Landwirtin Simone Hartmann
Simone Hartmann will Unternehmerin des Jahres werden. Bildrechte: MDR/Andreas Rückewold

Trotz Beichte Landwirtin aus Ernstroda will begehrten Preis einstreichen

10. August 2023, 06:00 Uhr

Die TZG Ernstroda im Landkreis Gotha ist ein Tierzuchtbetrieb mit eigenem Acker- und Grünland. Geschäftsführerin Simone Hartmann ist für den renommierten "Ceres Award" nominiert. In der Kategorie "Unternehmerin des Jahres". Dieser Preis vom deutschen Landwirtschaftsverlag gilt als die höchste Auszeichnung der Branche. Doch am Tag, als die Jury den Betrieb besucht, irritiert sie mit einer Ankündigung.

Der Betrieb von Simone Hartmann ist kein familiär betriebener Bio-Kuschel-Hof, sondern eine großflächige, ehemalige LPG mit langgezogenen Ställen für 1.800 Rinder und ebenso großen Lagerhallen für landwirtschaftliche Maschinen. Die TZG Ernstroda bewirtschaftet hier 3.100 Hektar Land. Die Rinder sind gerade alle auf den Weiden. Die Wasserbüffel halten die Feuchtgebiete in Schuss. Die Mähdrescher sollen in dieser Woche noch zur Weizenernte raus.

Herde Wasserbüffel
Die Wasserbüffel der TZG Ernstroda haben viel Platz. Bildrechte: MDR/Andreas Rückewold

Selten Bewerbungen aus Ostdeutschland

"Wir haben selten Bewerbungen solcher Betriebe aus Ostdeutschland", sagt Anke Fritz von der Jury des Ceres Award. Meist seien es kleine, familienbetriebene Unternehmen. Der Betrieb von Simone Hartmann sei mal etwas ganz anderes.

Dreieinhalb Stunden sprechen Jury und Geschäftsführerin miteinander. Es geht unter anderem um innovative Konzepte, Personalführung, ressourcenschonendes Arbeiten und nicht zuletzt auch um Work-Life-Balance - also um die Frage: Macht Simone Hartmann auch mal Urlaub? Landwirte sind ja dafür bekannt, dass dafür selten Zeit ist.

Landwirtin Simone Hartmann und Jurymitglied Anke Fritz
Landwirtin Simone Hartmann und Jurymitglied Anke Fritz (links): Bewerbungen von großen Betrieben für den Preis gibt es nicht so oft. Bildrechte: MDR/Andreas Rückewold

Hartmann streicht Direktvermarktung

Aber vor allem geht es um Betriebswirtschaftliches. Und da schockt Simone Hartmann mit der Aussage, sie werde ihre Direktvermarktung streichen. Der Hofladen ist schon zu. Die Rinder werden auch nicht mehr im Betrieb geschlachtet. "Seit Corona und der Ukraine-Krise rechnet sich das alles nicht mehr", sagt die Geschäftsführerin.

Ihr Hauptabnehmer war die Gastronomie. Doch die Bestellungen bleiben aus. Die Zahl der Beschäftigten schrumpft von 47 auf 32. Die Jury hat diese Ankündigung nicht geschockt - im Gegenteil! "Wenn es eine unternehmerische Entscheidung ist, einen Betriebszweig aufzugeben, weil der sich nicht mehr rechnet, dann ist das eine Kompetenz, die man hat," sagt Jurorin Anke Fritz nach dem Betriebsbesuch.

Landwirtin Simone Hartmann (blau) und Jurymitglied Anke Fritz (orange) im Traktor
Hartmann und Fritz im Traktor: Die schwierige wirtschaftliche Lage geht auch an der Landwirtin aus Ernstroda nicht spurlos vorbei. Bildrechte: MDR/Andreas Rückewold

Zwei Konkurrentinnen für die Thüringerin

In der Kategorie "Unternehmerin des Jahres" hat Simone Hartmann zwei Konkurrentinnen aus Bayern und Schleswig-Holstein. Sollte sie gewinnen, hat sie auch eine Chance auf den Hauptpreis "Landwirtin des Jahres". Der mit insgesamt 27.000 Euro dotierte "Ceres Award" wird im Oktober auf einer festlichen Gala in Berlin verliehen.

Mehr zur Landwirtschaft in Thüringen

MDR (adi/sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 10. August 2023 | 05:40 Uhr

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