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Nadja Herbig lebt seit vielen Jahren in Dresden. Die sorbische Sprache ist für sie trotzdem ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit. Alles auf Deutsch zu sagen, würde sich falsch anfühlen. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Familienleben Sorbin in Dresden: "Würde sich falsch anfühlen, alles auf Deutsch zu machen"

10. März 2024, 16:11 Uhr

Sorben leben nicht nur in beschaulichen Dörfern wie Crostwitz, Räckelwitz oder Radibor. Nein, gerade junge Menschen wollen die Welt bereisen, studieren und sich selbst verwirklichen. Etliche Sorbinnen und Sorben leben auch in Dresden, haben hier die große Liebe gefunden und eine Familie gegründet. Für sie sind sorbische Angebote außerhalb der eigenen vier Wände sehr wichtig, sagt eine Dresdner Sorbin. Doch bald wird der einzige deutsch-sorbische Kindergarten der Landeshauptstadt dichtmachen.

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Wohnjowa wobora - das heißt "Feuerwehr" auf Sorbisch. Wenn der einjährige Nathan in Dresden das rote Auto sieht, spricht seine Mama vom "awto wohnjoweje". Denn Nadja Herbig ist Sorbin. Auch wenn die 33-Jährige seit dem Wegzug aus Bautzen mittlerweile ihr halbes Leben in Dresden wohnt und genauso gut auf Deutsch mit ihren Kindern sprechen könnte, ist ihr ihre Muttersprache von großer Bedeutung.

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Die Sorbin Nadja Herbig nutzt für die Sprachvermittlung auch zweisprachige Kinderzeitschriften. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

"Sorbisch ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Den kann ich nicht wegdenken. Es würde sich für mich falsch anfühlen, alles auf Deutsch zu machen", erklärt sie.

Deshalb spricht auch die dreijährige Tochter Maja auf Sorbisch mit der Mama. Kommen Papa oder Opa ins Zimmer, schaltet das Mädchen sofort um und redet Deutsch. Diese Zweisprachigkeit bietet nach Ansicht von Nadja Herbig nur Vorteile - beispielsweise für die geistige Entwicklung, aber auch für das Verständnis anderer Kulturen.

Sorben gibt es nicht nur in der Lausitz. Es gibt sie auch in Berlin, in München und eben hier in Dresden.

Nadja Herbig Sorbin und Dresdnerin

"Sorben gibt es nicht nur in der Lausitz. Es gibt sie auch in Berlin, in München und eben hier in Dresden." Es überrascht Nadja Herbig manchmal, wie viele es in der Landeshauptstadt sind.

Stup dale schafft Sprachangebote für Kinder

Im Jahr 2009 hatte sich deshalb der Verein "Stup dale" gegründet. Der will für sorbische und gemischtsprachige Dresdner Familien Bildungsangebote schaffen. Es war ihm gelungen, zwei sorbische Betreuungsangebote in der Stadt zu etablieren. In der Dresdner Neustadt betreut eine sorbische Tagesmutter Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren. Die städtische Kita in der Geisingstraße in Striesen hat ebenfalls seit gut zehn Jahren eine Sorbischgruppe.

Die deutsch-sorbische Kita ist ein Containerbau an der Geisingstraße in Dresden.
Die deutsch-sorbische Kita ist ein Containerbau an der Geisingstraße in Dresden-Sriesen. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Dort arbeitete unter anderem auch Nadja Herbig vor ihrer Elternzeit als Erzieherin. Die Kita habe ein offenes Konzept, sodass die Kinder selbst entscheiden, wo und mit wem sie spielen. "Mein Part dabei war, so viel Sorbisch wie möglich anzubieten - spielerisch, mit Gesang und Gitarre, mit Basteleien und in alltäglichen Situationen wie beim Essen und auf Toilette gehen."

Die sorbische Kultur werde dort zelebriert. "Das Maibaumfest ist ein richtiges Kita-Fest geworden." Die sorbischsprachige Kinderbetreuung bedeute eine große Entlastung für die Eltern, die sonst in viel Eigeninitiative die Sprache erhalten, so Nadja Herbig.

Die deutsch-sorbische Kita ist ein Containerbau an der Geisingstraße in Dresden. Sie ist in sorbischer und deutscher Sprache beschildert.
Die Kita ist auch auf Sorbisch beschildert. Bildrechte: MDR/Wiebke Müller

Deutsch-sorbische Kita wird schließen

Doch die Tage dieser zweisprachigen Kindertageseinrichtung sind gezählt. Das Haus wird Ende August 2026 den Betrieb einstellen, bestätigt die Stadt Dresden auf Anfrage von MDR SACHSEN. Bis dahin werden das "mit Freude und Engagement gelebte sorbische Konzept Grundlage für die pädagogische Arbeit in der Einrichtung sein", teilte Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) mit. "Eben diese Arbeit mit den Kindern und Familien im Rahmen des sorbischen Konzeptes hat allen Beteiligten sehr positive Erfahrungen und Ressourcen beschert."

Die Arbeit im Rahmen des sorbischen Konzeptes hat allen Beteiligten sehr positive Erfahrungen und Ressourcen beschert.

Jan Donhauser (CDU) Bildungsbürgermeister von Dresden

Jan Donhauser
"Die Kindertageseinrichtung Geisingstraße 25 wird nach aktuellem Stand zum 31.08.2026 den Betrieb einstellen", sagt Bildungsbürgermeister Jan Donhauser. Bildrechte: IMAGO / Sven Ellger

Bisher ist nicht klar, wie es nach 2026 weitergeht. Der städtische Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen signalisiert aber, dass man das bilinguale Konzept gern in einer anderen Einrichtung weiterführen wolle.

Sorbischer Schulverein als Träger der Neustädter Kindertagespflege

Das Betreuungsangebot in Sorbisch für Kleinkinder in der Dresdner Neustadt ist ebenfalls nicht in Stein gemeißelt. Aber seit einem Jahr hat der Sorbische Schulverein aus Bautzen die Trägerschaft übernommen, um der Tagesmutter nun als Angestellte mehr berufliche Sicherheit zu geben.

Für die Organisation ist die Tagespflege außerhalb des sorbischen Siedlungsgebiets eine Ausnahme, aber auch eine "Herzensangelegenheit". Aktuell sei die Einrichtung mit fünf Kindern ausgelastet, freut sich Andreas Oschika vom Sorbischen Schulverein. Doch auch nur unter dem Vorbehalt der Auslastung lasse sich das Angebot dauerhaft aufrechterhalten.

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Die Kinderzeitung "Lutki" ist zweisprachig und eignet sich für Familien, in denen nicht alle Mitglieder Sorbisch können. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Sorben zurück ins Kerngebiet?

Der Aufbau weiterer Angebote in Dresden kommt für den Verein schon mangels Förderung nicht in Frage. Sorbische Fördermittel könnten nur innerhalb des Siedlungsgebietes eingesetzt werden, erklärt Oschika. Er weiß, viele junge Sorben und Sorbinnen gingen zum Studium nach Dresden, verliebten sich, bekommen Kinder.

"Unsere aktuelle Aussage ist, ins Kerngebiet zurückzukehren." Die Autobahnanbindung zum Pendeln sei gut und schließlich gebe es heutzutage Homeoffice-Möglichkeiten, so der Geschäftsführer des Schulvereins.

Das ist für Familie Herbig keine Option: "Ich bin in Dresden, seitdem ich 15 bin. Mein Mann ist hier verwurzelt. Zurückzugehen wäre für mich ein großer Umbruch", sagt Nadja Herbig. Die zweifache Mutter hat seit einem Jahr einen sorbischen Kinderkreis in Dresden ins Leben gerufen. Die Treffen sollen Familien mit ihren Kindern eine Möglichkeit mehr geben, miteinander Sorbisch zu sprechen.

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