Künstliche Intelligenz Vom TU-Campus zum Bahnhof: Ilmenau startet autonomen Busverkehr

In Ilmenau fahren künftig zwei Busse ohne Fahrer. Sie befördern jeweils bis zu sechs Fahrgäste auf der Strecke zwischen Bahnhof und dem Campus der Technischen Universität. Das Wissenschaftsministerium will derartige Projekte auch zukünftig fördern.

selbstfahrender Kleinbus
Ein CAMIL-Bus in Aktion am Donnerstag. Der Name setzt sich aus "Campus" und "Ilmenau" zusammen. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

In Ilmenau werden künftig zwei selbstfahrende Kleinbusse den Universitätscampus mit dem Bahnhof verbinden. Wie die Universität mitteilte, wurden die beiden elektrisch angetriebenen CAMIL-Busse am Donnerstag vorgestellt. Sie sind vier Meter lang, bieten Platz für jeweils sechs Fahrgäste und fahren mit höchstens 18 km/h durch die Stadt. Noch im Herbst sollen sie den Linienbetrieb aufnehmen. 

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In Ilmenau sollen künftig zwei Busse ohne Fahrer im Linienverkehr zwischen Campus und Bahnhof eingesetzt werden. Im Bus haben sechs Fahrgäste Platz, Sensoren überwachen Abstand und Geschwindigkeit.

Do 15.09.2022 20:08Uhr 00:26 min

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Wissenschaftsministerium kündigt weitere Unterstützung an

Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach von einem vorbildlichen Projekt und kündigte an, solche Vorhaben weiter zu unterstützen. Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders (parteilos) nannte als Ziel, autonomes Fahren im ÖPNV auch in anderen Regionen im Landkreis anzubieten. Zudem könne sie sich autonom fahren Busse auch als Zubringer in ländlichen Regionen vorstellen.

selbstfahrender Kleinbus
Alle einsteigen! Sechs Fahrgäste können die autonomen Busse in Ilmenau jeweils transportieren. Bildrechte: MDR/Lisa Wudy

TU Ilmenau: Menschen müssen Technik auch vertrauen können

Universitätspräsident Kai-Uwe Sattler sagte, es gehe bei dem Projekt um künstliche Intelligenz und darum, wie es in der Öffentlichkeit ankommt. Die beste Innovation tauge nichts, wenn die Leute sie nicht annähmen, weil sie ihr nicht vertrauten, sagte Sattler. Ilmenaus Oberbürgermeister Daniel Schultheiß sagte, mit dem Projekt hole man die Forschung aus den Laboren auf die Straße und mache die Technologie für die Menschen erlebbar.

Ende 2019 hatte der Ilm-Kreis eine erste Machbarkeitsstudie für das Pilotprojekt beauftragt. Die Kosten übernahm zu 50 Prozent das Thüringer Umweltministerium.

Mobilität der Zukunft

Die zwei CAMIL-Busse werden von der Omnibusverkehrs GmbH Ilmenau (IOV) betrieben. Der autonome Verkehr solle eine Ergänzung zum normalen Linienverkehr sein, sagte Geschäftsführer der Omnibusverkehrs GmbH Stefan Tiedtke. Insgesamt will der IOV zehn seiner Busfahrerinnen und Busfahrer für den Betrieb der CAMIL-Busse schulen. Ein sogenannter Operator ist bei jeder Fahrt mit an Bord. Denn auch wenn die Busse schon hochautomatisiert sind, müsse immer noch ein Mensch nach dem Rechten schauen, erklärt der Direktor des Thüringer Innovationszentrum Mobilität Matthias Hein.

Die Kleinbusse des Herstellers "EasyMile" der Generation 3 sind auf der dritten Stufe der Klassifizierung von automatisierten Fahrzeugen (Norm SAE J3016). Insgesamt gibt es sechs Stufen. Die letzte Stufe wäre dann das autonome Fahren. Dann wäre das Auto ein Roboter, der komplett autonom ist, erklärt Hein.

Zum Aufklappen: Automatisierungs-Normen im Überblick

Die Norm SAE J3016 der SAE International unterscheidet sechs Stufen der Automatisierung von Fahrzeugen. Die Ilmenauer Busse liegen auf Stufe drei:

  • Stufe 0: Keine Automation - Der Fahrer fährt eigenständig oder mit unterstützenden Systemen, wie zum Beispiel dem Antiblockiersystem (ASB) oder dem Spurenhaltewarnsystem ohne Lenkunterstützung.
  • Stufe 1: Assistenzsysteme - Fahrassistenzsysteme wie Spurhalteassistent mit Lenkunterstützung oder Abstandsregeltempomaten unterstützen den Fahrer bei bestimmten Aufgaben.
  • Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren - Das Fahrzeug kann eine oder mehrere Aufgaben selbstständig durchführen, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. So kann beispielsweise der automatische Abstandsregeltempomat zusammen mit dem Notbrems- und dem Spurhalteassistenten zum Einsatz kommen.
  • Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren- Das Fahrzeug fährt automatisiert, aber der Fahrer muss bei bestimmten Aufgaben das Fahrzeug kurzzeitig übernehmen. Beispielsweise an einer Kreuzung oder bei einem Überholmanöver.
  • Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren - Der Fahrer wird zum Passagier und gibt die Führung des Fahrzeugs ab, allerdings unter eingeschränkten Bedingungen.
  • Stufe 5: Autonomes Fahren - Es sind auch Fahrten ohne Passagiere möglich. Das Fahrzeug kann selbstständig alle Aufgaben im Straßenverkehr bewältigen, ohne dass der Mensch eingreifen muss.


Quelle: ADAC

"Wir sind also noch ein Stücken von dem autonomen Fahren entfernt", so Hein. Das Thüringer Innovationszentrum Mobilität in Ilmenau hat die Busse unter anderem mit Sensorik ausgestattet und will das Projekt weiter begleiten. Für die nächsten drei Jahre hat das Thüringer Wissenschaftsministerium dafür rund zwei Millionen Euro bereitgestellt.

MDR (wdy/ls)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. September 2022 | 19:00 Uhr

14 Kommentare

Reuter4774 vor 2 Wochen

Finde ich gut! Liegt vielleicht daran dass ich, trotz meiner fortschreitenden Jahre, nicht pauschal gegen alles Neue und Veränderungen bin. Am lautesten beschweren sich doch die Menschen, die selbst weder Ideen haben noch die Phantasie weiter zu denken.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 2 Wochen

...wo denn z.B. ?


Wenn die Wissenschaft und die Forschung dem Menschen dient ,
dann kann das doch sooooo schlecht für unsere Zukunft gar
nicht sein... ?! Allemal besser, als diese unsäglichen
Lastenradversuche...

Klar, wir haben Probleme. Wirklich.

...warum denn nicht einfach mal " abschalten " und was utopisch erscheinendes
zulassen und sich daran erfreuen, dass die Errungenschaften der Wissenschaft
nun endlich auf die Strasse kommt und nicht im " dunklen Hobbykeller " dieser
Elektronik-Nerds verstaubt !?

Danke, Herr Oberbürgermeister, dass Sie sich so
dahinterklemmen und hinter Ihren Studierenden
stehen ! Voll cool ! Volle Power ! :-D

Ralf G vor 2 Wochen

Autonomes Fahren ist technisch hochinteressant. Ob es aber Sinn macht, wenn eine kleine Uni daran bastelt? Eine landesweite Zusammenführung der einschlägigen Kompetenzen würde evt. einen gesellschaftlichen Nutzen bringen. Nicht zu vergessen die Autoindustrie, die auf diesem Gebiet am Weitesten ist.
Mit Sicherheit bringt es aber den Studenten etwas, die daran arbeiten.

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