Streetworker der Obdachlosenstation Bertha auf dem Erfurter Anger
Teamleiter Sebastian Klüssendorf verteilt Suppe Bildrechte: MDR/Sophie Hartmann

Sozialarbeit Streetworker wollen Obdachlosen in Erfurt durch den Winter helfen

13. November 2023, 18:32 Uhr

Menschen ohne Bleibe haben es bei Regen und eisigen Temperaturen schwer, ihren Alltag zu bewältigen. Mit dem Bertha-Mobil wollen Streetworker Betroffenen in Erfurt mit warmen Mahlzeiten und Winterkleidung durch die kalte Jahreszeit helfen.

Sich mit einer heißen Schokolade auf die Couch oder vielleicht sogar vor den flackernden Kamin kuscheln - so machen es die meisten Menschen, wenn es draußen ungemütlicher wird. Doch für die, die auf der Straße leben, werden die Wintermonate schnell zur lebensbedrohlichen Herausforderung.

Am Erfurter Hauptbahnhof wollen Streetworker den Betroffenen besser durch die kalte Jahreszeit helfen. Mit ihrer mobilen Obdachlosenstation "Bertha" stehen sie mit warmer Kleidung und Suppe bereit.

Streetworker der Obdachlosenstation Bertha auf dem Erfurter Anger
Die Streetworker Sebastian Klüssendorf und Charlene Wemhöner vor dem Erfurter Hauptbahnhof. Bildrechte: MDR/Sophie Hartmann

40 Bedürftige pro Tag

Der schwarz-weiße Transporter der Streetworker ist kaum zu übersehen. Im vergangenen Jahr haben Sebastian Klüssendorf und sein Team die Aktion gestartet. Damals hatten sie nur einen Wasserkocher und Fünf-Minuten-Terrinen. Klüssendorf zeigt sich erfreut über die Möglichkeit, dieses Mal mithilfe der Erfurter Caritas eine richtige Suppe auszuschenken.

Am Tag versorgen die Streetworker im Schnitt 40 Bedürftige mit Essen, Tee und warmer Kleidung. Ohne Material- und Geldspenden läuft jedoch gar nichts. Thermo-Schlafsäcke für die eisigen Nächte werden besonders dringend benötigt. Wer etwas entbehren möchte, kann die Streetworker jederzeit ansprechen.

Streetworker der Obdachlosenstation Bertha auf dem Erfurter Anger
Der ganze Transporter ist schon nach einer Stunde gut gefüllt mit gespendeter Kleidung. Bildrechte: MDR/Sophie Hartmann

Zahl der Obdachlosen ungewiss

Wie viele Menschen ohne feste Bleibe es in Erfurt gibt, lässt sich nur schätzen. Eine dreistellige Zahl sei es mit Sicherheit, sagt Streetworker Sebastian Klüssendorf, und die Tendenz ist steigend. Das liege vor allen an der hohen Dunkelziffer durch sogenannte verdeckte Obdachlose - also denen, dich nicht offiziell als wohnungslos gemeldet sind.

Ein Hauptgrund dafür sei, dass sich die Betroffenen für ihre Situation schämen und sich lieber auf eigene Faust durchschlagen, erklärt der Streeworker. Auch deswegen haben er und sein Team die Aktion ins Leben gerufen. Denn am Bertha-Mobil kann und darf sich jeder aufwärmen.

MDR (soh/sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 13. November 2023 | 18:35 Uhr

4 Kommentare

Kleingartenzwerg vor 35 Wochen

In Deutschland muss niemand längerfristig auf der Straße leben, wer es trotz tut der will es so.
Davon abgesehen finde ich die Hilfsangebote für wichtig .

Atze71 vor 35 Wochen

Natürlich gibt es Menschen die nix vom Staat wissen wollen und kein Bürgergeld wollen. Aber obdachlos muss hier keiner sein. Für Hunz und Kunz aus der ganzen Welt gibt es in Deutschland eine Wohnung. Meine Borredner haben natürlich recht mit ihren Aussagen...

aufdemberg vor 35 Wochen

Auf dem ersten Blick würde ich ihnen Recht geben.

Aber "ein reiches Deutschland" ?

Das Geld ist da, aber wer hat das Geld? Die Mehrheit nicht.
Deutschland = Staatsverschuldung + Steuerflucht.

Der Wähler finanziert die Steuerflucht durch sein Wahlverhalten.

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