Visual der Ausstellung "Hin und Weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart", ein in orange gehaltene Fotografie des Inneren des Palast der Republik
Im Rahmen der Ausstellung zum Palast der Republik finden auch verschiedene Veranstaltungen statt. Bildrechte: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss; bpk / Gerhard Kiesling

DDR-Baukunst Palast der Republik: Wiederentdecktes Modell der TU Freiberg krönt Berliner Ausstellung

16. Mai 2024, 04:00 Uhr

Eine Sonderausstellung im Berliner Humboldt-Forum erinnert ab Donnerstag an den Palast der Republik. Darin wird erstmals öffentlich ein Modell des Palastes aus der Kustodie der TU Bergakademie Freiberg gezeigt. Das Stahlskelett war lange vergessen und wurde bei Recherchen in Leipzig wiederentdeckt. In Freiberg restauriert, zeigt es, wie kunstfertig die DDR-Architekten und -Ingenieure waren und dass sie mit den Konstrukteuren des Centre Pompidou in Paris hätten mithalten können.

Der Palast der Republik war ein Prestigebau der DDR und ähnlich populär wie der Fernsehturm – bis das Gebäude im Jahr 2006 abgerissen und an seiner Stelle das Humboldt-Forum in der Form des Hohenzollernschlosses errichtet wurde. Dort ist nun die Sonderausstellung "Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart" zu sehen. Eines der wichtigsten Exponate ist ein Modell des Palastes aus der Kustodie der TU Bergakademie Freiberg.

Wiederentdeckung eines rätselhaften Modells

Das Modell war lange vergessen und wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts wiederentdeckt. Der Bauhistoriker Volker Chris Mende recherchierte damals zum Metallleichtbaukombinat Leipzig und wurde dabei in einen Raum voller Müll und Unrat geführt. Unter einer Plane stand ein blaues dreiteiliges Stahlskelett. "Maßstab 1:50" verriet ein Zettel, lieferte aber keine Information, welche Kühl- oder Fabrikhalle bzw. welches Verwaltungsgebäude dieses Modell darstellt. Es sei ein sehr auffallendes Objekt gewesen, berichtete Mende später. Er habe aber in dem Moment noch nicht gesehen, um welches Gebäude es sich handelte.

Ein Modell des Palast der Republik von der TU Freiberg, eine blaue Stahlkonstruktion.
Das blaue Stahlskelett mit orangefarbener Hubvorrichtung kommt von der TU Bergakademie Freiberg. Bildrechte: TU Bergakademie Freiberg

Die Erleuchtung kam am Abend, als der Bauhistoriker in einem Buch blätterte: Es musste sich um den Palast der Republik handeln. Aber das Modell zeigte nicht den vertrauten Anblick mit weißem Marmor und den bronzefarbenen Scheiben. Stattdessen war ein blaues dreiteiliges Metallgerüst, bestehend aus zwei Seitenteilen und einem etwas niedrigeren Mittelteil, dargestellt.

Es habe damals weder Gebäudehülle noch Dach gegeben. Auch die Außenanlagen seien nur stilisiert dargestellt worden und leicht farblich abgesetzt. Deswegen sei auch die Spree nur grob als Einsenkung in der Modellplatte zu sehen, so Mende. Der Fokus liege auf der Innovation Tragwerk.

Ein Modell, das nicht die Realität zeigt

Und die hat es in sich: Zum ersten Mal wurde in der DDR ein Gebäude mit abgehängten Etagen gebaut. Das heißt, die einzelnen Stockwerke standen nicht auf Stützen, sondern hingen an der Dachkonstruktion.

Blick aus der Luft auf den Palast der Republik, das Marx-Engels-Forum und den Fernsehturm.
Ein Blick auf den Palast der Republik vor seinem Abriss im Jahr 2006. Bildrechte: bpk / Interflug-Luftbildarchiv

Das Modell zeigt den Moment, in dem eines der 86 Meter breiten Dachteile von einem speziellen Hubsystem, einer DDR-Innovation aus dem Metallleichtbaukombinat, angehoben wird. Das funktionierte "über ein koordiniertes Windensystem und eine verschiebbare Hubbühne", erklärte Mende MDR KULTUR.

Bis zu den Winden ist das Modell detailliert ausgearbeitet worden. Wahrscheinlich diente es weniger der Repräsentation vor der Partei- und Staatsführung als der Bauplanung vor Ort. Denn es zeigt das Stahlskelett des Palastes, wie es nie zu sehen war, sagte der Leiter der Freiberger Kustodie Andreas Benz MDR KULTUR. Das Interessante an dem Modell sei, dass es ein idealtypisches Konstruktionsmodell zeige und kein fertiges Baumodell.

Es zeigt das Stahlskelett des Palastes, wie es nie zu sehen war.

Andreas Benz, Leiter der Freiberger Kustodie

Auf drei verschiedenen Platten, die miteinander kombiniert werden konnten, werden die drei Teile des Palastes der Republik jeweils zu einem bestimmten Abschnitt des Bauens gezeigt: das Foyer, die Volkskammer und der große Saal. Diese Bauabschnitte waren aber laut Benz in der Realität nie zur selben Zeit zu sehen.

Blick auf den Palast der Republik, dem Parlament der DDR, in dem die Volkskammer tagt, aufgenommen 1986. 9 min
Bildrechte: picture-alliance / dpa | ADN Zentralbild
9 min

Das Humboldt Forum reflektiert die Frage, warum der Palast der Republik abgerissen und an seiner Stelle das Humboldt Forum errichtet wurde. Nikolaus Bernau im Gespräch über die Schau zum Palast der Republik in Berlin.

MDR KULTUR - Das Radio Do 16.05.2024 07:10Uhr 09:25 min

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Stolzes Symbol der Ingenieursarbeit der DDR

Die Präzision, mit der das Modell gefertigt wurde, beeindruckt bis heute, sagte Bauforscher Volker Chris Mende MDR KULTUR. Es zeuge nicht nur von handwerklichem Geschick, sondern erzähle auch von der Begeisterung, an einem innovativen und prestigeträchtigen Bau beteiligt zu sein. In dem Modell stecke eine Menge Stolz und Ingenieursüberzeugung. "Hier zeigt die Signalfarbe deutlich an: Das sind wir, das ist das MLK, das ist unsere Leistung", so Mende.

Wenn auch nur hinter der Fassade, denn das Modell transportiere auch eine Menge an hintergründigen Informationen. Es lasse die Betrachterin oder den Betrachter in eine Welt des Ingenieurbauwesens eintauchen, die es so heute nicht mehr gibt.

Glasblume im Foyer des Palastes der Republik in Berlin.
Im Palast der Republik war früher auch die "Gläserne Blume" von Reginald Richter zu sehen. Bildrechte: imago/NBL Bildarchiv

Neue Perspektiven auf den Palast der Republik

Der Palast reiht sich ein in die Reihe großer Stahlskelettkonstruktionen. Den radikalen Mut, wie beim fast gleichzeitig entstehenden Centre Pompidou in Paris, bei dem das Stahlskelett offen präsentiert wurde, hatte man in der DDR nicht. Das übernimmt nun das Modell in der Berliner Ausstellung "Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart".

Es vermittelt eben nicht Architektur, nicht Städtebau, sondern Ingenieurbau.

Volker Chris Mende, Bauhistoriker

Mit ihm bekommt man eine neue Sicht auf ein bekanntes Bauwerk, urteilt Bauhistoriker Volker Chris Mende. Denn hier werden nicht Architektur oder Städtebau vermittelt, sondern Ingenierbau. Das sei etwas ganz Neues für die Bereiche, die man allgemein mit dem Palast der Republik und seinem städtebaulichen Umfeld verbinde, findet Mende.

Mehr Informationen zur Ausstellung:

"Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart"
17. Mai 2024 bis 16. Februar 2025

Adresse:
Humboldt-Forum
Schloßplatz 1, 10178 Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag von 10:30 bis 18:30 Uhr, Dienstag geschlossen

Veranstaltungen (Auswahl):
17. Mai 2024: Eröffnung um 18 Uhr, im Anschluss Schauspiel "Bau auf! Bau ab!"
2. Juni 2024: Performance "Raumspiel_Variationen"
23. Juni 2024: Tischgespräche "Palast-Treff"
Es werden außerdem verschiedene Führungen angeboten.

Quelle: MDR KULTUR, TU Freiberg; Redaktionelle Bearbeitung: as, sg

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Mai 2024 | 12:10 Uhr

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