Busse stehen auf einem Parkplatz.
Für die Busfahrer PVG gilt einälterer Vertrag, der bis zu 244 Arbeitsstunden vorsieht. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Verkehrsgesellschaft PVG Ärger bei Busfahrern im Weimarer Land - Kritik von Gewerkschaft

09. Dezember 2023, 06:00 Uhr

In der Personenverkehrsgesellschaft Weimarer Land knirscht es gewaltig. Personalmangel, Ärger mit dem Betriebsrat und ein angespanntes Klima haben inzwischen auch die Gewerkschaft auf den Plan gerufen. Laut Verdi-Sprecherin Katja Barthold gibt es aktuell mehrere Klagen vor dem Arbeitsgericht.

"Eine solch verfahrene Situation habe ich noch nicht erlebt", sagt Verdi-Sprecherin Katja Barthol. "Bei der Personenverkehrsgesellschaft Weimarer Land (PVG) klemmt es an so vielen Ecken." Einige der Vorwürfe: Ruhezeiten der Fahrer würden nicht eingehalten und die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sei viel zu hoch. Dem widerspricht PVG-Chefin Ines Riemann. "Von der Einigungsstelle wurde kein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz festgestellt. Der Tarifvertrag wird eingehalten", so Riemann.

Allerdings gilt für die Fahrer ein recht alter Vertrag, der bis zu 244 Arbeitsstunden vorsieht. "Viele Fahrer wünschen sich das. Sie finden es gut, so viel arbeiten zu dürfen und vielleicht am Ende des Monats einen Groschen mehr in der Tasche zu haben", sagt Riemann.

"Der Manteltarifvertrag ist absichtlich nicht von Verdi gekündigt worden, da er besser sei als der Manteltarifvertrag Nahverkehr", sagt die PVG-Chefin.

Verdi-Sprecherin Katja Barthold kontert: "Stimmt, der Tarifvertrag ist gut, allerdings müsste er eingehalten werden", sagt sie. "Dass das passiert, wird gerade vor Gericht erstritten."

Ein Schildder PVG Weimarer Land
Am 9. Dezember hat der PVG-Betriebsrat zu einer Versammlung geladen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Zu viele Fahrten für zu wenig Fahrer

Aber noch etwas anderes moniert die Gewerkschaft. Sie sieht die Dienstpläne zu eng gestrickt. "Schon auf dem Papier sieht man - das kann nicht funktionieren. Es sind viel zu viele Fahrten für zu wenig Fahrer geplant", berichtet Verdi-Sprecherin Katja Barthold. Die Konsequenz bekämen am Ende die Kunden zu spüren.

Immer wieder fallen vereinzelt Busse aus oder der Fahrplan wird ausgedünnt, so wie im Schulbusverkehr nach Döbritschen geschehen (MDR THÜRINGEN berichtete).

Gewerkschaft bemängelt Mitspracherecht

"Doch es gibt viel mehr, was uns als Gewerkschaft stört. Ein weiterer Punkt ist das Mitspracherecht", so Barthold. Der Betriebsrat möchte vor Inkrafttreten die Dienstpläne einsehen, um mögliche Verstöße gegen Ruhezeiten frühzeitig zu erkennen. "Das aber wird verwehrt."

Die PVG-Chefin widerspricht. "Stimmt nicht", sagt Ines Riemann. "Seit acht Wochen gibt es klare Absprachen, wann die Dienstpläne übermittelt, geprüft und freigegeben werden."

Auch das kann der Betriebsrat nach eigenem Erfahren nicht erkennen. "Wir kommen auch an der Stelle nicht weiter", heißt es. Nach Angaben von Verdi sind derzeit fünf Klagen wegen Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz anhängig. Neben der Mitbestimmung fordert der Betriebsrat einen Versammlungsraum und Freistellungen für seine Sitzungen. "Das alles habe ich ihnen gewährt. Aber sie sind nicht mit meinen Angeboten zufrieden", sagt Riemann.

Den zugewiesenen Aufenthaltsraum halten die Betriebsräte für ungeeignet. Es gäbe zu viel Durchgangsverkehr. "Freigestellt werden sie für ihre Versammlungen auf jeden Fall. Doch die Zeiten passen ihnen nicht. Aber ich werde es jetzt durchgehen lassen. Dann fallen eben Fahrten aus, damit die Betriebsräte zusammensitzen können." 

Betriebsrat will alle strittigen Punkte im Dezember behandeln

Ines Riemann will einlenken, merkt aber an, dass das auf Kosten der Kunden gehen werde. Die PVG-Chefin sieht den Betriebsfrieden massiv gestört. "Gewerkschaft und Betriebsrat wiegeln alle Mitarbeiter gegenseitig auf. Dabei steht der Betriebsrat selbst auf wackligen Füßen."

Fakt ist - der Betriebsrat hat nur noch fünf Mitglieder. Etliche sind in den vergangenen Monaten ausgetreten. Sieben Mitglieder sollten es bei einer Betriebsgröße wie der PVG aber mindestens sein. Eine Neuwahl wäre erforderlich. "Die wird in aller Ruhe vorbereitet", heißt es.

Aber bis dahin seien noch etliche Sachen zu klären. Ines Riemann möchte gerade jetzt kein Öl mehr ins Feuer gießen, wollte sich eigentlich nicht zu laufenden Verfahren äußern und hegt ihre Bedenken an der öffentlichen Diskussion. Doch spätestens am 9. Dezember wird die Diskussion erneut entflammen. Dann hat der Betriebsrat zur Versammlung geladen und will alle strittigen Punkte noch einmal auf den Tisch legen.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Dezember 2023 | 19:00 Uhr

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