Ein Junge schaut in den Schrank mit Putzmitteln
Der Schrank mit den Putzmitteln kann für Kinder lebensgefährlich werden. Bildrechte: imago images/photothek

Vorsicht im Alltag Heiße Herdplatten, Putzmittel, Badewanne: Gefahren für Kinder lauern überall

13. März 2023, 13:30 Uhr

Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste. Dazu gehört auch, sie vor Unfällen zu bewahren. Risiken lauern dabei auch im eigenen Haushalt. Ein mögliches Ertrinken und unglückliche Stürze auf den Kopf oder den Bauch sind die größten Gefahren für Kinder. Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärt der Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden, Georg Heubner, wie Eltern vorsorgen können.


Heiße Herdplatten, Messer, Gabeln, Plastiktüten, Spülmittel, Schwimmbecken -  wo lauern die täglichen Gefahren für Kinder und Jugendliche?

Georg Heubner: Sie haben schon einige Risikosituationen genannt. Es müssen nicht immer tiefe Becken sein. Besonders für kleinere Kinder können schon Badewannen schwierig sein - alle Wasserbehältnisse, in denen sie mit dem Gesicht untertauchen können. Die Pandemie war deswegen besonders für die Kleinen eine Herausforderung. Schwimmkurse konnte nicht für alle durchgeführt werden. Nun müssen wir davon ausgehen, dass viele Kinder bis zu einem gewissen Alter weiterhin Nichtschwimmer sind.

Ist das so gefährlich?

Die Gefahr des Ertrinkens ist ein absolut relevantes Risiko. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass durch einen Ertrinkungsunfall tatsächlich Schäden entstehen. Sie brauchen ja nur kurze Zeit unter Wasser und ohne Sauerstoff zu sein. Unbeobachtete Teiche, Schwimmbecken, Badewannen, sie müssen gar nicht tief oder vollgefüllt sein - Wasser ist ein Risiko.

Sie erwähnten auch unglückliche Stürze.

Der Klassiker bei den kleineren Babys ist der Sturz vom Wickeltisch. Ein Baby wird gewickelt, es klingelt, eigentlich liegt es ruhig da, nur kurz die Tür öffnen - und schon dreht sich das Baby und stürzt direkt in ein Schädel-Hirn-Trauma. Das passiert relativ oft.

Sie sitzen im Städtischen Klinikum im Zentrum des Unfallgeschehens. Was sind die häufigsten Ursachen für Unfälle von Kindern?

Schädel-Hirn-Traumata sind tatsächlich einer der häufigsten Gründe, weshalb Säuglinge oder Kleinkinder im Krankenhaus aufgenommen werden. Ist ein Kind - aus relevanter Höhe - gestürzt und bekommt Kopfschmerzen, kämpft es mit Übelkeit und ist benommen, sollten Eltern schnellstens einen Arzt aufsuchen. Kurzum: Bei Symptomen oder Folgen eines Kopfsturzes direkt zum Arzt.

Doch Kinder fallen ja nicht nur auf den Kopf.

Ja, natürlich. Doch Stürze auf den Kopf und auch auf den Bauch sind besonders gefährlich. Fällt ein Kind hart auf den Bauch, kann es zu Verletzungen der inneren Organe, der Leber oder der Milz kommen und das Kind ein stumpfes Bauchtrauma erleiden. Hier muss dann vor Ort entschieden werden, ob eine stationäre Beobachtung nötig ist. Das sind die häufigsten Unfallursachen bei den zwei- bis fünfjährigen Kindern. Bei den größeren Schulkindern und Jugendlichen passieren die meisten Unfälle im Straßenverkehr - oft mit dem Fahrrad.

Das hört sich alles ganz schrecklich an und macht den Eindruck, als wären die Kinder tagtäglich in Gefahr. Wie können Eltern damit umgehen?

Die Zahl der verletzten Kinder ist letztlich sehr gering, das muss man auch dazu sagen. Ich denke, es gibt keinen Grund, permanent in Sorge zu leben. Doch es ist vernünftig, die eigene Wohnung kindersicher zu machen und mögliche Gefährdungssituationen wie den Sturz vom Wickeltisch zu vermeiden. Wichtig ist es auch, Dosen mit Chemikalien zu sichern oder Medikamente außerhalb der Reichweite zu lagern.

Häufig ist der Übergang vom Säugling zum Kleinkind gefährlich. Erst bewegen sich die Babys fast nicht, dann krabbeln sie überall hin, wo wir es uns nur vorstellen können. Wenn sie anfangen zu laufen, haben sie noch einmal eine ganz andere Reichweite. Mit der richtigen kindersicheren Vorsorge und einem wachen Auge kann man ganz vieles vermeiden und erhebliche Sicherheitsrisiken für Kinder abwehren.

Ich denke, es gibt keinen Grund, permanent in Sorge zu leben.

Dr. Georg Heubner Chefarzt der Kinder-und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden

Was sollte unbedingt vermieden werden?

Ein Risiko sind auch Treppen und mögliche Treppenstürze. Wir nehmen immer wieder Kinder auf, die Kellertreppen heruntergestürzt sind. Reinigungsmittel sind wie schon erwähnt eine große Unfallquelle. Wenn Kinder diese trinken oder essen, können sie sich verätzen oder Vergiftungen zuziehen. Ebenso schwierig sind Medikamente - auch wenn diese für Erwachsene als relativ ungefährlich betrachtet werden. Auch ganz gängige Medikamente, wie zum Beispiel Paracetamol oder Ibuprofen, sind für Kinder in einer hohen Dosierung lebensgefährlich.

Es wird sich immer über Helikoptereltern beschwert. Wie gelingt Eltern die Gratwanderung, auf ihr Kind aufzupassen und ihm gleichzeitig Freiheit zu geben?

Das ist pauschal schwer zu beantworten. Vieles liegt in der individuellen Natur der Eltern, aber auch in dem individuellen Charakter der Kinder. Im Einzelfall kann dies durchaus ein schwieriger Balanceakt sein: Einerseits auf Sicherheit der Kinder zu achten und ihnen andererseits den Freiraum zu gewähren, den sie brauchen für eine normale Entwicklung. Ich gehe davon aus, dass diese Balance den meisten Eltern gut gelingt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Tag | 13. März 2023 | 11:20 Uhr

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