Polarlicht in Zörbig
Dieses Polarlicht zeigte sich in Zörbig in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Ronny Ballstädt

Astronomie zum Beobachten Polarlichter in Deutschland – wann gibt es die nächsten?

26. September 2023, 16:53 Uhr

Derzeit erscheinen im Internet immer neue Aufnahmen von Polarlichtern am deutschen Nachthimmel. Dabei ist Deutschland dafür eher ein ungewöhnlicher Ort. Die meisten Sichtungen von Polarlichtern werden eher in den nördlicheren Breitengraden wie beispielsweise in Skandinavien beobachtet. MDR WISSEN hat im Planetarium Halle über die seltsamen Lichter am Abendhimmel geredet.

In den vergangenen Tagen beobachteten viele Menschen Polarlichter über Deutschland. Kann man das Spektakel auch in den kommenden Wochen noch am Nachthimmel über Deutschland sehen? MDR WISSEN hat bei den Experten vom Planetarium in Halle (Saale) und im Haus der Astronomie in Heidelberg nachgefragt. Und klar ist leider nur: Polarlichter sind schlecht vorhersagbar.

Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie hätte nicht damit gerechnet, dass sich nach den Aktivitäten am Anfang der letzten Woche weitere Polarlichter so schnell wieder zeigen würden. Dirk Schlesier, der Leiter Planetariums in Halle, stimmt ihr bei der Vorhersehbarkeit zu – ist dennoch etwas optimistischer: "Die Sonnenaktivität ist weiter recht hoch, sodass auch in den nächsten Tagen und Wochen die Möglichkeit von Polarlicht-Sichtungen besteht."

Was sind Polarlichter?

Polarlichter können entstehen, wenn das Plasma der Sonne bei einer Eruption in Richtung Erde geschleudert wird. Wenn diese getroffen wird, reagieren die geladenen Teilchen mit verschiedenen Elementen in den oberen Schichten der Atmosphäre, so Peter Dorman. Er ist für das Bildungs- und Medienmanagement im Planetarium Halle zuständig.

"Wenn die Teilchen dann in ein niedrigeres Energieniveau zurückfallen, senden sie Licht aus, was als Polarlicht wahrgenommen werden kann. Je nachdem, in welcher Höhe und mit welchem Teilchen das Plasma reagiert, entstehen unterschiedliche Farben", führt Dorman fort.

Und tatsächlich gab es in den letzten Tagen mehrere größere Ausbrüche, die Partikel gen Erde geschickt haben. "Geladene Sonnen-Teilchen sind zwei Tage nach den Ausbrüchen auf der Sonne an der Erde angekommen und haben in der Atmosphäre unserer Erde verschiedenfarbige Leuchterscheinungen verursacht", erklärt Schlesier.

Wenn das Plasma "auf Sauerstoffteilchen trifft, dann können grünliche Polarlichter am Himmel erscheinen", ergänzt sein Kollege Dorman. "In höheren Schichten kann Sauerstoff auch rotes Polarlicht erzeugen. Stickstoff kann allerdings auch dunkelrote bis violette Polarlichter erzeugen". Zu Mischfarben kommt es, wenn mehrere Teilchen mit dem Plasma der Sonne agieren.

Bringen mehr Sonneneruptionen automatisch mehr Polarlichter?

Das Plasma wird durch Sonneneruptionen zur Erde transportiert. Zufälligerweise nehmen die Aktivitäten derzeit zu und erreichen vermutlich im nächsten Jahr ihre Maximalphase – was wiederum zu mehr Sonneneruptionen führt. Dies steigert die Wahrscheinlichkeit, dass die Erde öfter von solchen Sonnenstürmen getroffen wird. 

Grundsätzlich sind die nördlichen Erdregionen häufiger betroffen. Vor allem die Zeit zwischen Anfang September bis Mitte April ist besonders ertragreich, unabhängig davon, ob sich die Sonnenaktivitäten während ihres etwa elfjährigen Zyklus an ihren Maximal- oder Minimalphasen befinden. Da im Winter die Nächte länger sind, ist auch die Chance größer, ein Polarlicht zu erblicken. Das heißt nicht, dass es in den Sommermonaten keine Polarlichter gibt, jedoch ist es oft zu hell, um sie zu erkennen.

Polarlichter zu erblicken, ist ein wahrer Glücksfall

Letztendlich hat es viel mit Glück zu tun. Schlesier selbst hatte dieses Jahr noch keinen Erfolg, eines der tanzenden Lichter in natura zu sehen: "Umso weiter man sich in Richtung Norden befindet, umso stärker steigt die Chance auf Polarlichter. Allerdings haben wir aus den letzten Tagen erfahren, dass auch in Mitteldeutschland Polarlichter zu beobachten sind."

Eine Garantie für Polarlichter gibt es nicht. Gutes Wetter ist eine Grundvoraussetzung. "Das sieht bis zur Wochenmitte noch ganz gut aus, allerdings gab es in den letzten Tagen meines Wissens keinen starken Sonnenausbruch, sodass ich nicht mit intensiven Polarlichtern rechne. Vielleicht treten vereinzelt relativ schwache und kurzanhaltende Polarlichter auf", so der Planetariumsleiter.

Da diese "Ausbrüche sowie deren Intensität schwer vorherzusagen sind, ist eine Vorhersage schwierig. Wir sollten also in den nächsten Wochen in der Nacht immer einmal wachsam Richtung Norden zur Region um den Großen Wagen schauen", so Schlesier.

pk

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | 26. September 2023 | 14:00 Uhr

4 Kommentare

Freies Moria vor 34 Wochen

@MDR-Team: Der zweite Link hätte direkt in den Artikel gehört, dann wärs im Sinne einer Bildung gelaufen. Nachfragen können nur die, die es eh gewusst haben...

MDR-Team vor 34 Wochen

@Freies Moria
Wie Sie selbst schreiben, ist die Herkunft der Teilchen astronomisch, sodass diese Zuordnung durchaus angebracht ist. Ansonsten haben wir regelmäßig solches Wissen vermittelt, etwa in diesen beiden Artikel (https://www.mdr.de/wissen/umwelt/sonne-schiesst-plasma-ins-all-interview-mit-sonnenphysiker-volker-bothmer-100.html; https://www.mdr.de/wissen/umwelt/polarlichter-was-sind-und-wie-entstehen-sie-100.html).
LG, das MDR-Wissen-Team

Freies Moria vor 34 Wochen

Polarlichter finden in der irdischen Atmosphäre statt, sind vom Ort her also nicht astronomisch sondern irdisch.
Astronomisch daran ist die Herkunft der Teilchen - die ist ausserirdisch, ein bisschen wie subatomare Meteoriten.
Physikalisch gesehen handelt es sich um Bremsstrahlung. Das ist so ähnlich wie das blaue Leuchten des radioaktiven Radium, welches Marie Curie entdeckte.
Schade, dass solches Wissen bei MDR Wissen nicht vermittelt wird.