Menschen sitzen während einer Podiumsdiskussion auf einer Bühne.
Das es in der Ukraine so schnell wie möglich Frieden geben muss, darüber waren sich Dietmar Bartsch, Alice Schwarzer, Sabine Adler und Hasko Weber (v.l.n.r) einig. In der Mitte Moderator Carl Gierstorfer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diskurs Alice Schwarzer mit Geheimwissen: Podiumsdiskussion zum Ukraine-Krieg in Weimar

27. Februar 2024, 16:07 Uhr

Seit 732 Tagen tobt der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Hunderttausende Menschen, Soldaten wie Zivilisten, dürften mittlerweile auf beiden Seiten tot oder verwundet sein - rund zehn Millionen Ukrainer sind auf der Flucht. Vor diesem Hintergrund wurde in Weimar über mögliche Wege zum Frieden diskutiert.

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Der Krieg läuft schlecht für die Ukraine. Ihr gehen die Soldaten und vor allem die Munition aus, weil die internationale Unterstützer-Koalition kaum noch liefert. Das Szenario einer durch militärische Erfolge gestärkten Ukraine am Verhandlungstisch mit dem Aggressor Russland liegt in weiter Ferne. Um so seltsamer mutete die Weimarer Podiumsdiskussion "Putins Krieg II - Welche Wege führen zum Frieden?" an.

Auf der Bühne des Jugend-, Kultur- & Bildungszentrums mon ami: die Deutschlandfunk-Korrespondentin Sabine Adler, Publizistin und "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer, der Ex-Chef der Linken, Dietmar Bartsch, sowie Hasko Weber, Intendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar.

Mehr Verhandlungen und mehr Diplomatie

Dass Frieden in der Ukraine so schnell wie möglich her muss, darüber war sich das Podium ganz schnell einig. Auch dass der Kreml-Chef der alleinige Aggressor ist - das betonten vor allem Schwarzer und Bartsch wiederholt und ausdrücklich, als hätten sie Sorge, sonst als Putin-Versteher dazustehen. Verhandlungen, Verhandlungen, Verhandlungen und mehr Diplomatie, das war das Mantra des Abends, zumindest wenn es nach Schwarzer und Bartsch ging, die bezeichnender Weise nebeneinandersaßen.

Ihre steile, aber bekannte These: Nur wenn sich der Westen verpflichte, der Ukraine keine Waffen mehr zu liefern, könnte Putin dazu ermutigt werden, wenigstens einem Waffenstillstand zuzustimmen. Welche Verhandlungsmasse eine ausgeblutete Ukraine dann noch in die Waagschale werfen könnte, das ließen die beiden unbeantwortet.

Alice Schwarzer während einer Podiumsdiskussion in Weimar.
Dass Wladimir Putin der alleinige Aggressor des Ukraine-Krieges ist, betonte vor Alice Schwarzer immer wieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Korrespondentin: Putin nicht vertrauenswürdig

Putin sei als Verhandlungspartner nicht vertrauenswürdig. Darauf wies die Ukraine-Korrespondentin Sabine Adler mehrfach hin. Er habe noch wenige Tage vor dem Krieg auf internationalem Parkett behauptet, die Ukraine nicht angreifen zu wollen, auch die Waffenstillstandsabkommen im Minsker Friedens-Prozess nach 2014 seien von russischer Seite zig mal gebrochen wurden.

Ein neuer Waffenstillstand, so Adler hypothetisch, brauche auch Sicherheitsgarantien westlicher Staaten. Ob sie dazu bereit wären, dann im Ernstfall der Ukraine beizustehen und zwar mit mehr als Waffenlieferungen? Putin werde auf jeden Fall mit seinen Maximalforderungen wie dem Verbleib der besetzten Gebiete in der Russischen Föderation (sie wurden bereits zu russischem Staatsgebiet erklärt) und eine demilitarisierte neutrale Ukraine an den Verhandlungstisch kommen. Wie gesagt: hypothetisch. Aber faktisch sei das keine Option für die Ukraine.

Eine Frau hält ein Mikrofon in der Hand.
Sabine Adler kennt Menschen und Verhältnisse in der Ukraine besser als alle anderen auf Diskussionsteilnehmenden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ramelow musste Treffen absagen

Sabine Adler kennt Menschen und Verhältnisse in der Ukraine besser als alle anderen auf dem Weimarer Podium. Man merkte ihr an, dass sie mit den - man muss es leider so ausdrücken - oft selbstgefälligen und wenig empathischen Einlassungen von Schwarzer ("Hatten wir das Recht, der Ukraine Glauben zu machen, dass sie den Krieg gewinnen kann?") und Bartsch ("Die Ukraine ist ja auch ein korruptes Land!") wenig anfangen konnte.

Welche Dynamik das Podium gehabt hätte, wäre Bodo Ramelow (Linke) mit auf dem Podium gewesen? Doch der war verhindert. Kurzfristig sprang Dietmar Bartsch ein - mit einer ganz anderen Haltung zum Konflikt als der Thüringer Ministerpräsident.

Bizarrer Höhepunkt der Diskussion war übrigens Alice Schwarzers zur Schau getragenes Geheimwissen. Sie wüsste, dass Putin Interesse daran habe, dass der Krieg ende. Das habe ihr eben erst ein hochrangiger UN-Diplomat erzählt. Gespieltes Erstaunen bei Sabine Adler: "Ach ist ja interessant! Wissen Sie, Russland könnte den Krieg sofort beenden. Er muss nur Stopp sagen".

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Februar 2024 | 19:00 Uhr

61 Kommentare

Niemann vor 6 Wochen

Um mal mit Merkel zu reden, die Schaffung von Frieden in der Ukraine ist völlig alternativlos. Nur die deutsche feministisch Werte geleitete Außenpolitik kapiert das nicht, kann es nicht da diese einfach unterschlägt das es ausschließlich um Interessen geht und lieber Kriegstreiberei betreibt anstatt Interessenausgleich zu betreiben. Wieviel Menschen sollen dort noch wegen deutscher Inkompetenz sterben?

MDR-Team vor 6 Wochen

Sehr geehrter mk1,

hier handelt es sich um einen Autorenartikel. Dem Autor steht es dabei frei die Widersprüchlichkeiten der Veranstaltung herauszuarbeiten und journalistisch offenzulegen. So ist hier geschehen. Sabine Adler als langjähriger Osteuropa-Korrespondentin hierbei größere Sachkompetenz zuzusprechen als etwa Alice Schwarza, ist durchaus nachvollziehbar und sehr gut begründbar. Sie können das gern anders sehen, aber unterstellen Sie unserem Autoren keine abwegige Dinge. Wir würden Ihnen ja auch niemals unterstellen, sich hier nur zu echauffieren, weil Sie es nicht aushalten können, wenn ein Artikel ihre persönliche Meinung nicht hofiert.

Mit freundlichen Grüßen
MDR THÜRINGEN Online-Redaktion

Quantix vor 6 Wochen

Frau Schwarzer würde sicher jeder Frau dringend davon abraten, sich erneut auf eine Beziehung mit dem sadistischen Ex einzulassen. Vor allem, wenn er sie schon drei Mal betrogen hat, unter Alkohleinfluss regelmäßig zum cholerischen Schläger wird und sie von ihm wegen seines krankhaften Eifersuchtswahns mit Ketten ans Bett gefesselt wurde.

Außer, der Mann heißt Putin: "Hey, wisch dir das Blut aus dem Gesicht und rede doch noch mal mit ihm. Vielleicht ist es deine Schuld, weil du ihm nie richtig zugehört hast?"

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