Landrat Harald Henning
Seit 38 Jahren ist Harald Henning (Mitte) in der Politik. Seit 2012 ist er Landrat des Landkreises Sömmerda. Bildrechte: Landratsamt Sömmerda

Kreis Sömmerda: Bilanz Vom Beet in die Politik und zurück: Landrat Harald Henning verabschiedet sich

05. Mai 2024, 06:00 Uhr

Harald Henning hat seine berufliche Laufbahn als Gartenbau-Facharbeiter begonnen. Später stieg er in die Politik ein. Er war unter anderem Bürgermeister, Kreistagsmitglied, Chef einer Verwaltungsgemeinschaft. Seit 2012 ist Harald Henning (CDU) Landrat des Kreises Sömmerda. Aus Altersgründen darf er im Mai bei den Kommunalwahlen nicht noch einmal antreten. Ein Rückblick auf ein Leben als Politiker.

Harald Henning ist ein Thüringer Gewächs. Im wahrsten Sinne des Wortes. In Erfurt geboren, in Riethnordhausen zur Schule gegangen und zurückgekehrt nach Erfurt, hat Henning eine Ausbildung zum Gartenbau-Facharbeiter gemacht. "Schon frühzeitig", berichtet Henning, "war der Berufswunsch klar. Schon in der Kindheit habe ich mit Stecklingen experimentiert und ein Gewächshaus gehabt."

1986 Einstieg in die Politik

Nach der Ausbildung sattelte Henning auf und schloss ein Studium an. Der Gartenbauingenieur wurde Brigadeleiter der VEG (Volkseigenes Gut) Saatzucht. "Wir hatten 16 Hektar unter Glas und Folie und ich war zuständig für manchmal mehr als 100 Frauen, mit denen ich auch gern zusammengearbeitet habe." Bis die politische Karriere begann.

1986 stieg Harald Henning in die Politik ein. Zunächst unfreiwillig, weil ihm sein Job sehr viel Freude bereitet habe. Dann aber, so sagt Henning, habe er Einsicht gezeigt. "Ich habe das Bürgermeisteramt auch sehr gern gemacht. 14 Jahre lang - die ersten Jahre war ich hauptamtlich, später im Ehrenamt tätig."

Henning erinnert sich an die ersten schwierigen politischen Jahre, in denen er als Bürgermeister dabei geholfen hat, Wasserleitungen zu verlegen. "Wir Männer im Ort haben per Hand die Straßengräben geschaufelt. Ich bin mit meinem Privat-Pkw durch die ganze Republik gefahren, um Baumaterial zu besorgen."

Einzug in den Kreistag

Es kam die politische Wende. Henning zog für die CDU in den Kreistag ein und blieb dort bis heute - als Dienstältester, wie er sagt. In den späten 1990er-Jahren folgten weitere Posten in der Verwaltungsgemeinschaft Stotternheim. Nach der Gebietsreform wurde er VG-Chef in Großrudestedt, bis die Wahl zum Landrat kam. Seit 2012 steht der Christdemokrat an der Spitze des Kreises Sömmerda. Aus Altersgründen darf Harald Henning am 26. Mai 2024 nicht noch einmal zur Wahl antreten, was er einerseits bedauert. Andererseits blickt er zufrieden auf eine erfüllte Zeit zurück.

Gerade in Bezug auf die Digitalisierung sind wir im Thüringen-Vergleich weit vorn dran. Wir haben ein kreiseigenes Rechenzentrum aufgebaut, um das uns andere beneiden.

Harald Henning

Er habe schöne Erinnerungen an seine Amtsperioden als Landrat. Stolz sei er auf vieles, das in seiner Zeit geschafft wurde. Henning nennt den Ausbau der Straßen und Radwege und den Umbau der Verwaltung. "Gerade in Bezug auf die Digitalisierung sind wir im Thüringen-Vergleich weit vorn dran. Wir haben ein kreiseigenes Rechenzentrum aufgebaut, um das uns andere beneiden."

Schulbau als Schwerpunkt

Schwerpunkt war für Henning auch stets der Bau von Schulen. "Wir haben weit über 150 Millionen Euro in Schulen investiert, haben zwölf neue Turnhallen gebaut. Natürlich ist das jetzt zum Teil schon wieder etliche Jahre her und wir müssen einiges schon wieder sanieren." Im Gymnasium Gebesee, zum Beispiel, fügt Henning an.

Es gibt aber auch Dinge, die hätte Henning gern zu Ende geführt. "Den Schulnetzplan zum Beispiel, aber das muss nun mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin fortführen." Auch in Sachen Breitband-Ausbau wäre Henning gern schneller vorangekommen. Seit 2014 laufen dazu die Planungen.

Erst heute, zehn Jahre später, steht die Grundversorgung kurz vor dem Abschluss. "Bis Ende des Jahres sollten alle weißen Flecken verschwunden sein." Gern zeigt er Gästen die Steinrinne in Bilzingsleben. Der Landkreis will sich touristisch weiter etablieren. "Die archäologischen Ausgrabungen gehören da unbedingt dazu."

Erinnerungen an das Hochwasser 2013

Fragt man Henning nach seinem beeindruckendsten Erlebnis in seiner Amtszeit, kommen Erinnerungen an das Hochwasser 2013 zurück. "An der Gera waren viele, viele Menschen im Einsatz, die Deiche verstärkt und Sandsäcke geschleppt haben. Und dann gab es eine Situation, da wurde es gefährlich auf den Deichen. Ich musste die Leute, ob sie wollten oder nicht, nach Hause schicken. Ich habe ihnen versprochen, dass das Wasser sinken wird - natürlich, ohne es genau zu wissen. Und dann tatsächlich ging der Pegelstand Stunde um Stunde, Millimeter um Millimeter zurück. Das hätte auch anders ausgehen können", sagt Henning heute.

Bedauern über Feuerwehrtechnisches Zentrum

Schwierig sei die Flüchtlingskrise 2015 gewesen und natürlich auch Corona. Dass er das geplante Feuerwehrtechnische Zentrum noch nicht fertig bauen konnte - weil im Gebäude zuerst das Impfzentrum eingerichtet wurde und dann ukrainische Flüchtlinge untergebracht waren - auch das bedauert Henning. Dieses Projekt hätte er gern noch begleitet. Kraft habe auch die Windrad-Diskussion gekostet. Immer wieder war Henning Gast bei Einwohnerversammlungen gewesen.

So viele Jahre mussten meine Frau und die Kinder zurückstecken. Ohne ihren Rückhalt wäre das nicht gegangen.

Harald Henning

Doch trotz der Anstrengung gab es auch viele schöne Momente. "Beim Kreisblasmusikfest, bei den Kreiskulturwochen, beim Kinderfest in Elxleben, in Witterda oder der Weihnachtsmannlauf. Auch das Hähnekrähen in Straußfurt." Henning fällt vieles ein. Er war und ist einer, der gern mittendrin gewesen ist. "Das", so sagt er, "wird sich auch nicht ändern."

Auch wenn er jetzt wieder mehr Zeit mit der Familie verbringen will. "So viele Jahre mussten meine Frau und die Kinder zurückstecken. Ohne ihren Rückhalt wäre das nicht gegangen. Wie oft bin ich Sonntagmittag vom Tisch aufgestanden und zu Terminen gefahren. Das werde ich in Zukunft nicht mehr tun." Henning möchte pilgern, im Garten arbeiten, Segeln und mit den zehn Enkelkindern spielen. Langweilig wird dem Landrat nach seinem Abschied mit Sicherheit nicht.

Ende Juni endet aus Altersgründen die Amtszeit für eine ganze Reihe sehr erfahrener Kommunalpolitiker in Thüringen, die ihre Region geprägt haben. Wir stellen die Männer und Frauen in einer Serie vor.

MDR (co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 05. Mai 2024 | 18:00 Uhr

3 Kommentare

Eddi58 vor 7 Wochen

Landräte und Landrätinnen sind zuerst Behördenleiter/in und haben die Beschlüsse des Kreistages umzusetzen, können aber gleichwohl Akzente setzen.
Die Ära der mit der „Wende“ in die Politik gekommenen Menschen neigt sich ihrem Ende zu. Darunter sind viele charakterstarke Persönlichkeit, die „ihren“ Kreis nachhaltig geprägt haben. Es gibt aber auch ein Negativbeispiel: ein ehemaliger Landrat des Kreises Saalfeld-Rudolstadt sitzt seit seiner Abwahl im Kreistag und macht seinen Nachfolger:innen und den Mitgliedern des Kreistages mit sinnfreien Beiträgen das Leben schwer. Das ist nicht nur unüblich, sondern auch ausgesprochen unhöflich.

pepe79 vor 7 Wochen

"Wir Männer im Ort haben per Hand die Straßengräben geschaufelt."

Ja früher ging dss ubd das dollte wuedrr so sein. Es muss doch nicht sein das man für jeden kurzen Graben im öffentlichen Rsum gleich eine Fachfirma zum buddeln braucht wenn es motivierte Menschen im Ort gibt die wollen dass sich was bewegt. Zumal oft genug auch Personen dabei sind die beruflich aus einer ensprechenden Branche kommen.

Maria A. vor 7 Wochen

Wer sich nach der Einheit gesellschaftspolitisch einbrachte, egal wo, wird eine positive Bilanz ziehen können. Rückwirkend betrachtet waren besonders die Nachwendejahre von großem Engagement und enormer Zukunftshoffnung geprägt.

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