Verwüstung in Tschassiw Jar
Ein Bild der ukrainischen Polizei (1. Mai 2024), zeigt die Verwüstung in der Stadt Tschassiw Jar. Ukrainische Militärs befürchten, dass die russische Armee den Ort bis zum 9. Mai erobern will. An diesem Tag feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland. Bildrechte: picture alliance/dpa/Ukraine Patrol Police/AP

Ukraine-News Ukrainer befürchten Einnahme von Tschassiw Jar durch russische Truppen

03. Mai 2024, 22:27 Uhr

Diese Ukraine-News vom Freitag, 3. Mai, sind beendet.

Ukraine-News vom Freitag, 3. Mai 2024

22:27 Uhr | Selenskyj sieht Ukraine-Krieg vor neuer Phase

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit einer baldigen Ausweitung der russischen Angriffe. "Wir stehen gerade vor einer neuen Phase des Krieges", sagte Selenskyj am Freitag während einer Ehrung von Soldaten in der Region Chmelnyzkyj, wie aus einem Video hervorgeht. "Die Besatzer bereiten sich auf Versuche vor, die Offensivaktionen auszuweiten. Gemeinsam müssen wir (...) alles dafür tun, um diesen russischen Angriffsplan zu vereiteln."

Die Lage an der Front ist für die Ukraine derzeit schwierig. Erst kürzlich bestätigte das ukrainische Militär einen Durchbruch der Russen unweit des Ortes Otscheretyne im östlichen Gebiet Donezk. Milliardenschwere Hilfen des wichtigsten Verbündeten USA waren monatelang durch einen innenpolitischen Streit in Washington blockiert gewesen und wurden erst in der vergangenen Woche freigegeben. Nun hofft Kiew, dass die US-Waffen schnell ankommen. Zudem pocht das angegriffene Land immer wieder auf mehr internationale Unterstützung bei Luftverteidigungssystemen.

20:37 Uhr | Russland untersagt Zuckerexport bis Ende August

Russland verbietet die Ausfuhr von Zucker bis zum 31. August. Das berichten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf ein Regierungsdekret. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass zitiert das Dekret mit den Worten, es ziele darauf ab, "Stabilität" auf dem internen Lebensmittelmarkt des Landes zu schaffen.

17:37 Uhr | Russland droht Ukraine mit Vergeltungsschlag bei Angriff auf Krim

Russland hat vor einem "verheerenden Vergeltungsschlag" gewarnt, sollte die Ukraine die Krim oder die Krim-Brücke mit Unterstützung des Westens angreifen. Die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa, äußerte die Vermutung, die Regierung in Kiew plane einen Angriff vor oder am 9. Mai. An diesem Tag feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Deutschland im Zweiten Weltkrieg.

Die Krim-Brücke verbindet die Halbinsel mit Südrussland. Bislang war sie zweimal Ziel ukrainischer Angriffe.

16:05 Uhr | Moskau bezeichnet Macron-Äußerung als "sehr gefährlich"

Russland hat die Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu einem möglichen Einsatz westlicher Bodentruppen in der Ukraine kritisiert. Diese seien "sehr gefährlich", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Frankreichs Staatschef spreche "weiterhin ständig von der Möglichkeit eines direkten Einsatzes vor Ort in dem Konflikt mit der Ukraine." Dies sei eine sehr gefährliche Tendenz. Moskau verfolge all dies "sehr aufmerksam", sagte Peskow weiter. Russland werde seinen Militäreinsatz in der Ukraine "fortsetzen, bis alle gesetzten Ziele erreicht sind", betonte er.

In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der britischen Zeitschrift "The Economist" hatte Macron zur Möglichkeit, westliche Soldaten in der Ukraine einzusetzen, gesagt: "Falls die Russen die Frontlinien durchbrechen und falls die Ukraine darum bittet – was bislang nicht der Fall ist – dann müssten wir uns zu Recht diese Frage stellen." Dabei machte er deutlich, dass es ihm in erster Linie um Abschreckung mit Blick auf Russland gehe.  Bereits Ende Februar hatte Macron mit der Aussage für Kontroversen gesorgt, dass er eine Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine "nicht ausschließen" wolle.

15:32 Uhr | Russland meldet Eroberung von 574 Quadratkilometern seit Jahresbeginn

Russland hat eigenen Angaben zufolge seit Jahresbeginn 547 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums erobert. Die Geländegewinne seien in den vier von Russland annektierten Oblasten Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja erfolgt, erklärt Verteidigungsminister Sergej Schoigu. "Die ukrainischen Militäreinheiten halten an einzelnen Frontlinien fest, aber wegen unserer Angriffe müssen sie ihre Stellungen aufgeben und sich zurückziehen."

15:10 Uhr | Frankreich: 150.000 tote russische Soldaten seit Kriegsbeginn

Seit dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 sind nach Schätzungen der französischen Regierung etwa 150.000 russische Soldaten getötet worden. Das sagte der französische Außenminister Stéphane Séjourné in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta Europa". Hunderttausende Weitere seien verwundet worden. Zudem bekräftigte Séjourné die Unterstützung der Ukraine. "Europa und seine Partner werden geeint und entschlossen bleiben, so lange, wie es nötig ist."

Die französische Schätzung fällt damit etwas geringer aus, als die der Ukraine. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezifferte die Zahl gefallener russischer Soldaten auf 180.000. Großbritannien hatte Ende April erklärt, von rund 450.000 russischen Verletzten und Toten auszugehen. Russland selbst macht keinerlei Angaben dazu, wie viele seiner Soldaten verletzt wurden oder starben.

14:06 Uhr | Ukraine: Zwei Tote bei russischem Angriff auf Kurachowe

Im Osten der Ukraine sind bei einem russischen Bombardement auf die in der Nähe der Frontlinie gelegene Stadt Kurachowe nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. "Das Stadtzentrum wurde getroffen, mehrere Gebäude sind beschädigt. Zwei Personen wurden verletzt und zwei weitere getötet", schrieb der Chef der Militärverwaltung der Stadt, Roman Padoun, im Online-Netzwerk Facebook über den Angriff am Morgen. Kurachowe ist etwa 40 Kilometer östlich vom russisch besetzten Donezk entfernt.

14:02 Uhr | Ukrainisches Militär befürchtet Einnahme von Tschassiw Jar

Die ukrainische Armee ist in der Region angesichts der russischen Offensive stark im Hintertreffen. Führende Mitglieder des ukrainischen Militärs gehen davon aus, dass Russland in den kommenden Tagen bis ins strategisch wichtige Tschassiw Jar weiter im Norden vorrücken will, um dort den 9. Mai feiern zu können. Russland begeht an diesem Tag traditionell den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland. Die ukrainische Armee versuche alles, um die Einnahme Tschassiw Jars zu verhindern, sagte der Kommandeur des ukrainischen Heeres, Oleksander Pawljuk, der britischen Zeitung "The Times", aber die Lage sei für seine Truppen sehr schwierig. "Russland hat zehnmal mehr Artillerie" und in der Luft eine "totale Überlegenheit", fügte er hinzu.

11:55 Uhr | Rheinmetall-Chef fordert mehr Rüstungsausgaben

Der Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, fordert deutlich höhere Militärausgaben, damit Deutschland in der Lage ist, sich zu verteidigen. "Die westliche Welt ist für einen konventionellen Krieg nicht gerüstet", sagte der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Waffenschmiede vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf. China und Russland hätten stark aufgerüstet.

Der deutsche Verteidigungshaushalt sollte von derzeit 52 Milliarden Euro jährlich um mindestens 30 Milliarden Euro aufgestockt werden. "Wenn diese 30 Milliarden nicht investiert werden in Deutschland, dann wird die Zeitenwende scheitern." Bundeskanzler Olaf Scholz hatte nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 eine "Zeitenwende" ausgerufen. Der Bund stellte ein 100 Milliarden Euro schweres Sondervermögen bereit, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken und Defizite bei der Bundeswehr auszugleichen.

8:00 Uhr | Wanderwitz: Mehr Unterstützung für Ukraine möglich

Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz hat sich dafür ausgesprochen, die Ukraine noch stärker zu unterstützen. Der ehemalige Ostbeauftragte sagte MDR AKTUELL, bei den Waffenlieferungen und der finanziellen Hilfe sei mehr möglich. Die Bevölkerung würde das seiner Ansicht nach mittragen. Bisher liefere die Bundesregierung immer zu wenig und zu spät. Wanderwitz gab SPD-Chef Lars Klingbeil recht, dass eine Unterstützung noch lange nötig sein könnte. Er hoffe aber, dass der Krieg nicht noch zehn Jahre dauern werde – sondern man schon früher über Wiederaufbau reden könne.

07:26 Uhr | Russland: Sechs ukrainische Drohnen abgewehrt

Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht wieder ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt. Insgesamt habe die Luftabwehr sechs Drohnen abgeschossen, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Fünf Drohnen seien über der russischen Region Belgorod an der Grenze zur Ukraine und eine Drohne über der annektierten Halbinsel Krim zerstört worden. Zu Schäden machte das Ministerium keine Angaben.

05:00 Uhr | Selenskyj drängt USA zur schnellen Lieferung der versprochenen Waffen

Angesichts der brenzligen Lage an der Front mit russischen Geländegewinnen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine schnelle Lieferung der kürzlich versprochenen US-Waffen gefordert. "Ich bin dem US-Kongress für seine Entscheidung dankbar, doch auch mit der Liefergeschwindigkeit und der Umsetzung von Entscheidungen darf es kein Problem geben", sagte Selenskyj am Donnerstagabend. "Wir warten darauf, dass die Waffen für unsere Kämpfer in der Ukraine ankommen." Kurz zuvor hatte das ukrainische Militär einen Durchbruch der russischen Streitkräfte bei dem Ort Otscheretyne im östlichen Gebiet Donezk bestätigt.

03:21 Uhr | "The Economist": Verhandlungen zwischen Ukraine und Russland 2025

Der stellvertretende Leiter des ukrainischen militärischen Nachrichtendienstes "Hur" Wadim Skibitzki geht davon aus, dass die Ukraine irgendwann Gespräche mit Russland aufnehmen werde. Das berichtet das Magazin "The Economist". Skibizki sehe keine Möglichkeit für die Ukraine, den Krieg allein auf dem Schlachtfeld zu gewinnen, selbst wenn es der Ukraine gelänge, die russischen Streitkräfte an die Grenzen zurückzudrängen, heißt es in dem Beitrag. General Skibitzki, so "The Economist", schätzt, sinnvolle Verhandlungen könnten frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres beginnen.

00:00 Uhr | Ukraine-News am Donnerstag, 3. Mai 2024

Guten Morgen! In unseren Ukraine-News halten wir Sie weiterhin über die Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten dazu erscheinen hier im Laufe des Tages.

Die Berichterstattung über den Russland-Ukraine-Krieg ist komplex. Es gibt eine Vielzahl von Medienvertretern vor Ort, darunter auch unabhängige Journalisten aus verschiedenen Ländern. Trotzdem ist wichtig zu wissen, dass die Beschaffung verlässlicher Informationen schwierig ist, weil viele verfügbare Quellen politisch motiviert sein können und schwer zu überprüfen. Dennoch gibt es unabhängige Experten, Organisationen und Journalisten, die differenzierte Einblicke bieten. Bei der Bewertung von Informationen sind verschiedene Quellen und eine kritische Haltung unerlässlich, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten. Alles das berücksichtigt der MDR in seinen Berichten über den Russland-Ukraine-Krieg.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 02. Mai 2024 | 06:00 Uhr

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