Forschungsprojekt Tempo 30 auch auf Hauptverkehrsstraße: Heiligenstadt will Autos umleiten

15. Dezember 2022, 10:20 Uhr

Um den Durchgangsverkehr aus der Stadt zu verbannen, setzt Heiligenstadt auf Tempo 30 - auch auf Hauptverkehrsstraßen. Ein Forschungsteam begleitet den Test im Auftrag des Bundes.

Die Petristraße in Heiligenstadt wird in den kommenden Monaten Teil eines Bundesforschungsprojekts. Ziel ist es, Tempo-30-Zonen auch auf Hauptverkehrsstraßen in den Städten zu testen und so den Verkehr aus den Innenstädten auf bereits bestehende Ortsumfahrungen zu lenken. Denn das wurde in den vergangenen Jahren für Heiligenstadt ein immer größeres Problem. Dabei hatte die Stadt einiges unternommen, um die Lebensqualität zu verbessern.

Autofahrer nutzen Ortsumfahrung nicht

So ist die Ortsumfahrung der Kreisstadt seit der Freigabe der sogenannten Westspange im Jahr 2014 komplett. Und auch der Schwerlastverkehr war mit Verbotsschildern aus der Innenstadt verbannt worden. Vorbei auch die Zeiten, als sich, wie vor dem Autobahnbau, noch bis zu 30.000 Fahrzeuge täglich durch die Stadt wälzten.

Heiligenstadts Bürgermeister Thomas Spielmann erklärte MDR THÜRINGEN, dass der Verkehr auf der ehemaligen Bundestraße 80 dank der Westspange auf rund 5.000 Fahrzeuge pro Tag zurückgegangen war. Doch in den vergangenen Jahren sparten sich offenbar immer mehr Autofahrer die längere Strecke über die Ortsumfahrungen. Mittlerweile nutzen wieder 10.000 Fahrzeuge am Tag den direkteren Weg in Ost-West-Richtung über die alte B80 - mitten durch die Stadt.

Das soll nun wieder anders werden. Autos, die kein Ziel in der Stadt selbst haben, sollen außen vor bleiben, so Spielmann. Tempo 30 ist da nur der erste Schritt. Auch die Ampelphasen wurden so verändert, dass keine grüne Welle mehr entsteht.

Verkehrsabläufe auf Video aufgezeichnet

Die Wissenschaftler im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums haben schon seit Monaten die Verkehrsabläufe in der Petristraße analysiert und die Verkehrsabläufe in der Woche vor Beginn des Tempo-30-Versuchs per Video aufgezeichnet. Der Leiter der Unteren Straßenverkehrsbehörde Heiligenstadt, Thomas Fleischhauer, erklärt, dass unter anderem die Verkehrssicherheit, das Verhalten von Radfahrern und Fußgängern sowie die Luftqualität Teil der Forschung sind.

Nun wartet die Stadtverwaltung gespannt auf Veränderungen. Bis Ende April läuft der Versuch, der am Ende ebenfalls per Video dokumentiert wird. Und man ist in Heiligenstadt außerdem ein bisschen stolz, neben den größeren Städten Leipzig, Aachen, Saarbrücken und Mönchengladbach als einzige Kleinstadt an dem Bundesforschungsprojekt teilzunehmen. Die Auswertung soll im Sommer vorliegen, so Fleischhauer.

Bürgermeister Spielmann weist übrigens Kritik zurück, dass Heiligenstadt eigene Blitzer aufstellen könnte, um die Stadtkasse aufzufüllen. Das werde man nicht tun, versprach er. Aber was die Polizei macht, das habe er nicht in der Hand.

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit des Tages | 14. Dezember 2022 | 18:00 Uhr

9 Kommentare

Harka2 am 16.12.2022

Eine weitere Stadt setzt auf die Maximierung von Abgasen und Feinstaub. Neu ist das nicht, denn in Weimar praktiziert man diese Methode schon seit jahren und das sogar ohne alternative Umgehungsstraßen. Es braucht im Übrigen keiner neuen Studie, denn jeder Autofahrer weis, dass sein Auto bei Tempo 30 fast doppelt so viele Abgase ausstößt wie bei Tempo 50. Wer es nicht glaubt, der werfe einfach mal einen Blick auf die Momentanverbrauchsanzeige.

ElBuffo am 16.12.2022

Also mein Auto nicht. Mir ist jedoch durchaus bewusst, dass man diese Geschwindigkeit auch im 2. Gang bewältigen kann. Und dann zeigen Sie mir mal die Stadt, wo man mit durchgängig 50 mitten durch die Innenstadt fahren kann. Da sind ständig Ampeln, Fussgängerüberwege und natürlich auch Fahrer mit bereits stark eingeschränkter Fahreignung unterwegs, was zu häufigen Verzögerungen bis zum Stillstsnd und anschließender Beschleunigung führt. Wenn sich seit meinem Schulabschluss in der Physik nichts wesentliches verändert hat, dann wird für diese Beschleunigung auf 50 auch mehr Energie benötigt als bis auf 30. Das galt zumindest damals auch unabhängig davon, ob man mit einem VW up oder LKW unterwegs ist.
Schließlich ist das vorrangige Ziel dieses Projektes nicht die verbrauchsoptimale Durchquerung der Innenstadt, sondern deren Umfahrung. Wäre also auch interessant, ob man die Ortsumfahrung in einer konstanten Geschwindigkeit nutzen kann oder dort ebenfalls keine grüne Welle existiert.

randdresdner am 15.12.2022

Hallo Germinator aus dem schoenen Erzgebirge
mmmmmh keiner macht die Abgase gern. Um ihren Anspruch umzusetzen, sollten gar keine Autos durch die Stadt fahren. Das ist echt ein tolles Ziel von Ihnen. Ich kann mir nur beim besten Willen im Moment nicht vorstellen, wie das gehen soll. Aber man kann ja mal mit der Hälfte anfangen.

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