Kriminalität Organisierte Buch-Betrüger mit Millionen-Beute: Geraer Polizei nennt Details

28. Februar 2024, 17:56 Uhr

Der Kriminalpolizei Gera ist ein Schlag gegen mutmaßlich organisierte Buch-Betrüger gelungen. Drei Täter wurden festgenommen. Durch Handel mit angeblich wertvollen Büchern verursachten sie Schaden in Millionenhöhe bei 115 Opfern. Die Polizei nennt Details zur Betrugsmasche und den sichergestellten Gegenständen der mutmaßlichen Betrüger.

Nach monatelangen Ermittlungen ist der Geraer Kriminalpolizei ein großer Schlag gegen mutmaßliche Buch-Betrüger gelungen. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, hat die letzte Durchsuchung am Vortag in Berlin stattgefunden. Durch die Ermittlungen fand die Polizei heraus, dass die deutschlandweit agierende Bande 115 Opfern vermeintlich wertvolle Bücher als Wertanlage verkauft und dabei den Geschädigten mindestens 5,9 Millionen Euro abgenommen hatte.

Opfer hatten alle bei Bertelsmann-Verlag Bücher gekauft

Die Täter überredeten vor allem ältere Menschen am Telefon dazu, ihre Buchsammlung durch weitere Faksimile-Bücher - vermeintlich kostbare Nachdrucke - zu ergänzen und diese anschließend teurer weiterverkaufen zu können. Für die Betrugsmasche seien nach dem Telefonat vermeintliche Experten zu den Buch-Besitzern geschickt worden, um den angeblichen Wert der Sammlung einzuschätzen.

Die zu erwerbenden Bücher kosteten die Opfer oftmals bis zu 20.000 Euro, während der Einkaufswert für die Täter nicht mal 300 Euro betrug. Teilweise wurden die Geschädigten außerdem dazu gebracht, einen Kredit abzuschließen, um sich die vermeintliche Wertanlage leisten zu können. Einzelne Opfer hätten laut Polizeiangaben deutlich mehr als 30.000 Euro verloren.

Die kontaktierten Opfer hatten früher alle das Nachschlagewerk "Bertelsmann Lexikothek" gekauft. Wie die Täter an die Kundendaten des Bertelsmann-Verlags gelangt sind, sei noch unklar.

Nach bundesweiten Durchsuchungen: Bargeld, Luxusautos und 20 Beschuldigte

Laut dem Leiter der Geraer Kriminalpolizei, Michael Zimmermann, seien bei Durchsuchungen in Berlin, Brandenburg und Thüringen bereits im November unter anderem Bargeld im sechsstelligen Bereich, wertvolle Uhren und Luxusautos gesichert worden. Die Ermittlungen waren aufwendig: Firmen hätten oft Namen und Bankkonten geändert, hieß es. In Berlin wurde ein Call-Center durchsucht, das die Betrüger genutzt haben sollen.

Bei den Drahtziehern handelt es sich laut Polizeiangaben um Geschäftsführer von Firmen, über die die Betrugsmasche durchgeführt wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittle inzwischen in zwei Verfahren gegen 20 Beschuldigte, sagte Thomas Riebel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Drei der Drahtzieher sitzen in Untersuchungshaft. Sie erwartet bei einer Verurteilung laut Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr.

Hunderte Firmen arbeiten wohl mit Betrugsmasche

Staatsanwalt Riebel geht davon aus, dass bundesweit etwa 300 Firmen mit dieser Betrugsmasche arbeiten. Die aufgedeckten Vorfälle seien lediglich ein kleiner Ausschnitt. Kriminalpolizei-Leiter Zimmermann bewertet die Ermittlungsarbeit dennoch als Erfolg. Etwa 400.000 Euro seien so erst gar nicht zu den Tätern geflossen. Die Polizei Gera warnte außerdem rund 600 Kontakte aus der Kundendatenbank vor einem möglichen Betrug. Der Leiter der Landespolizeiinspektion Gera, Matthias Zacher, erklärte zudem, dass Hoffnung auf Schadensausgleich für die Betroffenen bestehe.

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MDR (jhi/mm/kabe/ost)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 28. Februar 2024 | 19:00 Uhr

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