Ein Mann steht vor dem Landratsamt Hildburghausen.
Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU) fordert Hilfen zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gesundheitsversorgung Nächster Landrat bittet um Hilfen für Regiomed-Kliniken

17. November 2023, 15:49 Uhr

Wegen der drohenden Insolvenz des Regiomed-Konzerns geht die Trägerschaft der Kliniken 2024 wieder auf die Landkreise über. Die Verluste werden aktuell auf 20 Millionen Euro geschätzt. Nach dem Sonneberger Landrat bittet nun auch dessen Kollege in Hildburghausen das Land Thüringen um Millionenhilfen.

In Südthüringen werden die Rufe nach Hilfen für die angeschlagenen Regiomed-Kliniken lauter. In einem offenen Brief hat sich nun auch der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller (CDU) an das Gesundheitsministerium gewandt.

Müller zufolge fahren die Kliniken im Landkreis Hildburghausen einen Verlust von drei Millionen Euro pro Jahr ein. Er fordert vom Land einen Rettungsschirm, um die Menschen in der Region weiter ärztlich versorgen zu können. Es sei fünf vor zwölf, schrieb der Landrat an Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke).

Der Kreis Hildburghausen übernimmt das Kreiskrankenhaus in Hildburghausen, die Reha-Klinik in Masserberg sowie die angeschlossenen Medizinischen Versorgungszentren. Vor einigen Wochen hatte bereits der Sonneberger Landrat Robert Sesselmann (AfD) zur Finanzierung der Kliniken in Sonneberg und Neuhaus am Rennweg um zehn Millionen Euro vom Land gebeten.

Regiomed kämpft mit 20 Millionen Euro Verlust

Der länderübergreifende Regiomed-Konzern steckt tief in den roten Zahlen. Das Unternehmen kämpft mit Verlusten von rund 20 Millionen Euro. Um eine drohende Insolvenz zu vermeiden, hat der Klinik-Verbund die Trägerschaft ab kommendem Jahr wieder in die Hände der Landkreise gegeben, die dann selbst für die Finanzierung sorgen müssen. Kommunalpolitiker hatten kritisiert, dass das Unternehmen zu spät über die finanzielle Schieflage informiert habe.

Für die Rekommunalisierung war die Zustimmung der Kreise Sonneberg, Hildburghausen in Thüringen sowie Coburg und Lichtenfels in Bayern sowie der Stadt Coburg nötig. Regiomed hatte den Standorten finanzielle Sicherheit für die nächsten zwei Jahre versprochen. Das Geld soll unter anderem aus Eigenkapital des Konzerns fließen. Der Regiomed-Verbund beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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MDR (tig/sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 17. November 2023 | 13:30 Uhr

5 Kommentare

ElBuffo vor 15 Wochen

Wie hoch war denn in der Gegend die Lebenserwartung, als die Russen noch das Sagen hatten? Umsatz-SV-Beitrag ist natürlich etwas unsinnig. Besser wäre ein SV-Beitrag auf Einkommen, und zumindest bei Pflege und Krankenversicherung ohne Bemessungsgrenze.

Nelke vor 15 Wochen

Die hohen Sozialversicherungsbeiträge auf Arbeitsentgelte als Profitquelle nutzbar zu machen gehört in der BRD zur Staatsräson. Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Ein Kostenfaktor sind die hohen SV-Beiträge auf Arbeitsentgelte. Während auf Umsätze keine SV-Beiträge erhoben werden (zum Beispiel ein Prozent). Mit einem Umsatz-SV-Beitrag könnte die Höhe der SV-Beiträge auf Arbeitsentgelte begrenzt werden (und es wäre eine Art Kappungsgrenze für Unternehmen mit viel Personal und hohen Umsätzen nötig). Das wissen die Regierenden, wollen das Thema aber nicht angehen.
Nicht nur kleinere regionale Kliniken, auch größere Kliniken haben das Problem der späten Erstattung zusätzlicher Personalkosten und benötigen einige Mio Euro. Das sollte doch kein Problem sein im reichsten und besten Deutschland aller Zeiten, wo Geld für Krieg und Krach im Überfluß ausgegeben wird. Zumal die Gesundheit wichtiger ist als jedes Grundrecht-oder gilt das nicht mehr ?

Germinator aus dem schoenen Erzgebirge vor 15 Wochen

Ob man jetzt mit dem Landrat hier auch so hart ins Gericht geht, wie mit Sesselmann?

Ich zitiere mal einen Post aus dem oben verlinkten Artikel:
"Habe ich den AfD-Landrat richtig verstanden: Er nimmt wissentlich in Kauf, dass Finanzhilfen Thüringens an einen bayerischen Krankenhauskonzern fließen?
Das ist in meinen Augen ein Skandal. Es zeigt, wie recht man in Erfurt hat, die 10 Mio Euro zur Rettung der beiden Kliniken nicht als Blankscheck an Sesselmann zu überweisen."

Na mal sehen, wie die Kritik jetzt aussieht. LOL

🍀☝️

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