Aufruf Opfer sexuellen Missbrauchs im Fall Pilz im Erzbistum Dresden-Meißen gesucht

In jüngster Vergangenheit sind zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche bekannt geworden. Zuletzt hatte der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, eingeräumt, eigene Fehler im Umgang mit Missbrauch während seiner Zeit als Weihbischof in Münster in den Jahren 2001 bis 2016 begangen zu haben. Nun werden in seinem jetzigen Bistum Missbrauchsopfer im "Fall Pilz" gesucht.

Kreuz auf einem Wörterbuch mit dem Wort Missbrauch
Das Bistum Dresden-Meißen sucht Opfer sexuellen Missbrauchs. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Dem 2019 verstorbenen Ex-Präsidenten des Kindermissionswerks, Winfried Pilz, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Jetzt sucht das Bistum Dresden-Meißen nach möglichen Opfern. Pilz lebte zuletzt in Leutersdorf bei Löbau.

Erzbistum Köln sucht bisher unbekannte Missbrauchsopfer

Das Erzbistum Köln hatte Winfried Pilz bereits 2012 beschuldigt, einen "schutzbedürftigen Erwachsenen" in den 1970er Jahren sexuell missbraucht zu haben. Damals war der Priester Leiter des Kindermissionswerkes "Die Sternensinger". Jetzt veröffentlichte das Erzbistum einen neuen Aufruf, wonach sich mögliche und bisher unbekannte Missbrauchsopfer melden sollen. Dem schloss sich am Donnerstag das Bistum Dresden-Meißen an.

Pilz hatte als Ruhestandsgeistlicher seit 2010 bis zu seinem Tod in Leutersdorf bei Löbau gelebt und gewirkt. Der Ort liegt nur wenige Kilometer von seinem heute in Tschechien liegenden Geburtsort Warnsdorf entfernt. In beiden Orten nahm er laut Bistum auch Vertretungsdienste als Seelsorger wahr.

"Fall Pilz" auch in Missbrauchsgutachten behandelt

Das Bistum erklärte, in der zweiten Juni-Hälfte 2022 erstmalig vom Erzbistum Köln über Vorwürfe gegen Pilz informiert worden zu sein. Bislang seien keine Verdachtsmomente aus dem Bistum Dresden-Meißen bekannt. Der "Fall Pilz" wird auch im Missbrauchsgutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger für das Erzbistum Köln behandelt. Danach hatte der als Sekretär für Pilz tätige Betroffene zum Zeitpunkt des sexuellen Kontakts das 18. Lebensjahr vollendet. Pilz habe darauf verwiesen, dass der Sex einvernehmlich stattgefunden habe.

Erzbistum nimmt Pilz' frühere Einsatzorte unter die Lupe

Den Angaben zufolge erteilte 2014 der damalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner Pilz wegen des Falls einen Verweis und legte ihm eine Geldstrafe auf. Außerdem verbot das Erzbistum dem damals schon im Ruhestand lebenden Geistlichen den Kontakt zu Minderjährigen. 2018 sei der Fall der Staatsanwaltschaft nachgemeldet worden, die wegen Verjährung keine Ermittlungen aufgenommen habe. 2021 ergaben sich laut Erzbistum Köln Hinweise auf mögliche weitere Betroffene. Nun werden an allen ehemaligen Einsatzorten des Priesters bisher unbekannte Betroffene ermutigt, sich zu melden.

Pilz leitete von 2000 bis 2010 das in Aachen ansässige Kindermissionswerk, das immer zum Jahreswechsel die bundesweit bekannte Sternsingeraktion durchführt. Von 1972 bis 1989 arbeitete der Autor zahlreicher geistlicher Lieder als Jugendseelsorger. Außerdem war Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg in Odenthal bei Köln..

MDR (vis), KNA

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