Foto von Alexej Nawalny und Blumen vor der russischen Botschaft in London
Alexej Nawalny soll nach Angaben seines Teams am Freitag beigesetzt werden. Seine Witwe befürchtet Gewalt und Festnahmen durch die russsiche Polizei bei der Beerdigung. Bildrechte: IMAGO / SOPA Images

Beerdigung Kreml-Kritiker Alexej Nawalny soll am Freitag beigesetzt werden

28. Februar 2024, 13:50 Uhr

Nach dem Tod von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny in einem russsischen Straflager kündigte sein Team seine Beisetzung am Freitag an. Unterstützer berichten von Problemen, einen Ort für die Beerdigung zu finden. Nawalnys Witwe bezeichnet den russischen Präsidenten Putin indes vor dem Eropaparlament als Kriminellen und befürchtet Gewalt bei der Beisetzung ihres Mannes.

Der im Straflager ums Leben gekommene Kremlkritiker Alexej Nawalny soll nach Angaben seines Teams am Freitag in Moskau beerdigt werden. Der Trauergottesdienst beginne um 14.00 Uhr (Ortszeit, 12.00 Uhr Mitteleuropäische Zeit) in der Kirche in Marjino, erklärte das Team im Onlinedienst Telegram. "Die Beerdigung findet auf dem Friedhof Borisowski statt." Zuvor hatten Nawalnys Unterstützer tagelang nach einem Ort für die Trauerfeier gesucht und beklagt, dass sie dabei von den russischen Behörden behindert wurden.

"Kommen Sie frühzeitig", schrieb das Team Nawalny weiter. Nach Angaben der Anhänger des Oppositionellen war es schwierig, eine Kirche für den Gottesdienst zu finden. "Überall weigerten sie sich, uns etwas zu geben. An einigen Orten wurde uns gesagt, es sei verboten", erklärte der im Exil lebende Iwan Schdanow. "Die Botschaft ist uns egal. Alexej muss begraben werden."

Zweifel an Todesursache

Nawalny war offiziellen Angaben zufolge am 16. Februar im Alter von nur 47 Jahren in einem Straflager nördlich des Polarkreises gestorben. Der scharfe Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin war durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und ständige Einzelhaft im Lager körperlich sehr geschwächt. Seine Unterstützer und auch viele internationale Beobachter sind sich deshalb einig, dass von einer "natürlichen" Todesursache, wie es auf dem Totenschein heißen soll, nicht die Rede sein kann. 

Für besonderes Entsetzen sorgte auch, dass die Behörden Nawalnys Leiche zunächst rund eine Woche unter Verschluss hielten und seine Mutter Ljudmila Nawalnaja gemeinsam mit einem Anwalt in der Polarregion nach dem Körper suchen musste. Nawalnaja beklagte auch, sie sei von Ermittlern bedrängt und erpresst worden, einer heimlichen Beisetzung zuzustimmen. Das aber tat sie nicht - stattdessen forderte sie öffentlich, dass Angehörige und Unterstützer die Möglichkeit haben sollten, sich von ihrem Sohn zu verabschieden. 

Kurz vor der Präsidentenwahl am 17. März sind dem Kreml jegliche größeren kritischen Veranstaltungen ein Dorn im Auge. Hunderte Menschen wurden zuletzt schon bei der Niederlegung von Blumen für Nawalny festgenommen. 

Witwe Nawalnaja bezeichnet Putin als "Chef einer kriminellen Bande"

Julia Nawalnaja, die Witwe des in Haft gestorbenen Kreml-Kritikers, sagte indes in einer Rede vor dem Europaparlament in Straßburg, der russische Präsident Wladimir Putin sei "Chef einer kriminellen Bande". Sie rief die westlichen Staaten dazu auf, gegen Putins Helfer vorzugehen. "Es braucht keine Betroffenheitsadressen, sondern eine Suche nach den Mafia-Verbündeten in Ihren Ländern, den diskreten Anwälten und Geldgebern", sagte Nawalnaja, die Putin für den Tod ihres Mannes verantwortlich macht.

Sie zeigte sich zudem besorgt, dass es bei der anstehenden Beerdigung ihres Mannes zu Gewalt und Festnahmen kommen könnte. "Die Beerdigung wird übermorgen stattfinden, und ich weiß noch nicht, ob sie friedlich verlaufen oder ob die Polizei diejenigen verhaften wird, die gekommen sind, um sich von meinem Mann zu verabschieden", sagte sie.

Nawalny war der bekannteste Oppositionelle in Russland und einer der schärfsten Putin-Kritiker. Er prangerte insbesondere Korruption und Gier an und bezeichnete die Staatsführung als "Gauner und Diebe". Seine Beiträge im Internet wurden millionenfach aufgerufen. Er war zu mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden.

dpa/AFP/REUTERS (lik)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2024 | 11:00 Uhr

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