Femizid Mutter vor den Kindern erstochen: Mordprozess gegen Ehemann in Zwickau

14. August 2023, 15:45 Uhr

Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag am Landgericht Zwickau der Prozess um die Tötung einer fünffachen Mutter begonnen. Angeklagt ist der 36 Jahre alte Ehemann der Frau. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Februar dieses Jahres die 33-Jährige vor den Augen ihrer Kinder erstochen zu haben. Sie geht von einem heimtückischen Angriff aus niederen Beweggründen aus. Die Anklage lautet deshalb auf Mord. Er habe am 11. Februar den festen Vorsatz gehabt, seine Ehefrau zu töten, sagte Staatsanwältin Barbara Gremm beim Verlesen der Anklage.

Den Ermittlungen zufolge hatte sich die Frau nach wiederholter Gewalt von ihrem Ehemann getrennt. Die Frau lebte mit den Kindern in einer sozialen Wohneinrichtung in Crimmitschau. Doch nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der Mann die Trennung nicht hinnehmen. Er sei der Auffassung gewesen, dass sie sein Eigentum sei und kein Recht auf eine selbstständige Lebensgestaltung habe, so die Staatsanwältin. Deswegen habe er sie bestrafen wollen.

Landgericht und Amtsgericht Zwickau
Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag ein Mordprozess gegen einen 36-Jährigen in Zwickau begonnen. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Der 36-Jährige hatte jedoch das Umgangsrecht für die Kinder. Bei einem Treffen am 11. Februar 2023 soll er ein Messer gezogen und elf Mal auf den Oberkörper der Frau eingestochen haben, dabei auch direkt ins Herz, so dass sie starb, teilte ein Gerichtssprecher mit. Sie habe nicht mit dem Angriff gerechnet und sei arg- und wehrlos gewesen, betonte Gremm. Der Ehemann war zunächst geflohen. Kurz darauf stellte ihn die Polizei in Neukirchen und nahm ihn fest.

Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen

Der Vorsitzende Richter hat für das Verfahren Personenkontrollen vor dem Sitzungssaal angeordnet. Die sind sonst nur vor den Haupteingängen von Justizgebäuden vorgesehen. Doch bei dem Verfahren gebe es Sicherheitsbedenken, sagte ein Gerichtssprecher der "Freien Presse". Es werde angenommen, dass auch Familienangehörige des Opfers und des Angeklagten zur Verhandlung kommen. Der Angeklagte und das Opfer sind afghanische Staatsbürger.

Der Angeklagte selbst verfolgte das Geschehen weitgehend regungslos. "Vieles, was mir vorgeworfen wird, kann ich nicht annehmen", sagte er vor Gericht. Weitere Angaben werde er noch nicht machen, sagte sein Anwalt. Daher war der erste Verhandlungstag nur von kurzer Dauer, Zeugen wurden noch nicht angehört. Der Prozess soll nun am kommenden Montag fortgesetzt werden, weitere Verhandlungstage sind bis Mitte Oktober geplant.

MDR (kk)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 14. August 2023 | 08:30 Uhr

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