Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
Seit 20 Jahren sind auf der Elbbrücke in Barby keine Züge gefahren. Bildrechte: MDR/André Plaul

Verkehr Studie: Elbbrücke von Barby kann noch Züge tragen

von André Plaul, MDR SACHSEN-ANHALT

15. November 2023, 08:58 Uhr

Über die Elbbrücke in Barby sind seit 20 Jahren keine Züge mehr gefahren. Eine neue Machbarkeitsstudie kommt aber nun zum Schluss, dass das Bauwerk noch trägt. Dafür müssten allerdings einige Bedingungen erfüllt werden.

Ein junger Mann mit schwarzem T-Shirt und schwarz umrandeter Brille
Bildrechte: MDR/punctum.Fotografie/Alexander Schmidt

Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
Das Bauwerk über die Elbe trägt noch – erfüllt aber nicht die Kriterien für eine zweigleisige Gütertrasse. Bildrechte: MDR/André Plaul

Die Elbbrücke von Barby könnte in Zukunft wieder Zugverkehr tragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der Deutschen Bahn und der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA). "Die Brücke kann technisch reaktiviert werden", erklärte Stefan Gräfe, Leiter des Bereichs Infrastrukturentwicklung bei der DB Netz, MDR SACHSEN-ANHALT. "Die Erkenntnisse gehen von einer Restnutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren aus", so Gräfe, wenn die Brücke saniert werde. Für die Instandsetzung müssten demnach mindestens 50 Millionen Euro investiert werden.

Die Erkenntnisse gehen von einer Restnutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren aus, wenn aber auch ein erheblicher Betrag investiert wird.

Stefan Gräfe, Leiter des Bereichs Infrastrukturentwicklung bei der DB Netz

Erhalt der Brücke ist nur eine von mehreren Varianten

Ein Mann in gestreiftem Hemd steht vorm Portal des Magdeburger Hauptbahnhofs
Stefan Gräfe von der DB Netz hat die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt. Bildrechte: MDR/André Plaul

Die erneute Nutzung der denkmalgeschützten Brücke ist nur eine von zwei Varianten der 150.000 Euro teuren Machbarkeitsstudie. Dies wäre zunächst günstiger als ein Neubau neben dem historischen Bauwerk. Allerdings kann die alte Brücke nach heutigen Maßstäben nicht mehr zweigleisig wiederhergestellt werden – so wie sie es bis Ende des Zweiten Weltkriegs war. Zudem, so Gräfe, könne eine eingleisige Brücke nicht so viele Züge aufnehmen, wie die Prognose es vorsehe.

Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
In die Jahre gekommen, aber trägt noch: Die Barbyer Elbbrücke könnte nicht nur als stummes Denkmal Zukunft haben. Bildrechte: MDR/André Plaul

Was sagt die Studie? Die Studie geht davon aus, dass eine weitere Bahn-Elbquerung in der Mitte Sachsen-Anhalts insbesondere den Güterverkehr entzerren kann. Weiterer Vorteil ist, dass im Falle von Störungen eine Ausweichvariante zur Magdeburger Elbbrücke im Bahnverkehr zur Verfügung stünde. Im Knoten Magdeburg kreuzen sich der Nord-Ostsee-Korridor (Amsterdam-Polen) sowie der Ostkorridor (Nordseehäfen-Bayern).

Um den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen, müsste der Bahnkorridor von Schönebeck bis kurz vor Calbe, dem Abzweig nach Barby, dreigleisig ausgebaut werden. Die wiederhergestellte Trasse – er gehört historisch zur Kanonenbahn Berlin-Metz – über die Elbe bis Güterglück sollte demnach zweigleisig aufgebaut und elektrifiziert werden. In Güterglück selbst wird die Strecke Richtung Zerbst eingefädelt. Die Machbarkeitsstudie beziffert die Gesamtkosten für dieses Vorhaben, inklusive eines Neubaus der Elbbrücke, mit 520 Millionen Euro.

Die Studie stellt lediglich ein Gedankenspiel dar – als Alternative zum Ausbau der Magdeburger Elbquerung über Herrenkrug und Biederitz.

Die DB Netz und die NASA hatten die Machbarkeitsstudie gemeinsam in Auftrag gegeben, mit Augenmerk auf den Güterverkehr. Personenzüge könnten die Verbindung über Barby auch nutzen, so Peter Panitz, Geschäftsführer der NASA. "Es ist aber nicht das ausschlaggebende Moment."

Sachsen-Anhalt sieht Bund bei der Finanzierung in der Pflicht

Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
118,6 Kilometer bis Berlin-Charlottenburg: Über die Elbbrücke von Barby sollen auch wieder Personenzüge rollen – wenn auch nicht nach Berlin. Bildrechte: MDR/André Plaul

Regionalzüge über Barby sieht schließlich auch der Deutschlandtakt des Bundes vor. Nach diesem Plan sollen hier künftig schnelle Regionalzüge rollen – im Stundentakt, auf der Strecke Uelzen-Magdeburg-Barby-Leipzig. Sachsen-Anhalt, das für den Nahverkehr zuständig ist, sieht sich auch bei der Finanzierung nicht in der Pflicht – sofern aus der Studie ein Projekt abgeleitet wird. "Für die Eisenbahninfrastruktur ist der Bund zuständig", so Panitz. "Wir reden hier von Summen, die sind für Sachsen-Anhalt völlig aus der Welt." Er erwarte, dass der Bund das Vorhaben mit in den Bundesverkehrswegeplan aufnehme. Dafür müsse zunächst mittels Prognosen der tatsächliche Bedarf nachgewiesen werden.

Für die Eisenbahninfrastruktur ist der Bund zuständig, insbesondere dort, wo der Güterverkehr unterwegs ist. Wir reden hier über sehr, sehr große Summen. Die sind für das Land Sachsen-Anhalt auf jeden Fall völlig außer der Welt.

Peter Panitz, Geschäftsführer der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH

Die Geschichte der Elbbrücke Barby

Brückenbauarbeiten 1992 bei Barby
1992 wurde die Brücke im Zuge der Elektrifizierung umgebaut. Bildrechte: picture-alliance/ ZB | Thomas Linßner

Die Eisenbahnbrücke von Barby war in den 1870er-Jahren errichtet worden und damit Teil der einstigen sogenannten "Kanonenbahn", einer militärstrategischen Bahnverbindung zwischen Berlin und dem damals deutschen Metz. Im April 1945 wurden Teile der Brücke aus taktischen Gründen von der Wehrmacht gesprengt. Schon drei Jahre später war das Bauwerk für 1,6 Millionen Mark wiederhergestellt. Bis 1976 wurde die 757 Meter lange Brücke zuletzt umfassend saniert.

Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
Archivbild von 2015: Da war die Trasse, hier bei Flötz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld), bereits verkauft, die Gleise jedoch noch nicht abgebaut. Bildrechte: MDR/André Plaul

Nach der Wende wurde eine Elektrifizierung der Reichsbahnstrecke über die Elbe in Angriff genommen. 1992 und 1993 war die Elbbrücke dafür sogar teilweise umgebaut worden – und für den Zugverkehr gesperrt. Ersatzbusse zwischen Barby und Güterglück mussten die Elbfähre nehmen und benötigten für die Umfahrung der acht Kilometer langen Bahnstrecke etwa 40 Minuten. Tatsächlich stehen bis heute in Güterglück entlang der alten Strecke Betonmasten, die für die Oberleitung vorgesehen waren. Auch die Flutbrücke bei Flötz wurde Anfang der Neunzigerjahre erneuert

Mittlerweile ist die Strecke über die Elbe entwidmet und das Gelände inklusive Brücke verkauft. Auch die Bahngleise zwischen Barby und Güterglück liegen nicht mehr. Seit Jahren macht sich ein Heimatverein für den Erhalt der Barbyer Brücke stark.

Eine graue Stahlbrücke in Fachwerkbauweise führt über die Elbe
Bei Güterglück liegen noch Schwellenreste der früheren Bahnstrecke, auch die Betonmasten der damals geplanten Elektrifizierung stehen noch. Bildrechte: MDR/André Plaul

MDR (André Plaul)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. November 2023 | 06:30 Uhr

6 Kommentare

elbcom vor 22 Wochen

Völlig unabhängig davon, welche Lebensläufe die Leute im Vorstand haben, ist der politische Wille für eine starke Bahn war seit den 1990ern kaum praktisch erlebbar.

Seit den 2010er Jahren merkt dann doch irgendwie, dass die Bahn was können muss, auch weil das Mobilitätsverhalten sich änderte. Daher sehe ich das mit den Quereinsteigern zum Teil auch als Notlösung: man bekommt nicht immer die passend ausgebildeten Leute. Darüber hinaus konkurriert die DB noch mit anderen Arbeitgebern um Arbeitskräfte (demografischer Wandel lässt grüßen).

steka vor 22 Wochen

Tja ,da konnten aber auch keine Quereinsteiger als gute Parteifreunde in den Vorstand kommen, da mußte man sich "hochdienen". Die Folge war, es saßen dort nur Leute, die Ahnung hatten vom Bahngeschäft, die die Folgen ihrer Entscheidung voraussehen konnten.

hilflos vor 22 Wochen

Was soll der Quatsch? Deutschlands Eisenbahn ist nicht in der Lage den bisherigen Zugverkehr sicher zu stellen und da will man noch erweitern?!
Der Lokführerstreik zeigt doch erneut, dass Deutschland nicht in der Lage ist, den Standard einer, für ein führendes Industrieland notwendigen, Infrastruktur zu erhalten.
Die Bahn war in früheren Zeiten wichtig und Beamte verrichteten dort Dienst. Diese Beamte hatten hoheitliche Aufgaben im Blick auf die Infrastruktur zu bewältigen und unterlagen z.B. einem STREIKVERBOT

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