Andreas Bausewein (l, SPD), Oberbürgermeister von Erfurt, gratuliert Andreas Horn (r, CDU), zum Sieg in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in der Landeshauptstadt Thüringen.
Andreas Bausewein (l, SPD) gratuliert Andreas Horn (r, CDU), zum Sieg in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt von Erfurt. Bildrechte: picture alliance/dpa | Martin Schutt

Kommunalwahl 2024 Stichwahl in Erfurt: Andreas Horn gewinnt OB-Wahl

10. Juni 2024, 12:04 Uhr

In Erfurt wechselt der Oberbürgermeister: CDU-Kandidat Andreas Horn gewinnt die Stichwahl gegen SPD-Amtsinhaber Andreas Bausewein. Horn kündigte einen 100-Tage-Plan an, Bausewein seinen Abschied aus der Kommunalpolitik.

Der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) ist nach 18 Jahren im Amt abgewählt worden. Er verlor am Sonntag die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Andreas Horn. Nach Auszählung aller 210 Stimmbezirke kommt Horn auf 64,2 Prozent Prozent der abgegebenen Stimmen, Amtsinhaber Bausewein auf 35,8 Prozent.

Am Tag nach der Wahl kündigte Horn einen Plan für seine ersten 100 Tage im Amt an. Ab 1. Juli will er zehn Punkte umsetzen. So sollen bis Ende des Jahres Kameras für die Videoüberwachung des Angers hängen, dem wichtigsten Nahverkehrsknoten der Stadt. Horn plant einen Seniorenpass mit Rabatten für ältere Erfurter, will einen Schulbaukoordinator einstellen und eine digitale OB-Sprechstunde für Bürger wie in Weimar und Altenburg einführen. Mit der unter Vorgänger Bausewein geschassten Gleichstellungsbeauftragen Mary-Ellen Witzmann möchte er sich gütlich einigen. Dies war aber auch bisher die offizielle Linie der Stadt.

Bausewein gab am Montag bekannt, dass er sich nach seiner Wahlniederlage aus der Kommunalpolitik zurückzieht. Sein Mandat für den Stadtrat, das er am 26. Mai gewonnen hatte, werde ich nicht annehmen. In die Arbeit seines Kontrahenten Horn werde es sich nicht einmischen, aber bei Fragen gerne mit Rat zur Seite stehen. Bausewein sagte MDR THÜRINGEN, er wolle sich in den kommenden Monaten frei nehmen und überlegen, wie es für ihn weitergehe. 

Andreas Bausewein (SPD): OB seit 2006

Bausewein war Mitte November 2023 mit fast 100-prozentiger Zustimmung von der Erfurter SPD auf einem Kreisparteitag als Oberbürgermeister-Kandidat nominiert worden. Er hat das Amt seit 2006 inne und ist zweimal wiedergewählt worden. Der gebürtige Erfurter studierte nach einer Berufsausbildung zum Elektroinstallateur an der Fachhochschule Erfurt Sozialarbeit und Sozialpädagogik und anschließend Pädagogik an der Universität Erfurt. Beides schloss er mit Diplom ab. Seit 1990 ist er Mitglied der SPD. Von 2014 bis zu seinem Rücktritt 2017 war er Vorsitzender der SPD Thüringen. Bausewein hat sich 2018 von seiner Frau getrennt, mit der er 23 Jahre verheiratet war. Die beiden haben drei Kinder.

Andreas Horn (CDU): Jurist und Sicherheitsdezernent

Andreas Horn wurde 1974 in Erfurt geboren. Nach seinem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Jena. Später arbeitete er unter anderem als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Kanzlei. Seit 2019 ist er Beigeordneter für Sicherheit und Umwelt der Stadt Erfurt. Am 27. Oktober nominierten ihn 84 der 86 stimmberechtigten Mitglieder des Kreisverbandes der Erfurter CDU als Oberbürgermeisterkandidaten für die Stadt Erfurt.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) schüttelt Herausforderer Andreas Horn (CDU) die Hand
Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD, r.) schüttelt Herausforderer Andreas Horn (CDU) die Hand. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Keine Wahlempfehlungen zur Stichwahl in Erfurt

Keine der anderen Stadtratsfraktionen hatte vor der Stichwahl eine klare Empfehlung für einen der beiden Kandidaten von CDU und SPD ausgesprochen. Die Fraktionen Linke und AfD empfahlen niemanden, Grüne und Mehrwertstadt waren in ihren Formulierungen nicht eindeutig. Der Grünen-Kreisverbandssprecher Thomas Schaefer sagte lediglich, dass der politische Stillstand der vergangenen Jahre in Erfurt beendet werden müsse.

Die Fraktion Mehrwertstadt zeigte sich erfreut, dass zwei Demokraten in der Stichwahl sind. Deren unterlegene Oberbürgermeister-Kandidatin Jana Rötsch empfahl indirekt die Wahl von Andreas Horn. Sie sagte, es müsse ein Leiter der Verwaltung gewählt werden, dem man eine vetrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Stadtrat zutraue. Daran habe es bei Andreas Bausewein in den vergangenen Jahren erheblich gemangelt. Die FDP unterstützte Amtsinhaber Bausewein bereits im Wahlkampf, da sie keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte.

Ergebnis des ersten Wahldurchgangs

Schon die erste Wahlrunde am 26. Mai hatte Horn gewonnen, Bausewein wurde nur Zweiter. Stefan Möller von der AfD wurde Dritter, der Linke-Kandidat Matthias Bärwolff Vierter. Die einzige Kandidatin Jana Rötsch (Mehrwertstadt) wurde knapp dahinter Fünfte, der Grüne David Maicher landete auf dem sechsten Platz.

Die Stadt Erfurt

Die Landeshauptstadt Erfurt liegt im Herzen von Thüringen. Auf nur 270 Quadratkilometern leben hier circa 216.000 Menschen. Die Stadt ist mit ihren drei Hochschulen ein Wissenschaftszentrum im Freistaat und ist als ICE-Drehkreuz ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für ganz Deutschland. Erfurt verfügt über 14 Gewerbegebiete. Sehenswürdigkeiten wie die Krämerbrücke, der Dom und der Egapark locken viele Touristen in die Landeshauptstadt.

Weitere wichtige Infos zur Kommunalwahl in Thüringen

  • Die Ergebnisse der Stichwahlen bei den Kommunalwahlen 2024 in Thüringen, finden Sie hier.
  • Die aktuellen Entwicklungen der Stichwahl im Liveticker.
  • Den Überblick des Wahltages lesen Sie hier.
  • Alle wichtigen Infos und Beitrag zur Kommunalwahl in Thüringen, welche Einflussmöglichkeiten Gemeinderäte haben und die Übersicht zu allen Thüringer Landrats-, Oberbürgermeister- sowie haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeisterkandidaten gibt es auf unserer Themenseite.

Mehr zu Stichwahlen in Thüringen

MDR (mp/nir)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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