Jahrespressekonferenz ESA Europas Raumfahrtpläne: Bessere Raketen, neue Astronauten und eine Mondlandung

Ist Europa fit für die Zukunft? Auf der Jahrespressekonferenz gab die europäische Raumfahrtbehörde ESA die Pläne für 2021 und darüber hinaus bekannt. Neben zwei ESA-Astronauten, die 2021 zur Internationalen Raumstation ISS fliegen sollen, arbeitet die Behörde an besseren Raketen und Plänen für den Mond.

Die Rakete der Ariane 5 bei ihrem Liftoff.
Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA schickt eine ihrer Ariane 5 Trägerraketen vom eigenen Raumhafen Kourou auf Französisch-Guyana in den Weltraum. Auch für 2021 wird es wieder Starttermine geben. Bildrechte: ESA / CNES / Ariane Space Group

Am 14. Januar lud die Europäische Raumfahrtbehörde ESA zur Jahrespressekonferenz des Generaldirektors ein. Klar wurde, dass der Behörde und dem neuen Chef, der in diesem Jahr antreten wird, viel Arbeit bevorstehen. Die ESA und ihre Raketen müssen zukunftsfähig gemacht werden, neue Raumfahrerinnen und Raumfahrer müssen ausgebildet und die "alten" auch 2021 zur Internationalen Raumstation ISS geschickt werden. Und da zeigen sich schon die Probleme. Denn sie fliegen nicht mit ESA-Raketen oder -Raumschiffen.

Raketentechnik made in Europe?

Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA ist ein Big Player im Raumfahrtgeschäft. Sie führt weltweite Kooperationen, bildet aus und forscht – nicht nur im Weltall. Sie beobachtet den Klimawandel vom All aus, vermisst beispielsweise mit den Copernicus-Satelliten den Meeresspiegel. Da in den USA unter der Präsidentschaft von Donald Trump die Gelder für die Klimaforscher gestrichen wurden, konnte Europa an die Spitze in diesem Sektor rücken.

In der Raketentechnik scheint die Führung aber bei den privaten Unternehmen zu liegen. SpaceX kann seine Raketenstarts viel günstiger anbieten und hat darüber hinaus wiederverwertbare Raketen. Für den Generaldirektor Jan Wörner steht fest: "Eine starke Konkurrenzfähigkeit ist wichtig in Europa!" Die Rechnung geht so: Wenn man günstigere Raketenstarts anbieten kann, bekommt man mehr Starts, und dadurch werden die Raketenstarts noch günstiger. Daran arbeite auch die ESA.

Eine Trägerrakete des Typen Vega-C am europäischen Raumhafen Kourou in Französisch-Guyana.
Eine Trägerrakete des Typen Vega-C am europäischen Raumhafen Kourou in Französisch-Guyana. Bildrechte: ESA–J. Huart

Ein Hoffnungsträger ist die neue Trägerrakete Vega-C, die 2021 getestet wird. Sie ist für kleinere Satelliten geeignet. Mit der Ariane 5 Trägerrakete werden größere Objekte in den Orbit befördert. Ariane 6 soll ihren Dauerbetrieb bald ebenfalls aufnehmen.

Europas Astronauten und Raumfahrerinnen

Darüber hinaus wird die ESA in diesem Jahr zwei Astronauten zur ISS schicken. Im Frühjahr den französischen Astronauten Thomas Pesquet mit der "alpha" Mission, im Herbst den deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer. Er wird mit der Mission "Cosmic Kiss" zur ISS fliegen. Seine Missionslogo ist der Himmelsscheibe von Nebra gewidmet, dem ältesten bekannten Artefakt, das den Sternenhimmel darstellt. Sowohl Pesquet als auch Maurer werden dabei mit SpaceX-Raketen in Crew Dragon Raumschiffen der Firma von Elon Musk fliegen.

Astronaut Matthias Maurer
Der ESA-Astronaut Matthias Maurer in einer Halle der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Er soll im Herbst 2021 zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Bildrechte: ESA/Sabine Grothues

Außerdem sucht die ESA nach neuen Astronautinnen und Astronauten. Das letzte Auswahlverfahren dafür ist immerhin schon zwölf Jahre her. Im Februar wird die Raumfahrtbehörde mehr dazu bekanntgeben.

Mondlandung? Am MONDtag!

Zusammen mit der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA arbeitet die ESA an der Artemis-Mondmission. Bereits Ende 2021 soll die erste unbemannte Mission zum Mond starten. Trump hatte vorgesehen, dass die erste Astronautin und der nächste Astronaut 2024 den Mond betreten sollen – das wäre am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit gewesen.

Diese künstlerische Darstellung zeigt die Gateway-Raumstation über dem Mond. Im Zuge des Artemis-Programms sollen Astronauten und Astronautinnen wieder zum Mond gebracht werden. Die Raumstation Gateway dient als Zwischenstation und soll den Mond umrunden. Sie wird kleiner als die Internationale Raumstation ISS sein und zusammen von den Raumfahrtbehörden NASA (USA) und ESA (Europa) geplant.
Diese künstlerische Darstellung zeigt die Gateway-Raumstation über dem Mond. Im Zuge des Artemis-Programms sollen Astronauten und Astronautinnen wieder zum Mond gebracht werden. Die Raumstation Gateway dient als Zwischenstation und soll den Mond umrunden. Sie wird kleiner als die Internationale Raumstation ISS sein und zusammen von den Raumfahrtbehörden NASA (USA) und ESA (Europa) geplant. Bildrechte: ESA/NASA/ATG Medialab

Ob es bei diesen Zeitplänen unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden bleibt oder es zu einem späteren Starttermin kommt, wie manche Raumfahrtexperten befürchten, ist noch nicht klar. David Huw Parker von der ESA (Director of Human and Robotic Exploration) sieht das anders und sagt, dass er bezüglich des Zeitplans ein positives Gefühl habe und glaube, dass er beibehalten wird.

Bisher wurden zwölf US-Astronauten für das Artemis-Training ausgewählt. Doch auch die ESA möchte drei Raumfahrer bereitstellen. Diese sollen an den Gateway-Missionen teilnehmen. Beim Gateway handelt es sich um eine Raumstation, die den Mond umrunden soll. Ähnlich wie die ISS, nur kleiner. Wann Europa auf dem Mond landen soll? "An einem MONDtag", scherzt Wörner. Sein Nachfolger wird sich damit beschäftigen.

Neuer Chef, neue Raketen

Denn für Wörner war es die letzte Jahreskonferenz als Generaldirektor. Er wird sein Amt offiziell im Juli an Josef Aschbacher übergeben. Vielleicht auch früher: Denn was die NASA in zwei Monaten schafft, sollte der ESA ebenfalls gelingen, so Wörner. Ob Aschbacher bereits am 1. März das Amt komplett übernimmt, wird von der ESA derzeit geprüft.

Egal ob März oder Juli, eines bleibt an Aschbachers Wahl besonders. Der österreichische Weltraumforscher ist zwar seit 1990 bei der Weltraumbehörde. Das Amt des Generaldirektors wurde bisher jedoch vor allem an die großen Mitgliedsstaaten vergeben. Österreich ist dagegen nur ein kleines Mitglied. Sein Anteil am diesjährigen ESA-Budget von 6,49 Milliarden Euro liegt bei knapp einem Prozent. Ein neuer Schritt bei der ESA.

Aschbachers Ziel ist dabei ganz klar: Europa braucht neue Raketen. Denn hier macht SpaceX der ESA mit seinen wiederverwendbaren Modellen große Konkurrenz. Und der könne man nur gemeinsam begegnen, so Aschbacher, auch wenn er noch nicht die "magische Lösung" habe, "was wir tun und wie wir es tun".

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