Eine Frau trinkt Wasser
Temperaturen von 40 °C und mehr waren in diesem Juli vor allem im Mittelmeerraum oft an der Tagesordnung. Aber auch in anderen Teilen der Welt war der Juli so viel wärmer als gewöhnlich, dass es der insgesamt wärmste Monat seit Beginn der Datenaufzeichnungen wurde. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Erderwärmung Temperaturrekord: Nasa bestätigt Juli 2023 als wärmsten Monat seit Messbeginn

16. August 2023, 12:42 Uhr

In Deutschland waren die Juli-Temperaturen im Schnitt recht gewöhnlich. Aber weltweit war es der wärmste Monat seit Beginn der Datenerfassung. Und auch die Weltmeere sind so aufgeheizt wie nie zuvor.

Wer die zweite Juli-Hälfte in Deutschland verbracht hat, wird vielleicht erstaunt sein, dass man diesen zurückliegenden Monat mit Temperaturrekorden in Verbindung bringt. War das nicht sehr, sehr kühl (und ziemlich regnerisch)? Ja, war es. Durch die Hitze in der ersten Juli-Hälfte lag dann aber auch hierzulande die Durchschnittstemperatur für den ganzen Monat über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020, wenn auch nur um 0,39 °C. Das ist kein Rekord. Das ist insgesamt recht gewöhnlich für die zurückliegenden Jahre.

Weltweit wärmster Monat aller Zeiten

Die Erderwärmung spielt sich aber nun mal nicht nur in Deutschland ab, sondern weltweit. Und dafür war eben dieser Juli ein neuer extremer Beleg. Südeuropa-Urlauber können vielleicht ein trauriges Lied davon singen. Aber wenn es um die globale Erwärmung geht, ist Europa immer noch nur ein kleiner Teil des Ganzen. Besonders hohe Temperaturen (im Vergleich mit früheren Juli-Werten) wurden auch in großen Teilen Südamerikas und der Antarktis gemessen. Und so stehen am Ende folgende Erkenntnisse:

  • Die globale Durchschnittstemperatur im Juli 2023 war die höchste, die jemals für einen Monat aufgezeichnet wurde.
  • Der Monat war weltweit um 0,72°C wärmer als der Juli-Durchschnitt von 1991-2020 und 0,32°C wärmer als der bisher wärmste Monat, der Juli 2019.
  • Der Monat war schätzungsweise rund 1,5 °C wärmer als der Durchschnitt der Jahre 1850-1900.

Errechnet hat das der Copernicus Climate Change Service (C3S) vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, der die globale Oberflächenlufttemperatur, die Meereisbedeckung und verschiedene hydrologische Variablen beobachtet und misst. Alle Ergebnisse beruhen auf computergenerierten Analysen, denen Milliarden von Messungen von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen auf der ganzen Welt zugrunde liegen.

Nasa bestätigt Temperaturrekord

Der Juli 2023 war auch nach Daten der US-Raumfahrtbehörde Nasa heißer als jeder andere je gemessene Monat. Sie bestätigte damit grundsätzlich die Aussagen des EU-Klimawandeldienstes Copernicus, wenn auch mit leicht abweichenden Werten. Laut Nasa sei der Juli 2023 um 0,24 Grad Celsius wärmer gewesen als der bislang wärmste Juli in den Aufzeichnungen der Behörde, die bis zum Jahre 1880 zurückgehen. Außerdem war es um 1,18 Grad Celsius wärmer als der durchschnittliche Juli von 1951 bis 1980.

"Die Daten der Nasa bestätigen, was Milliarden Menschen auf der ganzen Welt buchstäblich gespürt haben: Die Temperaturen im Juli 2023 machten ihn zum heißesten Monat aller Zeiten", sagt Nasa-Chef Bill Nelson. "Die Wissenschaft ist eindeutig. Wir müssen jetzt handeln, um unsere Gemeinschaft und unseren Planeten zu schützen. Es ist der einzige, den wir haben." Besonders heiß waren der Nasa zufolge Teile Südamerikas, Nordafrikas, Nordamerikas und der Antarktischen Halbinsel.

Diese Grafik der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigt eine Weltkarte mit den globalen Temperaturanomalien für Juli 2023, also wo es wie viel wärmer war als gewöhnlich in diesem Monat.
Diese Grafik der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigt eine Weltkarte mit den globalen Temperaturanomalien für Juli 2023, also wo es wie viel wärmer war als gewöhnlich in diesem Monat. Bildrechte: Nasa / Goddard Institute for Space Studies

Weltmeere deutlich wärmer als je zuvor

Zwischen 60 Grad nördlicher und 60 Grad südlicher Breite haben die Weltmeere, wenn man alle zusammen nimmt, normalerweise im März ihre höchste Durchschnittstemperatur, dann fällt sie bis Ende Juni und steigt in Juli und August wieder leicht an. In diesem Jahr aber lief da einiges anders. Schon seit Ende Mai stieg die Durchschnittstemperatur wieder, der warme Juli tat sein Übriges, sodass die Meere an der Oberfläche am 31. Juli so warm waren wie nie zuvor: 20,96 °C.

Für den gesamten Monat lagen die globalen durchschnittlichen Meeresoberflächentemperaturen 0,51°C über dem Durchschnitt von 1991-2020, im Nordatlantik sogar um 1,05 °C. "Hitzewellen" entwickelten sich südlich von Grönland und in der Labradorsee, im karibischen Becken und im Mittelmeer. Und über dem östlichen Äquatorialpazifik entwickelten sich weiterhin El-Niño-Bedingungen.

2023 könnte noch wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden

Was die Durchschnittswerte für das bisherige Kalenderjahr 2023 angeht, sind die globalen Temperaturen um 0,43 °C höher gewesen als im langjährigen Mittel 1991-2020. Das ist zu diesem Zeitpunkt im Jahr der dritthöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Rekordjahr ist da 2016 mit 0,49 °C Abweichung vom Mittel. Laut Copernicus Climate Change Service wird aber erwartet, dass sich der Abstand zwischen 2023 und 2016 in den kommenden Monaten verringert, da die letzten Monate des Jahres 2016 relativ kühl waren (was den Jahresdurchschnitt auf 0,44 °C Abweichung senkte), während der Rest des Jahres 2023 wegen El Niño voraussichtlich relativ warm sein wird.

(rr)

Wissen

MDR WISSEN Wetterphänomene 9 min
Bildrechte: Stefan Marx

4 Kommentare

MDR-Team vor 29 Wochen

Hallo wo geht es hin,

Diskussionen über mögliche Gesetze und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel sind bedeutsam, um langfristige Lösungen zu finden. Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen bzw. möglichst gering zu halten.
Unterstellungen, Behauptungen oder Wut bringen uns da allerdings nicht so viel weiter. Weder gegen uns als MDR, noch gegen die Politik. Deswegen würden wir uns eine sachliche und konstruktive Diskussion - im Sinne unserer Netiquette - in den Kommentaren wünschen.

Liebe Grüße
Das MDR WISSEN Team

MDR-Team vor 29 Wochen

Hallo Brigitte Schmidt,

wir wollen schnell und vor allem wissenschaftlich über aktuelle Themen berichten. Der Juli ist jetzt über eine Woche her und da kann man darüber berichten und ihn auswerten. Wir achten beim Veröffentlichen unserer Artikel nicht auf das Wetter oder den Wochentag.

Liebe Grüße
Das MDR WISSEN Team

wo geht es hin vor 29 Wochen

Wenn das so weitergeht wie hier suggeriert, sollte man überlegen, nicht ein "Heizungsgesetz" zu verabschieden, sondern ein Kühlungsgesetz.
Ob die Natur sich dann daran hält, steht auf einem ganz anderem Blatt.
Bis dahin wird natürlich weiter auf der Panikklaviatur gespielt. Es geht schließlich um enorm viel Geld, Macht und Kontrolle.
PS: Vor nur ca. 10.000 Jahren lag das nördliche Europa noch unter einem dicken Eispanzer - wollen wir das wirklich wiederhaben? Ich frage für einen Freund.
PSS: Noch ein paar Fragen: Wo standen denn die Meßstellen vor 120.000 Jahren, die bis auf die 2. Nachkommastelle gemessen haben?
Und sind die Meßstellen von heute genau noch mit dem gleichen Umfeld gesegnet, als diese errichtet wurden oder sind die jetzt größtenteils zugebaut?
Wie hat man vor 120.000 Jahren die Meerestemperatur gemessen und vor allem: WER hat das gemacht?
Welchen Einfluss hat der Unterwasservulkanausbruch vor Tonga 2021 auf das Weltklima? Die NASA weiß es. Aber der MDR berichtet nicht.