Politik Landratswahlen in Sachsen: Mittelsachsen einziger Landkreis ohne CDU-Sieger

In sechs Landkreisen wurden am Sonntag neue Landräte gewählt. Inzwischen stehen die Ergebnisse des zweiten Wahlgangs fest: In Mittelsachsen wird ein Einzelbewerber neuer Landrat. Die Landkreise Vogtland, Erzgebirge, Bautzen und Görlitz werden weiter von der CDU regiert. Auch im Landkreis Zwickau ist weiter ein CDU-Mann an der Spitze - doch das Ergebnis fiel denkbar knapp aus.

Landratsamt Erzgebirgskreis in Annaberg-Buchholz
Im Erzgebirgskreis wird auch zukünftig die CDU den Landrat stellen. Rico Anton kam im zweiten Wahlgang der Landratswahlen auf 40,1 Prozent der Stimmen. Bildrechte: IMAGO / Uwe Meinhold

Die CDU stellt in fünf weiteren Landkreisen den Landrat. Nach Angaben des Statistischen Landesamts bekamen die CDU-Kandidaten in den Kreisen Zwickau, Bautzen, Vogtland, Erzgebirge und Görlitz die meisten Stimmen. In Mittelsachsen hingegen geht der Landratsposten an einen Einzelbewerber. Die AfD hatte sich gute Chancen ausgerechnet, das erste Mal deutschlandweit einen Landratsposten zu besetzen. Doch auch im zweiten Wahlgang landete die Partei in keinem Kreis auf dem ersten Platz.

Landkreis Mittelsachsen: Einziger Wahlkreis ohne CDU-Sieger

Dirk Neubauer, der designierte Landrat aus dem Kreis Zwickau, ist der aktuelle Bürgermeister von Augustusburg. Er hat im zweiten Wahlgang der Landratswahl 55,6 Prozent der Stimmen bekommen. Mitbewerber Rolf Wiegand (AfD) und Sven Liebhauser (CDU) liegen bei 24,1 und 20,4 Prozent. Neubauer bedankte sich bei seinen Wählern und machte deutlich, dass er auf keinen Fall "eine weitere Person sein möchte, die Leuten was verspricht, was sie nicht hält. Das wird der Maßstab sein für das, was ich mache." Es gebe viele, die das unterstützten. Nun müssten Mehrheiten gefunden werden. Er freue sich auf die großen und wichtigen Aufgaben, die nun zeitnah umgesetzt werden müssten. Ziel sei es, dass die Menschen wieder Vertrauen fassen.

Landkreis Zwickau: Nur zehn Stimmen Unterschied bei Landratswahlen

In Zwickau hat es ein Kopf an Kopf-Rennen um den Posten des Landrats gegeben. CDU-Kandidat Carsten Michaelis gewann mit nur zehn Stimmen (26.679) gegen Freie Wähler-Kandidatin Dorothee Obst (26.669 Stimmen). Beide erhielten 35,9 Prozent der Stimmen. Gewinner Michaelis schrieb auf Instagram: "Was für ein Wahlabend! Danke!" Mit großer Dankbarkeit blicke er auf das Wahlergebnis. Weit abgeschlagen waren hingegen die Kandidaten Andreas Gerold (AfD, 19,1 Prozent), Jens Jaruschka (SPD, 7,2 Prozent) und Jens Haustein (die Basis, 1,8 Prozent).

CDU im Kreis Bautzen stellt erneut Landrat

Im Landratsamt des Landkreises Bautzen wird auch in Zukunft die CDU das Sagen haben. Udo Witschas kam auf 43,5 Prozent der Stimmen und blickt nach eigenen Angaben stolz aber auch demütig auf das Ergebnis: "Ich denke, ich habe auf Ergebnisse verwiesen. Und ich glaube, dass die Menschen gesagt haben: 'Das hat Hand und Fuß.' Man vertraut mir." Die AfD kam mit Frank Peschel auf 27 Prozent, gefolgt von Alex Theile (SPD, Linke, Grüne, 23,9 Prozent) und Tobias Jantsch (Einzelbewerber, 5,5 Prozent).

Wahlsieg für CDU im Erzgebirgskreis

Im Erzgebirgskreis konnte sich ebenfalls ein CDU-Kandidat durchsetzen: Rico Anton kam im zweiten Wahlgang auf 40,1 Prozent der Stimmen, gefolgt von Volker Weber (Freie Wähler, 33,8 Prozent). Die AfD kam mit Torsten Gahler auf 16,3 Prozent der Stimmen, die Freien Sachsen erhielten mit Stefan Hartung 9,8 Prozent.

Hennig siegt bei Landratswahlen im Vogtlandkreis

Thomas Hennig ist neuer Landrat im Vogtlandkreis. Nach Angaben des Statistischen Landesamts kam er nach Auszählung aller Gemeinden im Kreis auf 63,4 Prozent der Stimmen. Hennig ist bisher Oberbürgermeister der Stadt Klingenthal und seit 2010 in der Regionalpolitik tätig. Er setzte sich gegen AfD-Kandidat Roberto Rink (26,4 Prozent) und Janina Pfau für Die Linke (10,2 Prozent) im zweiten Wahlgang durch.

Görlitz: Deutlicher Wahlsieg für CDU

Auch in Görlitz steht fest, wer die Geschicke des Landkreises die nächsten sieben Jahre lenkt: CDU-Kandidat Stephan Meyer hat mit deutlichem Vorsprung (56,4 Prozent) die Wahl für sich entschieden. Im Interview mit MDR SACHSEN sagte er: "Ich nehme das Ergebnis auch als Zeichen an, dass eine Breite der Gesellschaft hinter mir steht und die möchte ich dann natürlich als Landrat auch überparteilich abbilden in meiner Arbeit als Landrat."

Der Landratskandidat der AfD, Sebastian Wippel, sagte: "Man kann mit dem Ergebnis natürlich nicht ganz so zufrieden sein. Wir hätten es gerne geschafft, ich wäre es gern geworden. Aber wir haben gezeigt, dass wir eine starke, stabile Stammwählerschaft haben. Die Wahlbeteiligung ist mit 40 Prozent enttäuschend." Wippel erreichte 35,8 Prozent der Stimmen, Einzelbewerber Sylvio Arndt kam auf 7,8 Prozent der Stimmen.

Zweiter Wahlgang: Wahlbeteiligung unter 40 Prozent

Insgesamt wurde an diesem Sonntag in sechs Landkreisen ein neuer Landrat gewählt. Die Wahlbeteiligung lag in allen Kreisen bei unter 40 Prozent - Schlusslicht bildet der Landkreis Zwickau (28,9 Prozent). Im Landkreis Görlitz haben im Verhältnis die meisten Wählerinnen und Wähler ihre Stimme abgegeben (39,8 Prozent).

12. Juni: Drei CDU-Landräte im Amt bestätigt

In den Landkreisen Nordsachsen, Leipzig und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stehen bereits seit dem 12. Juni die Amtsinhaber fest. Im Landkreis Nordsachsen wurde Kai Emanuel (parteilos) mit 62,9 Prozent wiedergewählt. Die Geschicke des Landkreises Leipzig werden in den kommenden sieben Jahren von Henry Graichen (CDU) geleitet. Er wurde mit 69,9 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Eine weitere Amtszeit tritt auch Michael Geisler (CDU) im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an. Er bekam im ersten Anlauf 54,4 Prozent der Wählerstimmen.

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MDR (kp)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 04. Juli 2022 | 05:00 Uhr

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