Eine Gruppe dunkel gekleideter Menschen mit Blumen vor einem Mahnmal aus Porphyr für die Bombenopfer in Chemnitz.
Am Morgen gedachten zahlreiche Menschen auf dem Städtischen Friedhof der Opfer der Bombenangriffe auf Chemnitz. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Gedenken Friedenstag Chemnitz: "Wir haben gemerkt, wie nah Krieg sein kann"

05. März 2024, 19:36 Uhr

Die Stadt Chemnitz teilt das Schicksal vieler deutscher Städte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt bei mehreren Bombenangriffen zu 75 Prozent zerstört, etwa 4.000 Menschen kamen ums Leben. Beim Chemnitzer Friedenstag wird jährlich am 5. März an die Opfer erinnert. Gleichzeitig werden Zeichen gegen Gewalt in jeder Form gesetzt.

Zahlreiche Akteure erinnerten in Chemnitz am 5. März an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Mit dem Programm am Friedenstag wird nicht nur jedes Jahr der Opfer gedacht, sondern es soll auch ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt werden. Am Vormittag wurden auf dem Städtischen Friedhof bei einer Gedenkveranstaltung Kränze und Blumen am Mahnmal der Opfer des Bombenangriffs vom 5. März 1945 niedergelegt.

Historischer Hintergrund Am 5. März 1945 fand der schwerste der zehn Luftangriffe auf Chemnitz im Zweiten Weltkrieg statt. Über 2.100 Menschen starben. Die Innenstadt wurde fast vollständig zerstört. Bei den Bombenangriffen vom 6. Februar bis 11. April 1945 kamen insgesamt 4.000 Menschen ums Leben.

Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) sagte MDR SACHSEN, dass man viele Jahre lang gedacht habe, Krieg sei weit weg. "In den letzten beiden Jahren haben wir gemerkt, wie nah das sein kann." Den 5. März als Friedenstag zu begehen, sei ein wichtiges Anliegen der Stadt. "Wir müssen daran erinnern, was Krieg für Leid bringt."

Wir müssen daran erinnern, was Krieg für Leid bringt.

Sven Schulze Oberbürgermeister Chemnitz

Gleichzeitig hoffe er, dass die Sehnsucht nach Frieden auf vielfältige Art und Weise zum Ausdruck gebracht werde, sagte Schulze. Zum Beispiel bei den verschiedenen Veranstaltungen, Lesungen und Konzerte mit fast 100 Akteuren an vielen Orten der Stadt.

Im Chemnitzer Ratssaal schauen sich Chemnitzer einen Zeitzeugenfilm an.
Im Chemnizer Ratssaal wurden Filme mit Zeitzeugen gezeigt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Chemnitzer Friedenstag Der Chemnitzer Friedenstag wird seit 2002 begangen. Initiiert wurde der Gedenktag von der Künstlerin Sabine Kühnrich und dem Pfarrer Hans-Jochen Vogel. Seit der Gründung widmet sich jährlich am 5. März eine Vielzahl von Veranstaltungen dem Gedenken der Opfer und der Bewahrung des Friedens.

Am Vorabend des Gedenktages wird traditionell der Chemnitzer Friedenspreis vergeben. Mit diesem Preis werden Personen, Initiativen und Projekte ausgezeichnet, die sich für ein gewaltfreies Miteinander in der Stadt einsetzen und das Zusammenleben verschiedener Kulturen fördern.

Krieg ist wieder mehr im Bewusstsein der Menschen

Sabine Kühnrich von der AG Friedenstag, die das Chemnitzer Gedenken seit 23 Jahren gestaltet, weist auf die aktuellen Spannungen hin. "Kriege gibt es leider immer auf der Welt."

Doch besonders der Krieg in der Ukraine hat das Thema wieder mehr in das Bewusstsein der Menschen zurückgebracht. "Es ist den Leuten wichtiger geworden, diesen Friedenstag zu begehen."

Sabine Kühnrich, Organisatorin des Chemnitzer Friedenstages.
Sabine Kühnrich hat bei der Organisation des Chemnitzer Friedenstages bemerkt, dass sich mehr Chemnitzer mit dem Thema Frieden auseinandersetzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Daher habe es eine große Beteiligung vieler engagierte Bürger gegeben. "Wir sind umringt von Ausstellungen, es gibt ein großes weißes Kreuz mit Bildschirmen, die durch den Krieg zerstörte Städte zeigen." Es gebe musikalische Programme und Lesungen "Die Läufer von der Laufkultur Chemnitz laufen einen Kurs in Form einer Friedenskerze mit einer Länge von 12,5 Kilometern."

Bunte Banner mit Kinderwünschen auf dem Chemnitzer Markt

Traditionell ist der Neumarkt auch am 23. Chemnitzer Friedenstag der Schauplatz der meisten Veranstaltungen. Um die Bühne haben verschiedene Vereine ihre Stände aufgebaut. Am Rathaus und anderen Gebäuden sind große gemalte Banner mit Botschaften von Chemnitzer Schülern angebracht.

Am Chemnitzer Rathaus hängen bunte Fahnen mit gemalten Friedensbotschaften.
Die Banner der Chemnitzer Schüler zeigen ihre Wünsche für eine friedvollere Welt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Sie haben sie gemeinsam mit dem Chemnitzer Künstler Marian Kretschmer und der Bürgerinitiative "Aktion C" um Silvia Eichner gestaltet. "Die Kinder und Jugendlichen haben der Welt etwas zu sagen, was sie in diesen Bannern verarbeitet haben." So hätten Kinder der Montessori-Schule ein Banner mit dem Titel "Der Traum vom Frieden hält mich wach" gemalt, "Tiere haben ein Recht zu Leben" sei von Kindern der Pestalozzischule gestaltet worden.

Der Friede ist fragil

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Ruth Röcher, blickt am Chemnitzer Friedenstag mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. "Die Konflikte auf der Welt nehmen zu. Man sieht, wie fragil der Friede ist."

Viele Jahre sei Frieden als etwas Selbstverständliches hingenommen worden. Umso mehr müsse jetzt darum gekämpft werden. "Krieg nimmt den Menschen jede Möglichkeit, sich zu entfalten", fügt sie hinzu.

Ruth Röcher, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz
Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, Ruth Röcher, hofft auf kluge Politiker, die dem Frieden eine Chance geben. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der Chemnitzer Friedenstag erreicht seinen Höhepunkt mit der Veranstaltung "Menschenkinder", an denen der Junge Chor der Städtischen Musikschule Chemnitz und der Theaterjugendclub Chemnitz beteiligt sind. Gegen 21 Uhr versammeln sich die Akteure zum gemeinsamen Abschluss des Tages am Friedenskreuz.

MDR (tfr/rkü/dst)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 05. März 2024 | 19:00 Uhr

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