Albenrezension Benjamin Biolay macht hymnischen Britpop im Chanson-Modus

Nach seinen beiden Buenos Aires Alben von 2016 und 2017 hat sich Benjamin Biolay diesmal dem Britpop und seinem New Yorker Pendant zugewandt. Er ließ sich von Bands wie Happy Mondays oder The Strokes inspirieren. Der Titel "Grand Prix" sagt es – als Thema wählte der französische Musiker das Formel-1-Gewerbe, für das er einen Faible hat.

Benjamin Biolay
Benjamin Biolay hat sein neues Album dem Autorennsport gewidmet. Bildrechte: Polydor/Mathieu Cesar

So energiegeladen und geradezu euphorisierend hat Benjamin Biolays Musik lange nicht geklungen. Für sein neues Album "Grand Prix" ließ sich der 47-jährige Franzose von der Musik inspirieren, die er als Mittzwanziger gehört hatte: The Strokes, Arctic Monkeys, The Libertines und Happy Mondays. Also gibt's diesmal frischen Poprock und dreckige Gitarrensounds als Kontrast zum meist dunklen, manchmal etwas schläfrigen Sprechgesang.

Ein Album fürs Autorennen

Der Albumtitel allerdings irritiert. Warum stellt ein Künstler, der sich auch hin und wieder öffentlich zur Klimakrise äußert, sein Werk ausgerechnet unter das Motto "Grand Prix"? "Ich habe den Grand Prix schon als Kind geliebt", erzählt Biolay. "Für mich war das nicht nur ein Sport. Es hat auch etwas Künstlerisches, etwas Artistisches und auch etwas Romantisches und Mythologisches. Nach dem Tod des französischen Rennfahrers Jules Bianchi, den ich sehr mochte, entschloss ich mich, dieses Album aufzunehmen und es diesen verrückten Menschen zu widmen, die ich bewundere."

CD-Cover - Benjamin Biolay: "Grand Prix"
Die passende Kulisse zum Titel auf dem Cover von Benjamin Biolays "Grand Prix" Bildrechte: Label Polydor

Dass er hier eine wenig nachhaltige Sportart preist, findet er nicht diskussionswürdig: "Ich glaube, es ist viel wichtiger, dass ich als guter Bürger handle und auch meine Kinder entsprechend erziehe", meint Biolay.

Meister der traurigen Pop-Hymnen

Aber letzten Endes hat er das Thema Ökologie dann doch untergebracht. Mit Humor. Im Song "Comment est ta peine" erzählt er, dass er seine CO2-Bilanz gecheckt hat und singt: "Ich will mich nicht noch mal in den Flieger setzen, um dich zu sehen. Denn das zerstört nicht nur mein Herz, sondern auch den Planeten".

Das Sujet "Grand Prix" sei auch eher vorgeschoben. Eigentlich gebe es kein anderes Thema als ihn selbst auf diesem Album, erklärt der Nouvelle Chanson Star. Die meisten Songs haben etwas ungewohnt Hymnisches, selbst wenn die Texte traurig sind. Es geht wie immer um gescheiterte Liebesbeziehungen. Die Corona-Pandemie macht ihm auch privat sehr zu schaffen. Seit März gibt es keine Flüge nach Buenos Aires. Dort lebt seine zweite Tochter. Und er vermisst sie.

Kaum jemand kann so wirkungsvoll und mitreißend in Selbstmitleid versinken wie Benjamin Biolay.

Christiane Rebmann, MDR KULTUR

Seine 17-jährige Tochter aus der schon lange geschiedenen Ehe mit der Schauspielerin Chiara Mastroianni dagegen hat er in der letzten Zeit häufig getroffen. Sie singt auf diesem Album mit. Er hat sie allerdings in der Liste der Mitwirkenden unter dem Namen Bambi versteckt. Ihre Stimme passt zur melancholischen Atmosphäre im mit Streichern unterlegten Song "Interlagos". Der beweist einmal mehr, wie meisterhaft ihr Vater die traurigen Stimmungen beherrscht. Das ist sein Spezialgebiet. Kaum jemand kann so wirkungsvoll und mitreißend in Selbstmitleid versinken wie Benjamin Biolay.

Benjamin Biolay, 2017
Traurige Stimmungen sind Benjamin Biolays Spezialgebiet. Bildrechte: imago images / PanoramiC

Mehr Musik bei MDR KULTUR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Juli 2020 | 07:10 Uhr