Leukämie Warum ein Avatar in Schleife die Schulbank drückt

23. Januar 2023, 14:44 Uhr

Julien Kunze hat Leukämie. Da sein Immunsystem besonders anfällig ist, muss er äußere Einflüsse meiden. Um dennoch zur Schule gehen zu können, schickt der 16-Jährige einen Avatar zur Schule. Seine Mitschüler unterstützen ihn nach Kräften und machen es möglich, dass der Schüler an Experimenten teilnimmt und sogar mit in der Kantine sitzt, zumindest virtuell.

Julien Kunze will wieder Eishockey spielen. Seit 13 Jahren steht der heute 16-Jährige auf dem Eis. Er vor Kurzem wechselte er von den Dresdner Eislöwen zu den Lausitzer Füchsen. Leukämie nahm dem Jugendlichen die Möglichkeit, seinen Sport auszuüben. Damit sich das schnell ändert, muss er den Blutkrebs besiegen.

"Das Immunsystem ist ziemlich geschwächt und man könnte sich ziemlich schnell erkälten oder krank werden", erklärt der Schüler. Eine Erkältung wäre fatal, da dies seine Therapie stoppen könnte. Um dadurch verursachte Therapiepausen zu verhindern, soll er die meisten sozialen Kontake vermeiden.

Das Immunsystem ist ziemlich geschwächt und man könnte sich ziemlich schnell erkälten oder krank werden. Das könnte die Therapie stoppen.

Julien Kunze Schüler

Aus Selbstschutz darf er daher auch nicht selbst die Schulbank drücken. Stattdessen besucht ein Avatar, ein kleiner Roboter, nun für ihn die Oberschule von Schleife.

Roboter als Medium

Der Schulavatar ist ein kleines, figürlich geformtes Gerät, welches mit einer Kamera das Geschehen live auf Julien Kunzes Notebook in seinem Zimmer überträgt. Er kann so sowohl den Ausführungen der Lehrkräfte als auch seiner Mitschüler lauschen und sich per Lautsprecher am Avatar aktiv am Unterricht beteiligen.

Ein Manko: Der Avatar ist selbst nicht mobil. Die Schulkameradinnen und Kameraden des Jugendlichen tragen den Roboter also mit sich herum, von einem Klassenzimmer ins nächste.

Zuständig dafür ist Mitschülerin Charlotte Kirschke. Sie sagt zu ihrer Aufgabe: "Ich finde es ziemlich cool, dass ich die Aufgabe bekommen habe, den Avatar jeden Tag zu nehmen. Es ist zwar manchmal ziemlich anstrengend, mit dem Raumwechsel und vielleicht auch die Gespräche zu halten mit ihm. Aber es macht mir sehr viel Spaß und es ist auch eine wichtige Chance für Julien, ein bisschen Normalität in sein Leben zu kriegen."

Verein in Dresden schickt Avatare an Schulen in Sachsen

Möglich gemacht wurde der technische Stellvertreter vom Verein Sonnenstrahl in Dresden. Dabei handelt es sich um einen von fast 100 Elternvereinen in Deutschland, die sich um krebskranke Kinder und Jugendliche sowie deren Familien kümmern.

"Ein Projekt, das wir erst seit sehr kurzer Zeit haben, ist das der tollen Schulavatare, die wir den Kindern und Jugendlichen dank unserer Spendengelder zur Verfügung stellen. Da haben wir aktuell fünf Stück in ganz Sachsen gekauft. Die sind auch schon aktiv im Gebrauch an verschiedenen Schulen", erklärt Vereinsmitglied Phylicia Seidel.

Avatar bringt ein Stück Schulalltag auf den Bildschirm

Nicht nur die Unterrichtsstunden kann Julien Kunze dank Avatar mit seinen Mitschülern verbringen, sondern auch die Pausen. Den Avatar betrachtet der Schüler daher als Bereicherung: "Der Avatar ist mir schon ziemlich wichtig. Weil es gibt eine gewisse Normalität wieder. Man ist in der Schule und geht mit seinen Mitschülern zum Mittagessen und so weiter. Es ist schon wichtig, weil man bekommt auch wirklich viel Schulmaterial mit."

Als Dauerlösung ist der kleine Roboter jedoch nicht gedacht. Für Julien Kunze werden die nächsten Monate noch einmal richtig anstrengend, bis Ende Mai hat er noch Chemo- und andere Therapien. Danach will er Stück für Stück seine Normalität zurückgewinnen, an der Schule, in Präsenz, ohne Avatar. Das Ziel: Gesund werden und dann schnell wieder raus in die Schule und vor allem aufs Eis.

MDR (sho)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. Januar 2023 | 19:00 Uhr

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