Ein Aufnäher der Polizei des Landes Sachsen-Anhalt
Das Innenministerium Sachsen-Anhalt hat 50 Waffen zur Fahndung ausgeschrieben, die nach aktuellem Kenntnisstand aus Beständen der Polizei verschwunden sind. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance/ZB/Jens Wolf

50 Waffen bestätigt Schusswaffen an Polizeischule verschwunden: Innenministerium sieht Sicherheitsrisiko

13. Juni 2024, 18:46 Uhr

Im Landtag von Sachsen-Anhalt befasst sich der Innenausschuss am Donnerstag mit dem Fall Dutzender Waffen, die bei der Fachhochschule der Polizei verschwunden sind. Das Innenministerium geht von 50 fehlenden Waffen aus, darunter jeweils rund 20 Schusswaffen und Pistolen. Ein Sicherheitsrisiko sei nicht auszuschließen, sagte Ministerin Tamara Zieschang (CDU). Zuvor hatte der Landesrechnungshof festgestellt, dass 90 Waffen fehlen.

Im Skandal um Dutzende Waffen, die an der Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt verschwunden sind, sind in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag am Donnerstag neue Details bekannt geworden. Nach Angaben des Innenministeriums sind laut aktuellem Kenntnisstand 50 schussfähige und nicht schussfähige Waffen verschwunden. Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) erklärte, ein Sicherheitsrisiko sei nicht auszuschließen.

Bei den verschwundenen Waffen handelt es sich demnach um 27 Gasdruck- und 23 Schreckschusswaffen, darunter 19 Pistolen, drei Gewehre sowie eine Maschinenpistole, die den Unterlagen nach defekt sei. Die Waffen seien zur Fahndung ausgeschrieben worden, erklärte Landespolizeidirektor Mario Schwan. Der Rektor der Polizeifachhochschule Aschersleben hat laut Innenministerium zudem Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

Innenministerium: Verschwundene Waffen wurden vor mehr als 20 Jahren ausgeliehen

Ministerin Zieschang hatte bereits am Dienstag bei der Regierungsbefragung im Landtag erklärt, es werde bis an die Anfänge überprüft, welche Waffen vom LKA an die Fachhochschule ausgeliehen wurden. Das Technische Polizeiamt habe die Lehrmittelsammlung im Jahr 2000 inspiziert, deren Umfang damals "den Charakter einer Waffen-Ausstellung angenommen" hätte. Es habe einen Erlass gegeben, die Sammlung auf 18 Waffen zu reduzieren. Weitere Waffen sollten durch das Technische Polizeiamt vernichtet werden – und sollten "gerade nicht mehr bei der Fachhochschule der Polizei sein", sagte Zieschang.

In der Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag hieß es nun, für den Zeitraum von 2003 bis 2023 habe man bereits einen vollständigen Abgleich vorgenommen und keinen Fehlbestand festgestellt. Nun gehe es um den Zeitraum von 1997 bis 1999, in dem die 50 verschwundenen Waffen ausgeliehen worden seien. Die Prüfung der Bestände nehme viel Zeit in Anspruch, weil die Sachverhalte mehr als 20 Jahre zurückliegen.

Landesrechnungshof stellte schon früher erhebliche Mängel bei der Polizei fest

Der Landesrechnungshof hatte in seinem Prüfbericht Anfang des Jahres erhebliche Mängel bei der Aufbewahrung von Beweismitteln bei der Polizei festgestellt. Es ging unter anderem um 274 Waffen aus der Vergleichs-Waffensammlung des LKA, die nicht ordnungsgemäß vernichtet wurden sowie um entwendete Beweismittel. Dabei waren unter anderem die Attrappe einer Stabhandgranate und eine nicht ordnungsgemäß vernichtete Maschinenpistole entdeckt worden. Nach den bekannt gewordenen Vorwürfen wurde beim LKA eine Überprüfung der Vergleichs-Waffensammlung eingeleitet, die momentan andauert.

Zudem wurden bei einem Polizisten im Harz zuletzt mehrere Beweismittel festgestellt, die dieser privat auf seinem Grundstück aufbewahrt haben soll. Gegen ihn ist ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Weiterhin war bekannt geworden, dass aus der Asservatenkammer im Polizeirevier Salzlandkreis rund 13.000 Euro verschwunden sind.

Ein Polizeibeamter steht während der Zeugnisausgabe für Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschule Polizei im Ballhaus Aschersleben. 3 min
Bei der Polizei in Sachsen-Anhalt sind offenbar 90 Waffen verschwunden. Mehr dazu im Audio. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance/dpa | Matthias Bein

LKA Sachsen-Anhalt hatte Waffen als Lehrmittel an Fachhochschule der Polizei verliehen

Zuletzt waren erstmals konkrete Zahlen bekannt geworden, wie viele Waffen an der Polizeifachhochschule verschwunden sind. Aus einem internen Schreiben des Rektors vom vergangenen Freitag geht hervor, dass 90 Schusswaffen unauffindbar sind, darunter Pistolen und ein Scharfschützengewehr. Das Schreiben liegt MDR SACHSEN-ANHALT vor. Darin heißt es auch, man habe Mitarbeiter befragt, die für die Verwahrung zuständig seien oder waren.

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MDR SACHSEN-ANHALT Di 11.06.2024 06:00Uhr 00:41 min

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Die verschwundenen Waffen soll das Landeskriminalamt an die Fachhochschule als Lehrmittel verliehen haben. Bei einer Überprüfung durch den Landesrechnungshof vor einigen Tagen konnte die Hochschule die Waffen nicht vorzeigen. Der Rechnungshof sprach von einem "erheblichen Sicherheitsrisiko". Das Innenministerium hatte bis Donnerstag keine näheren Informationen zu dem Fall bekannt gegeben und auf Anfragen des MDR wiederholt auf die laufende Prüfung durch den Landesrechnungshof verwiesen.

dpa, MDR (Lars Frohmüller, Marcel Knop-Schieback, Cornelia Winkler, Maren Wilczek) | Erstmals veröffentlicht am 11.06.2024

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Juni 2024 | 16:00 Uhr

36 Kommentare

DER Beobachter vor 4 Wochen

Da ich nichts dergleichen finde, weder unter den Polizeiberichten, noch unter seriösen Berliner Medien, noch unseren bekannten Skandalmedien, für die das ein gefundenes Fressen wäre, ist das logisch wohl kaum ernst zu nehmen. Szenenonsenstwitter halt. Dazu passt denn schon Ihr dito weiterer Szeneschwachsinn, unsere Polizisten würden unmagaziniert sensible Orte überwachen...

DanielSBK vor 4 Wochen

Ja, genauso war es - losgefahren und "oben" liegengelassen... dagegen muss man allerdings sagen, dass es zu Corona das berühmte Bild der beiden Polizistinnen gab, die einen Weihnachtsmarkt bewachen sollten und auf dem Bild fehlte das Magazin, bzw. war keins eingesteckt - es gab doch bei den Streifengängen auch keins .... das wurde extra nochmal nachgefragt....

Gernot vor 4 Wochen

Beobachter....das Thema Waffen ist auch in besagter bis ins Kleinste geregelt und es müssen mehrere Mechanismen versagt haben. Für " bestimmte Strömungen " im Normalfall also nicht machbar.
Es ist nun leider nicht der erste Skandal in dieser Einrichtung.....und wirklich etwas passiert ist wieder nichts. Persönliche Konsequenzen, trotz klar definierter Verantwortlichkeiten - Null.
Wahrscheinlich sucht man wieder einmal den " starken Arm" , welcher den Teppich hebt, um alles drunter zu kehren. Oder man sitzt es wieder aus....Zeit heilt viele Wunden.

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