Demonstranten halten Plakate mit Aufschriften wie "Faule Politik = Faule Zähne" hoch
Zahnärzte und ihre Mitarbeiter aus Sachsen-Anhalt protestieren am Mittwoch vor dem Landtag. Bildrechte: MDR/Engin Haupt

Demo vor Landtag Zahnärzte in Sachsen-Anhalt protestieren gegen Nachwuchsmangel

28. Juni 2023, 15:31 Uhr

Zahnärzte aus Sachsen-Anhalt haben am Mittwoch vor dem Landtag in Magdeburg protestiert. Sie kritisieren Honorarkürzungen und Leistungsbudgetierung sowie einen drohenden Notstand in der zahnärztlichen Versorgung im Land.

Hunderte Zahnärzte und Praxis-Mitarbeiter haben am Mittwoch in Magdeburg auf Schwierigkeiten in ihrem Berufszweig aufmerksam gemacht. Zu dem Protest unter dem Motto "Faule Politik – faule Zähne" auf dem Domplatz hatten unter anderem der Freie Verband Deutscher Zahnärzte sowie die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt aufgerufen. Die Aktion richtete sich einer Ankündigung zufolge gegen Sparzwänge und Bürokratie. Außerdem kritisierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schwierige Bedingungen und forderten Lösungen für ihre Nachwuchssorgen.

Zu wenig Nachwuchs

Die Nachwuchssorgen würden in Zukunft größer, erklärte Zahnärztekammer-Präsident Carsten Hünecke MDR SACHSEN-ANHALT: "In den nächsten Jahren gehen die Hälfte der jetzt noch aktiven Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Ruhestand und es kommen nicht genügend nach." Laut Zahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Vereinigung werden von den derzeit gut 1.250 Zahnärztinnen und Zahnärzten im Land bis 2030 fast die Hälfte 65 Jahre und älter sein.

Hünecke kritisierte auch die Rahmenbedingungen, unter denen der Berufsstand leide. "Da erleben wir leider, dass jetzt zurzeit auch wieder Kostendämpfung betrieben wird", sagte er.

Wir brauchen Verbündete, insbesondere auch hier in der Landesregierung.

Carsten Hünecke Zahnärztekammer-Präsident

Es brauche bessere Bedingungen, um Sachsen-Anhalt für Berufsanfänger attraktiv zu machen. Hünecke forderte dafür bessere Standortbedingungen, Förderung und Infrastruktur in den Kommunen. "Das kann der Berufsstand allein nicht stemmen", so der Kammerpräsident. "Wir brauchen Verbündete, insbesondere auch hier in der Landesregierung."

Kritik an Kürzungen und Budgetierung

Ein weiterer Kritikpunkt der Zahnärzte sind laut eigenen Angaben Kürzungen in den Honoraren und sowie die Budgetierung von Leistungen durch die Bundesregierung. Dies stelle einen völlig ungerechtfertigten Griff des Staates in die Finanzierung aller Zahnarztpraxen dar.

Abgeordnete vor Ort

Auch mehrere Landtagsabgeordnete verschiedener Fraktionen sprachen vor den Demonstrierenden. Eva von Angern (Linke) betonte, es müsse zeitnah etwas geschehen. Ihre Fraktion fordert eine Landeszahnarztquote. Bewerber um einen Studienplatz sollen sich dazu verpflichten, für einen noch festzulegenden Zeitraum nach Studienabschluss in Sachsen-Anhalt zu bleiben. Der Antrag soll in dieser Woche im Rahmen der Landtagssitzung im Parlament behandelt werden.

Ulrich Siegmund (AfD) kritisierte, die Politik hätte die notwendigen Maßnahmen bereits vor Jahren einleiten müssen. Tobias Krull (CDU) sagte, Verbände und Politik müssten Lösungen gemeinsam erarbeiten. "Es geht um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander", so Krull.

Der FDP-Abgeordnete Konstantin Pott erklärte bereits im Vorfeld des Protestes, man müsse noch intensiver über Themen wie Landarztquote, Stipendien oder neue Kooperationsmöglichkeiten diskutieren. Bereits jetzt seien einzelne Landesteile nicht mehr zu 100 Prozent zahnärztlich versorgt.

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dpa, MDR (Leonard Schubert, Moritz Arand)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Juni 2023 | 06:00 Uhr

7 Kommentare

Erichs Rache vor 41 Wochen

@pwsksk

Also

in einem Land, in dem „Seit 1972 …, gemessen an der Zahl der gestorbenen, rund 3,2 Millionen Kinder zu wenig geboren worden.“ sind ..


Vgl. (Beschlussantrag des 20. Landesparteitages der CDU Sachsen aus dem Jahr 2006)


.... brauche ich mich nicht auch mehr zu wundern, dass es keine Haus- und Zahnärzte mehr gibt.

Da brauchen "wir" auch gar nicht "mehr diskutieren", da müssten eigentlich nur noch Staatsanwaltschaften und Gerichte "handeln"

pwsksk vor 41 Wochen

Sie fragen sich jetzt wirklich selbst oder soll das Ironie sein?
Aber mal im Ernst, wo soll (auch) diese Politik noch hinführen?
"Wir müssen mehr diskutieren."?
Nein, wir müssen endlich handeln.

Erichs Rache vor 41 Wochen

Laut Sozialministerium werden von den derzeit 1.250 Zahnärztinnen und Zahnärzten im Land bis 2030 etwa 800 altersbedingt ausscheiden.

Das ist doch mal ne schöne Ansage! :-)

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