Ein Demonstrationszug in einer engen Straße.
Die "Montagsspaziergänger" auf dem Weg zur Salvatorkirche in Gera. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

"Kriegstreiber"-Sprechchöre Gera: "Montagsspaziergänger" stören Kundgebung vor Kirche

27. Februar 2024, 16:01 Uhr

Beim jüngsten "Montagsspaziergang" des Rechtsextremen Christian Klar in Gera sind Teilnehmer der "Herz statt Hetze"-Kundgebung vor der Salvatorkirche beschimpft worden. Die Route an der Kirche vorbei war angemeldet.

In Gera haben am Montagabend "Montagsspaziergänger" des Rechtsextremen Christian Klar die wöchentliche Kundgebung "Herz statt Hetze" vor der Salvatorkirche gestört. Vor der Kirche im Stadtzentrum machte der Zug unter Führung von Klar Halt. Im Chor skandierten Klars Anhänger unter anderem "Kriegstreiber". Polizeibeamte stand zwischen beiden Lagern. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf Seiten von Klar auf 440 und auf der Gegenkundgebung auf 80.

Menschen bei einer Kundgebung vor einer Kirche.
Teilnehmer der "Herz statt Hetze"-Kundgebung vor der Salvatorkirche. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Videoaufnahmen zufolge hielt Anmelder Klar vor der Kirche eine Rede, die über Lautsprecher verstärkt wurde. Darin warf er den Teilnehmern der "Herz statt Hetze"-Kundgebung unter anderem vor, ihre Heimat zu verraten.

Außerdem behauptete Klar, in der Erstaufnahmeeinrichtung Hermsdorf habe es eine Massenschlägerei mit 60 Verletzten gegeben. Die Polizei teilte dazu am Dienstag mit, es gehe um einen verletzten Sicherheitsmitarbeiter. Ein Flüchtling stehe unter Verdacht, ihm ins Gesicht geschlagen zu haben. Es sei um das Rauchverbot gegangen.

Stadt: Auflagen betrafen nur Stufen und Lautstärke

Die Demonstrationsroute entlang der Kirche war von Klar angemeldet worden. Die Stadtverwaltung hat nach eigenen Angaben vorab sowohl mit Klar als auch mit dem Anmelder der "Herz statt Hetze"-Kundgebung gesprochen. Beiden sei zur Auflage gemacht worden, dass die jeweiligen Teilnehmer die Stufen zur erhöht gelegenen Kirche nicht betreten dürfen. Außerdem sei ein Maximalpegel für die Lautstärke festgelegt worden. Auflagen zur Routenführung waren nach Ansicht der Stadtverwaltung nicht notwendig.

Klars Demonstration hatte Mitte Februar an einer anderen Geraer Kirche vorbeigeführt, der rund 500 Meter entfernt gelegenen Johanniskirche. Danach erstattete die Evangelisch-Lutherische Stadtkirchgemeinde, zu der beide Kirchen gehören, Anzeige unter anderem wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

Teilnehmer der Demonstration sollen Absperrbänder auf der Treppe vor der Kirche weggerissen und dort Kerzen aufgestellt haben, um an Opfer eines Bombenangriffs aus dem Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Obwohl Teilnehmer die Absperrung missachtet hatten, waren anwesende Polizisten nicht eingeschritten.

Menschen mit Kerzen auf einer Treppe.
Mitte Februar: Versammlungsteilnehmer ignorierten die Kirchenabsperrung und entzündeten vor der Johanniskirche Kerzen. Bildrechte: Privat

Bei Klars Demonstration am Montag wurde erneut eine Fahne mit dem Wappen der Stadt Gera getragen. Die Nutzung dieses Hoheitszeichens ist laut Stadt nur erlaubt, wenn es zuvor von der Stadtverwaltung genehmigt wurde. Dies ist nicht geschehen. Das Ordnungsamt war nach Angaben der Stadtverwaltung nicht vor Ort.

Ein Verfahren gegen den Geraer Rechtsextremisten Christian Klar hatte das Amtsgericht Gera eingestellt. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft nun Revision eingelegt. Mehr dazu lesen Sie hier.


Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, die Route des "Montagsspaziergangs" sei von der Stadt Gera genehmigt worden. Die Stadt verweist darauf, dass es eine solche Regelung bei Versammlungen nicht gibt. Sie seien nur anzuzeigen. Wir haben den Text daher überarbeitet.

MDR (kabe/seg)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten Ostthüringen | 27. Februar 2024 | 06:30 Uhr

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