Ein Angeklagter vor Gericht verbirgt sein Gesicht hinter einem Aktenordner.
Johannes D. verbirgt sein Gesicht am Montag hinter einem Aktenordner. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Eisenach Wirt einer Rechtsextremisten-Kneipe attackiert: 30-jähriger Späher verurteilt

27. Februar 2023, 18:03 Uhr

Zum Prozessauftakt um den Überfall auf den Wirt der Eisenacher Rechtsextremisten-Kneipe "Bull's Eye" sagte der Angeklagte umfassend aus. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung wurde er nun verurteilt. Johannes D. soll auch als Kronzeuge im Prozess um die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. aus Leipzig aussagen.

Im Prozess um einen Überfall auf den Wirt der Eisenacher Rechtsextremisten-Kneipe "Bull's Eye" im Dezember 2019 ist ein Urteil gefallen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten Johannes D. am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 30-Jährige den späteren Geschädigten Leon R. ausgespäht und so einen "erheblichen Beitrag zur Tat" geleistet hatte - auch wenn er später nicht unmittelbar an dem Überfall beteiligt war. Laut dem Richter war Johannes D. dennoch nicht nur Beihelfer, sondern Mittäter.

Acht damalige politische Verbündete von Johannes D. aus der linksextremen Szene hatten dem Wirt aufgelauert und ihn unter anderem mit Schlagstöcken angegriffen. Der angegriffene Leon R. setzte sich mit einem Teppichmesser und Pfefferspray zur Wehr, er wurde leicht verletzt. Drei seiner Begleiter, die ebenfalls der rechtsextremen Szene zugeordnet werden, trugen Platzwunden, Prellungen und Reizungen davon.

Einsicht und Reue wirken sich strafmildernd aus

Im Prozess hatte Johannes D. umfangreich ausgesagt und seine Beteiligung an dem Überfall eingeräumt. Als Ziel des Angriffs nannte der Angeklagte, Leon R. als exponiertem Vertreter der Neonazi-Szene bleibende körperliche Schäden zuzufügen.

Strafmildernd auf das Urteil haben sich laut Gericht Johannes D.s umfassendes Geständnis und seine als glaubwürdig eingestufte Einsicht und Reue ausgewirkt. Darüber hinaus kam die sogenannte Kronzeugenregel zum Einsatz. Denn: Johannes D., der mittlerweile nach eigenen Angaben der linksextremen Szene nicht mehr angehört, tritt in einem anderen Verfahren als Kronzeuge auf.

Kronzeuge im Verfahren um Lina E. aus Leipzig

Darin geht es um die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. aus Leipzig. Sie soll ebenfalls an dem Überfall auf den Eisenacher Wirt beteiligt gewesen sein. Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit den Behörden ist Johannes D. im Zeugenschutzprogramm des sächsischen Landeskriminalamtes. Der Prozess in Meiningen hat daher unter massivem Polizeischutz stattgefunden.

Von den Angegriffenen aus Eisenach war keiner bei der Verhandlung anwesend. Der Hauptgeschädigte Leon R. sitzt derzeit eine Strafe im Gefängnis ab. Seine Zeugenaussage wurde verlesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

MDR (seg/jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Februar 2023 | 19:00 Uhr

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