tag. Der Landtag hielt aber aus organisatorischen Gründen an der Verschiebung seiner Veranstaltung fest.

Wie der Landtag vorab mitteilte, thematisiert die Gedenkstunde in diesem Jahr insbesondere die Gruppe der Sinti und Roma, die im Nationalsozialismus systematisch diskriminiert, verfolgt und ermordet wurden. Reden werden demnach die Dessauer Stadtarchivarin Jana Müller, die sich auf die Verfolgung der Sinti und Roma spezialisiert hat, und der Geschäftsführer der auch für Sachsen-Anhalt zuständigen Niedersächsischen Beratungsstelle der Sinti und Roma, Mario Franz, halten. Franz ist selbst Sinto.

"Ede und Unku"-Autor: Gedenken am früheren Zigeunerlager

Am Nachmittag soll am Einkaufszentrum Florapark an die 340 Sinti und Roma erinnert werden, die aus dem früheren Zigeunerlager an der Stelle am 1. März 1943 nach Ausschwitz deportiert worden waren und dann ermordet wurden. Dieser Tag jährt sich am Freitag zum 81. Mal. An die Namen der Opfer erinnert seit 2009 eine Gedenk-Stele. Wie das Magdeburger "Bündnis gegen Rechts" mitteilte, soll dort das Gedenken ab 16 Uhr abgehalten werden.

Die bekannteste Bewohnerin des früheren Magdeburger Zigeunerlagers, die nach Auschwitz deportiert wurde, war Erna Lauenburger, genannt Unku, die aus Alex Weddings Kinder- und Jugendbuch "Ede und Unku" bekannt ist. Das Buch beschreibt die Freundschaft des Berliner Jungen, Ede mit der jungen Sinteza Unku, während der Zeit der Weimarer Republik.

Ede und Unku Buch
1933 von den Nationalssozialisten verbrannt, war das Buch "Ede und Unku" in der der DDR Bestandteil der offiziellen Schulliteratur. Bildrechte: Hessischer Rundfunk/Adrian Oeser

Die Originalausgabe gehört zu den Werken, die 1933 von den Nazis verbrannt wurden. Später in der DDR wurde das Buch Bestandteil der offiziellen Schul-Literatur und erhielt dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad. Heute heißt auch der nördliche Teil des Magdeburger Holzwegs am Florapark in Erinnerung an Erna Lauenburger Ede-und-Unku-Weg.

MDR (Christoph Dziedo, Cornelia Winkler)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 01. März 2024 | 07:00 Uhr

27 Kommentare

Simone vor 7 Wochen

Nur weil ein Buch sich mit einer Freundschfat beschäftigt hat, die zur NS Zeit nicht sien durfte, muss das ja nicht gerade große Weltliteratur sein, die man jedem nahe bringen muss.

Zu einem literarischen Nobody wird man zumeist, wenn keiner die eigenen bücher verlegt weil es kein Publikum gibt. Das bedeutet nicht, dass man nichts gutes geschrieben hat. Nur in einem Staat wie der DDR hat ja der Staat mit seinen staalichen Verlagen bestimmt, was es zu kaufen gab. Das läuft in einer Demokratie doch anders.

Simone vor 7 Wochen

Nur weil die Freunde des Rechtsextremismus eine allergische Reaktion drauf zeigen, wenn man an die Verbrechen ihrer ideologischen Vorfahren und an deren unschuldige und wehrlose Opfer erinnert, bedeutet das nicht, dass irgendetwas übersteigert wird.

Sie wissen schon wie das bei allergischen Reaktionen ist... da brauchts nicht viel und man oder in diesem Fall der Rechtsextremist kriegt Schnappatmung. Wenn sie das Gedenken stört, dann ignorieren sie es doch einfach. Irgendwo wird es doch sicher auch eine Gedenkfeier geben die ihrem Geschmack trifft und wo man dann die Phrasen der damaligen Zeit rausbrüllen kann.

Simone vor 7 Wochen

Sie werden es zwar nicht hören wollen, aber gegen Rechst im Sinne von Rechtsextremismus ist die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft, also tun sie mal nicht so, dass gegen sie und ihresgleichen nur irgendwelche bösen Linken auf die Straße gehen. Nein! Gegen sie stehen alle von den Kirchengemeinden, Gewerkschaften, Parteien, Arbeitgeberverbände usw. Nazis und diejenigen die NS Ideologie verbreiten mag halt keiner wirklich.

Wer sollte ein Gedenken denn sonst veranstalten? Eine AfD? Besser nicht, sonst wird da noch der Mörder gedacht.

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