Warnzeichen für Diabetes Die "Zuckerkrankheit" erkennen und behandeln

Diabetes gilt als Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts: Rund 8 Millionen Menschen betrifft sie allein in Deutschland. Diese Personen haben ein gesteigertes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch Sehstörungen oder Nierenschäden können Spätfolgen sein. Umso wichtiger ist es, Diabetes zeitnah zu behandeln. Woran Sie ihn erkennen, weiß Dr. Thomas Dietz.

Symbolnild Diabetes - Ampullen und Spritzen
Diabetes gilt als Volkskrankheit unserer Zeit. Bildrechte: Colourbox.de

Diabetes gilt als Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts: weltweit sind rund 430 Millionen Menschen betroffen. In Deutschland allein sind es 8 Millionen Erkrankte. Als Hauptgrund für den anhaltenden Anstieg, gilt die Wohlstandsgesellschaft: Ständig ist süßes Essen verfügbar und gleichzeitig bewegen wir uns immer weniger. Im Volksmund heißt Diabetes deshalb auch "Zuckerkrankheit" und es gilt die Annahme: "Wer zu viel Zucker isst, wird zuckerkrank". Ganz so einfach ist es aber nicht.

Auf den Typ kommt es an

Bei Diabetes wird in zwei Haupttypen von Stoffwechselerkrankungen unterschieden. Typ 1 ist erblich bedingt, wird also nicht durch hohen Zuckerkonsum ausgelöst. In diesen Fällen besteht ein absoluter Mangel an Insulin, dem Stoff, der dafür sorgt, dass Zuckermoleküle "zerlegt" werden und den Körperzellen als Energielieferanten zur Verfügung stehen. Von allen Diabetes-Erkrankten haben lediglich 10 Prozent den Typ 1.

Circa 90 Prozent aller Diabetiker zählen zum Typ 2. Er beginnt oft schleichend und wird auch "Altersdiabetes" genannt, weil er meist erst mit zunehmendem Alter auftritt. Ursache ist eine Insulinresistenz, also eine verminderte Insulinempfindlichkeit der Zellen. Wird über viele Jahre zu viel Insulin im Körper produziert, reagiert er irgendwann "erschöpft". Die Bauchspeicheldrüse kann dann nicht mehr genügend Insulin für den erhöhten Bedarf produzieren. In den vergangenen Jahren sind zunehmend auch junge Erwachsene oder Jugendlich davon betroffen.

Als Hauptrisikofaktoren gelten erbliche Veranlagung, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch dauerhafter Stress kann den Zuckerspiegel im Blut erhöhen, da Stresshormone dem Körper signalisieren: "Ich brauche Energie." Diese Energie liefert Zucker, der dann rund um die Uhr im Blut zirkuliert, um schnell verfügbar zu sein. Bleibt der Körper dauerhaft in erhöhter Alarmbereitschaft, kann das zu Diabetes Typ 2 führen oder die bestehende Erankung verschlechtern.

Die Folgen: Das Risiko für Erkrankungen steigt

Bei einem Diabetes ist häufig nicht nur der Kohlenhydratstoffwechsel, sondern auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel gestört. Ist der körpereigene Blutzucker dauerhaft zu hoch, kann er Herz, Nieren und Nerven schädigen. Deshalb ist es wichtig, die Diagnose so zeitig wie möglich zu stellen und früh mit einer Therapie zu beginnen.

Blutgefäße werden geschädigt, sowohl die großen als auch die kleinsten. Der Blutdruck steigt an. Auf Dauer führt dies zu einem zunehmenden Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschäden, Augenerkrankungen und Durchblutungsstörungen, vor allem in den Beinen.

Bei Warnzeichen zum Arzt

Es ist häufig nicht ganz einfach, Anzeichen für Diabetes richtig zu deuten. Viele Warnsignale, wie zum Beispiel besonders häufiger Durst, lassen sich ja auch durch höhere Temperaturen erklären. Viel Wasser zu trinken gilt darüber hinaus als gesund. Es ist daher ratsam im Blick zu behalten, ob sich Diabetes-Anzeichen mehren.

Mann hält Wasserglas und gurgelt.
Viel Trinken ist gesund, doch häufiger Durst kann auch auf Diabetes hindeuten. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Symptome bei Typ-1-Diabetes:

  • Abgeschlagenheit/Müdigkeit
  • starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • plötzlicher Gewichtsverlust
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Hunger oder Appetitlosigkeit
  • schlecht heilende Wunden

Symptome bei Typ-2-Diabetes:

  • Konzentrationsstörungen
  • Leistungsschwäche/Müdigkeit
  • Depression
  • Hunger oder zu starker Appetit
  • Juckreiz
  • Erhöhte Infektionsneigung von Haut, Schleimhäuten oder Harnwegen

Sollten Sie mehrere Symptome haben, ist ein Besuch beim Hausarzt angebracht. Der kann mithilfe eines Bluttests den Zuckerspielegel messen. Das ist üblicherweise das Vorgehen bei Diabetes Typ 2. Bei Typ-1-Diabetes sind diese typischen Anzeichen deutlich auffälliger. Er lässt sich mit typischen Antikörpern nachweisen.

Die Behandlung: Von Diät bis Insulinspritze

Bestätigt sich der Verdacht auf einen Diabetes, müssen sich Erkrankte künftig regelmäßig in die Finger pieksen. Ein Blutstropfen genügt, um mit einem Messgerät den Blutzuckerwert zu prüfen. Je nachdem, wie die Werte ausfallen und welcher Diabtes-Typ vorliegt, unterschieden sich die weiteren Behandlungen.

Behandlung Typ1-Diabetes:

  • Gabe von Insulin
  • Überwachung des Blutzucker-Spiegels

Während beim Typ 1 der Körper kein eigenes Insulin mehr herstellt und deshalb auf fremdes Insulin von außen angewiesen ist, muss das beim Typ 2 nicht so sein. Während einige Betroffene auch Medikamente einnehmen müssen, genügt es bei anderen, die Ernährung umzustellen, um gute Blutzuckerwerte zu erreichen.

Behandlung Typ-2-Diabetes:

  • Mehr Bewegung im Alltag (30 bis 60 Minuten minimum)
  • sportliche Betätigungen suchen

Apfel, Nüsse, Fisch, Avocado und Brokkoli
Eine gesunde, zuckerarme Ernährung hilft, die Blutzuckerwerte niedrig zu halten. Bildrechte: Colourbox.de

  • viel Gemüse essen, bei Obst auf Fructose achten, empfehlenswert sind Grapefruits, Stachelbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, säuerliche Äpfel und Heidelbeeren
  • fettarme Lebensmittel bevorzugen, z.B. bei Milchprodukten und Wurst oder Fleisch
  • mindestens einmal wöchentlich Fisch
  • zum Kochen pflanzliche Öle
  • viel Wasser trinken, auch Kräutertee ist in Ordnung

Das ist tabu: Fastfood und Fertigsnacks sind Kalorienbomben, genau wie Limos & Co. Auch Obstsäfte sollten lieber als Schorle getrunken werden.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. Juni 2021 | 17:00 Uhr

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