Farbig beleuchtet sind die Bühne, Mariendom und Severikirche für die Domstufen Festspiele in Erfurt
Schon die Domstufenfestspiele haben dem Theater ein Minus von etwa einer Million Euro eingefahren. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Prekäre Finanzlage Stadt Erfurt verhängt Haushaltssperre fürs Theater

23. November 2023, 13:35 Uhr

Das Theater Erfurt befindet sich in finanzieller Schieflage. Drei Millionen Euro Defizit haben sich angesammelt. Nun wurde eine Ausgabensperre für das kommende Jahr in Höhe von einer Million Euro verhängt.

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  • Der Erfurter Kulturdezernent Tobias Knoblich hat für das Theater Erfurt eine Ausgabensperre von einer Million Euro für 2024 verhängt.
  • Insgesamt habe sich ein Defizit von drei Millionen Euro angesammelt, allein eine Million durch Verluste bei den Domfestspielen.
  • Das Theater Erfurt sieht sich momentan auch mit Vorwürfen zu sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch konfrontiert.

Das Theater Erfurt hat für das Jahr 2024 eine Haushaltssperre von einer Million Euro erhalten. Das teilte Kulturdezernent Tobias Knoblich dem MDR mit. Am Theater haben sich nach Stadtangaben offenbar Verluste in Höhe von rund drei Millionen Euro angesammelt.

Domstufenfestspiele mit hohen Verlusten

Das Theater wird als städtischer Eigenbetrieb geführt. Für die aktuelle finanzielle Schieflage käme vieles zusammen: Die Domstufenfestspiele mit "Faust's Verdammnis" seien schlecht gelaufen und hätten ein Minus von einer Million Euro eingefahren. Nach der Corona-Pandemie seien die Zuschauer auch ins Große Haus nicht wie erhofft zurückgekommen, sagte Kulturdezernent Tobias Knoblich dem MDR.

Auch gestiegene Kosten und höhere Tarife für die Beschäftigten hätten zum Defizit beigetragen. Die Rücklagen des Theaters seien in den letzten Jahren aber soweit geschmolzen, dass die gestiegenen Tarife nicht aus eigener Kraft bezahlt werden könnten, so Knoblich.

Ein Mann mittleren Alters mit braunem Haar und Brille steht mit Anzug und Krawatte bekleidet hinter einem Rednerpult.
Tobias Knoblich ist Beigeordneter für Kultur, Stadtentwicklung und Welterbe der Stadt Erfurt. Bildrechte: imago images/VIADATA

Er habe deshalb jetzt die Reißleine gezogen und für 2024 die Ausgabensperre von zunächst einer Million Euro verhängt. Die Stadt schießt nach eigenen Angaben 770.000 Euro für dieses Jahr zu. Knoblich hofft auf 2025. Dann sollen die Theaterzuschüsse durch das Land deutlich steigen.

Duch das Haushaltsdefizit am Theater und die Ausgabensperre stehen alle nicht bereits vertraglich gebundenen oder pflichtigen Ausgaben auf dem Prüfstand. Gespart werden könnte beispielsweise am Umfang der Requisiten in künftigen Produktionen. Doch auch der Wegfall ganzer, bislang nur geplanter Inszenierungen in Erfurt ist denkbar.

Noch mehr schief am Theater Erfurt?

Das Theater Erfurt unter der Leitung von Intendant Guy Montavon ist momentan auch mit Vorwürfen konfrontiert, es sei am Theater zu sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch gekommen. Die Vorgänge werden derzeit untersucht.

Ein älterer Mann mit weißem Haar und schwarzer Brille steht auf einer Treppe und schaut mit verschränkten Armen nach oben.
Guy Montavon leitet das Theater Erfurt. Bildrechte: picture alliance / Zentralbild/dpa-Zentralbild/dpa | Zentralbild

Quellen: MDR (Antje Kirsten), epd
Redaktionelle Bearbeitung: hro

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. November 2023 | 12:30 Uhr

5 Kommentare

Niemann vor 21 Wochen

"Die Steuerzahler müssen nun die Rechnung begleichen." Das ist alternativlos, wer sollte es denn sonst tun? Außer man legt dafür ein Sondervermögen auf. Aber das sind ja auch nur Schulden, also bleibt wieder nur der Steuerzahler, also alternativlos. Also der Kreis schließt sich, immer enger, um den Steuerzahler, solange es ihn überhaupt noch gibt.

Matthi vor 21 Wochen

Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal fragen wie es zu dieser Situation kommen konnte und wer von seitens der Stadt seine Kontrollpflicht vernachlässigte, das Finanzloch ist ja jetzt nicht plötzlich gekommen und Zuschüsse vom Land sich ändern können war abzusehen.

Ludwig58 vor 21 Wochen

Unglaublich! Die Steuerzahler müssen nun die Rechnung begleichen, weil im Erfurter Theater offensichtlich ein Mangel an Kompetenz die Regie führt (um etwas im Bild zu bleiben).
Doch der Reihe nach:
Die Stückauswahl bei den diesjährigen Domstufen war ein glatter Fehlschuss. Das hätte den Verantwortlichen nicht passieren dürfen, ein Stück auszuwählen, das keine Massen und keine Freunde der eher leichten Kunst anlockt.
Zweitens: gestiegene Kosten beim Personal aufgrund höherer Tarife sind bei der Erstellung eines Haushaltes einzukalkulieren. Das ist das kleine Einmaleins der Betriebswirtschaft. Und wer das nicht drauf hat, ist meines Erachtens Fehl am Platz.
Jetzt schon auf höhere Zuschüsse im Jahr 2025 zu hoffen ist ebenfalls fatal. Denn noch gibt es keinen Landeshaushalt für 2024. Und dann finden auch noch 2024 Landtagswahlen statt. Ausgang ungewiss. Da darf ich doch nicht schon heute auf höhere Zuschüsse in 2025 spekulieren. Das ist eine fatale Handlungsweise, grob fahrlässig sogar!

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