Schüler sitzten in einem Saal im Erfurter Rathaus.
160 Schüler aus drei Gemeinschaftsschulen haben an "Zukunft trifft Politik" teilgenommen.   Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Kommunalwahlen Erstwähler fühlen Erfurter Oberbürgermeister-Kandidaten auf den Zahn

22. April 2024, 22:41 Uhr

In gut fünf Wochen werden in Thüringen neue Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte gewählt. Denn am 26. Mai sind Kommunalwahlen. Dann dürfen auch wieder 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Damit das nicht ganz planlos passiert, gab es am Montag in Erfurt eine Premiere. Dort haben Erstwähler die OB-Kandidaten getroffen und mit Fragen bombardiert.

Der Festsaal im Erfurter Rathaus ist voll. Unter dem Motto "Zukunft trifft Politik" warten rund 160 Schüler aus drei Gemeinschaftsschulen gespannt darauf, wie sich die insgesamt sechs Kandidaten um das Oberbürgermeisteramt schlagen werden. Lenya Melzer möchte vor allem wissen, wie sie ticken.

Man könne zwar viel lesen, aber wichtig sei ihr auch die Preformance. Ähnlich geht es auch Jan Karlson Keil. Auch er wolle sich eine genauere Meinung bilden, zumal er das erste Mal wählen dürfe.

Ein Mann hält ein Mikrofon in der Hand und spricht im Rathaus in Erfurt.
Sozialkundelehrer David Wenke  von der Gemeinschaftsschule Otto Lilienthal hat die Veranstaltung organisiert. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Jugendliche bereiten Fragen an OB-Kandidaten vor

Ganz unvorbereitet sind die Schüler nicht. Die Kommunalwahl ist Thema im Unterricht. Sozialkundelehrer David Wenke hat das Projekt initiiert. Wie er im Gespräch sagt, wollte er seinen Schülern den direkten Kontakt zu den Politikern ermöglichen. Sie sollten die Chance erhalten, Fragen zu stellen und so erfahren, wie deren kommunalpolitische Strategien und Ideen aussehen.

Im Vorfeld seien deshalb Fragen zu verschiedenen Themen erarbeitet worden, die die Jugendlichen bewegten. Dazu gehörten unter anderem der Umgang mit Migration, wie das Rieth als sozialer Brennpunkt entschärft und die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden könne.

Mehrere Politiker stehen hinter Stehtischen.
Mit dabei waren (v. r. n. l.) Stefan Möller (AfD), Andreas Horn (CDU), Andreas Bausewein (SPD), Jana Rötsch (Mehrwertstadt), David Maicher (Grüne) und Matthias Bärwolf (Linke). Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Die Jugendlichen beschäftige aber auch, wo sie sich ungestört treffen könnten, wie Wohnen bezahlbar bleibe und die Digitalisierung an Schulen endlich umgesetzt werden könne. Interessieren würde sie aber auch, warum die Politiker zur OB-Wahl antreten, obwohl sie Berufe haben oder welche drei positiven Dinge sie von ihren Konkurrenten nennen könnten.

Diskussion um Sicherheit auf dem Anger

Den Fragen der Jugendlichen stellen sich neben SPD-Amtsinhaber Andreas Bausewein auch Jana Rötsch von Mehrwertstadt, Matthias Bärwolf von den Linken, Andreas Horn von der CDU, David Maicher von den Grünen und Stefan Möller von der AfD.

Einige Fragen richten sich an einzelne Kandidaten, zu anderen können sich alle äußern. Nach anderthalb Stunden Zuhören heißt es für die rund 160 Erstwähler, das Gesagte erst mal zu verdauen.

Eine Schülerin hält ein Mikrofon in der Hand.
Rania Sindler von der Gemeinschaftsschule Otto Lilienthal stellt eine Frage. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Für Diskussionen unter den Schülern sorgen Aussagen zum Thema Sicherheit etwa auf dem Anger oder im Rieth. Man könne nicht alles überwachen, sagt Lenya Melzer. Ihr sei wichtig, dass die soziale Ungleichheit bekämpft würde. Auch die Aussage, dass jeder Jugendliche ein Moped haben sollte, sorgt bei ihrer Schwester Ronja für Stirnrunzeln.

Schon den Führerschein könne sich nicht jeder leisten. Aus ihrer Sicht gebe es wichtigere Sachen wie der Abbau von Ungerechtigkeiten oder neue Radwege. Nicht nur da fehle Politikern manchmal das Verständnis für Jugendliche, so die 16-Jährige.

Politiker auf Fragen gut vorbereitet

Alles in allem, ist von mehreren Schülern zu hören, hätten sich die sechs Politiker gut geschlagen. Viel Neues sei nicht dabei gewesen, sagt Rania Spindler. Sie habe mit den Antworten etwa zur Migration oder Digitalisierung gerechnet. Ihre Mitschülerin Esther Gubelt zeigte sich von den OB-Kandidaten von Linke und Grünen überrascht.

Sie hätten etwa beim Thema Infrastruktur oder Digitalisierung gut vorbereitet gewirkt und das Gefühl vermittelt, etwas verändern zu wollen. Von Amtsinhaber Andreas Bausewein hätte sich Jan Karlson Keil mehr Redebeitrag erwartet. Gewünscht hätte sich Paula Ziemann zudem, mit den OB-Kandidaten direkt ins Gespräch kommen und auf ihre Antworten reagieren zu können. Offen bleibe zudem auch, wie genau die Vorstellungen der Politik umgesetzt werden könnten.

Fünf Schülerinnen stehen in einem Saal im Erfurter Rathaus.
Den Schülerinnen und Schülern zufolge haben sich die sechs Politiker gut geschlagen. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Einig sind sich die meisten aber, dass das Format "Zukunft trifft Politik" ihnen bei ihrer Wahlentscheidung helfen werde. Es gebe kaum Möglichkeiten, OB-Kandidaten persönlich zu treffen, sagt Esther Gubelt. Sie habe jetzt einen Eindruck davon, was die einzelnen Politiker erreichen wollten. Und auch Rania Spindler will beim Kreuzchenmachen beachten, welche Punkte welchem Kandidaten wichtig seien und wie diese durchgesetzt werden sollen.

Ähnliches Format auch zur Landtagswahl geplant

Unmittelbar nach der Fragerunde hat Sozialkundelehrer David Wenke alle Schüler die OB-Kandidaten bewerten lassen. Bei der besten Sachkompetenz konnte aus Sicht der Schüler Matthias Bärwolf (Linke) punkten, dicht gefolgt von Andreas Horn (CDU). Jana Rötsch (Mehrwertstadt) bekam die meisten Stimmen als fairste Gesprächspartnerin vor Andreas Bausewein (SPD).

Zum "Debattensieger" kürten die Erstwähler Matthias Bärwolf, gefolgt von Jana Rötsch. Über das Ergebnis und das Gehörte soll im Nachgang auch noch mal im Unterricht diskutiert werden. Wichtig sei, dass sich die Jugendlichen mit der anstehenden Kommunalwahl beschäftigen und mit den verschiedenen Wahlprogrammen auseinandersetzen, so Wenke. Deshalb soll es auch zur Landtagswahl ein ähnliches Format mit den Erfurter Direktkandidaten geben.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 22. April 2024 | 18:14 Uhr

19 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 3 Wochen



… oder durch die Landeszentrale für Politische Bildung. 😬

… oder durch die Protokollabteilung des Rathauses.
Ist ja schließlich ein „Staats-Empfang“ hochrangiger Polit-
Experten von morgen — und das eben auf höchster (lokalpolitischer) Ebene ! 👍 🤓

Rico Marbach vor 3 Wochen

Wirklich eine sehr gute Sache; könnte und sollte man auch einmal mit Schülern eines Gymnasiums durchführen. Positiv ist auch, dass alle sechs Kandidaten noch im Rennen sind; das Bausewein Team/die SPD Erfurt hatte ja vorgeschlagen, dass die allermeisten anderen Kandidaten zu Gunsten von Herrn Bausewein verzichten sollten; hier wären es dann nur noch zwei Kandidaten gewesen, Herr Bausewein und Herr Möller - doch wohl kein vollständiges Meinungsspektrum... In Erfurt ist manches doch sehr speziell geworden.

MalNachdenken vor 3 Wochen

Wie wichtig das ist zeigt ein Artikel auf tagesschau.de:

Studie "Jugend in Deutschland"
So pessimistisch wie noch nie
(https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/studie-jugend-100.html)

Wenn schon "Ältere" ihre Probleme haben eine Entscheidung zu treffen ist es für die junge Generation wahrscheinlich noch schwerer.

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