Auf über 400 Hektar haben sich seit 2003 mehr als 20 Firmen angesiedelt, im gesamten Gebiet sind über 9000 Arbeitsplätze entstanden.
Der Autozulieferer ICSI hat seinen Hauptsitz im Gewerbegebiet Erfurter Kreuz. Bildrechte: MDR/Christian Görmer

300 Jobs betroffen "Ohne Vorwarnung": Autozulieferer schließt Werk am Erfurter Kreuz

19. April 2024, 22:43 Uhr

Das Unternehmen IHI kündigt an, sein Werk am Erfurter Kreuz zu schließen. Vom Aus des Autozulieferers sind rund 300 Mitarbeiter betroffen. Thüringens Wirtschaftsminister Tiefensee reagiert überrascht und will in Japan mit den Eigentümern sprechen.

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Der Autozulieferer IHI Charging Systems International (ICSI) in Ichtershausen am Gewerbegebiet Erfurter Kreuz steht vor dem Aus. Das Werk muss in zwölf bis 15 Monaten geschlossen werden, wie Werkleiter Christian Giest mitteilte. Bis dahin soll der Geschäftsbetrieb normal weitergeführt werden.

Die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Herstellers von Turboladern für Autos seien am Donnerstag darüber informiert worden. Weitere Details will das Unternehmen in den kommenden Tagen bekannt geben.

"Ohne Vorwarnung": Tiefensee will in Japan mit Eigentümern sprechen

Auch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat überrascht auf die Schließungspläne des Autozulieferers IHI Charging Systems reagiert. Die Meldung habe ihn ohne Vorwarnung erreicht, sagte Tiefensee MDR THÜRINGEN. Er habe das Arnstädter Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach besucht, über ein Aufgeben des Standorts sei nie gesprochen worden. Dieses Vorgehen sei bedauerlich.

Laut Tiefensee geht es jetzt darum, mit dem Unternehmen die Situation und die weiteren Optionen auszuloten. Der Wirtschaftsminister bricht am Samstag mit einer Unternehmer-Delegation nach Japan auf. Dort wolle er sich auch bemühen, mit der dort ansässigen IHI-Muttergesellschaft ins Gespräch zu kommen.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD)
Für Wolfgang Tiefensee kamen die Schließungspläne ohne Vorwarnung. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

Tiefensee räumte ein, dass der Strukturwandel in der Automobilindustrie die Branche derzeit vor große Herausforderungen stellt. Er sei aber nicht überzeugt, dass im Fall IHI Arnstadt alle Alternativen ernsthaft geprüft worden seien. Das Land Thüringen stehe bereit, Konzepte zur Fortführung oder für eine Nachfolge zu entwickeln und zu unterstützen.

"Schlechtes Signal" für den Standort Thüringen

Der Geschäftsführer von Automotive Thüringen, Rico Chmelik, sprach gegenüber MDR THÜRINGEN von einem schlechten Signal für den Standort Thüringen. Obwohl Turbolader mit Blick auf die E-Mobilität ein Produkt mit Verfallsdatum seien, sei die Nachfrage aktuell sehr gut.

Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbandes Automotive Thüringen
Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchenverbandes Automotive Thüringen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zusammen mit anderen Entscheidungen, speziell Thüringer Standorte zu schließen, sei das Gesamtbild im Moment nicht gut. Keine Sorgen mache sich Chmelik um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese würden rund um das Erfurter Kreuz vermutlich schnell etwas neues finden - gerade auch, wenn sie noch ein Jahr Zeit haben.

Hauptsitz erst 2019 ans Erfurter Kreuz verlegt

Der Automobilzulieferer, der zur IHI-Gruppe gehört, hatte erst 2019 seinen europäischen Hauptsitz von Heidelberg nach Ichtershausen verlegt. ICSI entstand als Joint-Venture der japanischen IHI-Gruppe und der Daimler AG hervor. Neben den beiden Standorten in Deutschland ist das Unternehmen auch in Italien ansässig.

Das Unternehmen baut Turbolader für Automobilhersteller, unter anderem für VW, Audi, BMW und Ferrari.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Autozulieferer angekündigt zu schließen oder mussten Insolvenz anmelden. Allerdings investierten andere Zulieferer in Thüringen in den Ausbau ihrer Produktion.

Auch diese Autozulieferer müssen schließen

MDR (lw/flog/dvs)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. April 2024 | 12:00 Uhr

90 Kommentare

emlo vor 9 Wochen

Ich weiß wirklich nicht, wie Sie zu diesem Fazit kommen, ohne etwas über die Hintergründe der angekündigten Werksschließung zu wissen. Wo im Artikel steht, dass die Energiewende der Grund ist?

Micha R vor 9 Wochen

@ Peter
"...Das mit den 3.000 Entlassungen in Grünheide war eine Ente...

Stimmt!
Denn wie RBB-Recherchen (Meldung vom 16.4, 16,35 Uhr) ergaben, fallen die Stellenstreichungen offenbar deutlich geringer als die angeblich 3.000:
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2024/04/brandenburg-gruenheide-tesla-stellenabbau-elon-musk-reaktion.html
Übrigens:: "... In Grünheide arbeiten derzeit circa 12.500 Menschen vor allem aus Berlin und Brandenburg. Gut 2.000 davon sind Leiharbeiter. Von diesen werden ab Montag 300 weniger bei Tesla arbeiten..", siehe
https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2024/04/brandenburg-gruenheide-tesla-stellenabbau-leiharbeiter-gewerkschaft-igmetall.html

Thorgram vor 9 Wochen

Tja, das kommt eben bei raus wenn man Rot/Grüne Ideologien auf die Realität los lässt. Wobei man bei der "Energiewende" nicht vergessen darf von wem sie initiiert wurde.

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