Mehr als ein Sozialdrama "Pelikanblut": Mythisches Sinnbild für absolute Hinwendung

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Die Pferdetrainerin Wiebke adoptiert ein Kind aus Bulgarien. Doch Raya ist stark traumatisiert, kann ihre Trauer nicht ergründen und verfällt in Zorn. Aber Wiebke will nicht aufgeben. Regisseurin Katrin Gebbe gelingt ein Drama über die Fähigkeit zur Liebe, die Menschlichkeit möglich macht, meint unser Kritiker.

Eine Frau mit Kind im Kindergarten 2 min
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Die Pferdetrainerin Wiebke adoptiert ein Kind aus Bulgarien. Doch Raya ist stark traumatisiert und wütet gegen sich und andere. Aber Wiebke will nicht aufgeben. Ein überzeugendes Drama über die Fähigkeit zur Liebe.

Mi 23.09.2020 15:22Uhr 02:04 min

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Video

Der Pelikan ist in der christlichen Tiermythologie ein Symbol für aufopfernde Liebe: Er öffnet sich die Brust, um mit seinem Blut die toten Jungen wieder zum Leben zu erwecken, ein Christus-Motiv. Die Heldin Wiebke in Katrin Gebbes ("Tore tanzt") eindrucksvollem Film "Pelikanblut" ist auch bereit, für ihr schwieriges Kind alles zu tun. Als das tobende Mädchen Raya sie beim Essen mit Ketchup bespritzt, sieht das plötzlich auf dem T-Shirt der Mutter wie die bluttriefende Wunde des Pelikans aus.

Eine Familie am Frühstückstisch
Wiebke mit ihren beiden Töchtern Bildrechte: DCM

Sie gibt nicht auf

Schauspielerin Nina Hoss ist in einer ihrer besten Rollen zu sehen, die sie warmherzig und mit einem unendlichen Reichtum an Emotionen spielt. Als Pferdetrainerin Wiebke hat sie die kleine Raya aus Bulgarien geholt, um ihrer anderen, ebenfalls adoptierten Tochter eine Schwester zu schenken. Doch dieses schwer traumatisierte Mädchen Raya (eine unglaublich packende Leistung von Katerina Lipkowska) hat keinen Zugang zu seinen Gefühlen. Es wütet grenzenlos gegen sich und andere, womit es das Leben der kleinen Familie zerstört.

Eine Frau mit Hut im Sonnenuntergang
Nina Hoss als Wiebke Bildrechte: DCM

Die Mutter gibt gegen alle Ratschläge nicht auf. Sie kämpft bis zur Selbstaufgabe um dieses Kind. Regisseurin Katrin Gebbe wendet ihre fesselnde Geschichte nicht in die erwartbare Richtung Sozialdrama, sondern weitet sie zu einem fast mythischen Sinnbild für absolute Hinwendung, für jene nicht wirklich erklärbare Fähigkeit zur Liebe, ohne die es keine Menschlichkeit geben kann.

Filmszene, Menschen mit Mänteln 7 min
Bildrechte: Alamode Film

"Persischstunden" ist eine deutsch-russische Produktion mit Lars Eidinger. "Pelikanblut" Nina Hoss überschreitet ihre Grenzen um ein Kind zu retten. Der Berlinale-Film "Futur 3" zeigt die Zukunft des deutschen Kinos.

MDR KULTUR - Das Radio Do 24.09.2020 06:00Uhr 06:52 min

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MDR KULTUR - Das Radio Do 24.09.2020 06:00Uhr 06:52 min

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Genre: Drama
Regie: Katrin Gebbe
Besetzung: Nina Hoss, Katerina Lipovska, Yana Marinova Murathan, Muslu Samia Muriel Chancrin
Im deutschen Kino ab: 24.09.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. September 2020 | 08:10 Uhr

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