Sonderausstellung in Leipzig Christoph Ruckhäberle erkundet die dritte Dimension

Christoph Ruckhäberle ist einer der Hauptprotagonisten der "Neuen Leipziger Schule". Nun widmet ihm das MdbK eine Sonderschau, in der er unter dem Titel "Crippled Symmetry" nach der Freiheit der Form sucht und erstmals auch die dritte Dimension erkundet. MDR KULTUR-Kunstkritikerin Ulrike Thielmann hat sich die farbenfrohe Ausstellung angesehen.

Skulptur und Gemälde in der Ausstellung "Crippled Symmetry"
Eine Skulptur von Christoph Ruckhäberle in der Ausstellung "Crippled Symmetry". Bildrechte: PUNCTUM / Alexander Schmidt/Christoph Ruckhäberle

Zwei große üppige Weiber, wohl geistig und körperlich verwandt mit den Nanas der Künstlerin Niki de Saint Phalle, räkeln sich im Keller des Leipziger Bildermuseums. Die eine drei, die andere fünf Meter hoch, beide um ein Vielfaches breiter, zusammengesteckt aus zwei Flachbild-Ebenen, mitten im Raum als Plastiken aufgestellt: heiter und bunt in der Farbwahl, die man von Bildern des Leipziger Malers Christoph Ruckhäberle kennt.

Wie der leise auftretende Künstler dazu kommt, solch gewaltige, fröhlich-selbstbewusste Frauenzimmer zu erschaffen, bleibt bei der Eröffnung sein Geheimnis; die Welt kann sie indessen brauchen, ist die Frauenemanzipation seit Saint Phalle, die einst rief "Alle Macht den Nanas" nur unwesentlich vorangeschritten. Die Aufmerksamkeit dreht sich indessen darum, dass sich der Maler und Grafiker erstmals in die dritte Dimension gewagt hat.

Mit einem Augenzwinkern

Die Formen von Ruckhäberles großer Liegenden und Sitzenden kennt man aus seinen Bildern; die Plastiken hat der Künstler mit buntem Linoleum aus der letzten deutschen Linoleum-Fabrik in Deutschland, in Delmenhorst, verkleidet. Wer die Weibsbilder betrachtet, entdeckt weitere künstlerische Zitate, etwa von Matisse, Lipchitz oder auch von Picassos Frauen in seiner kubistischen Phase.

Gemälde und Bodenarbeit in der Ausstellung "Crippled Symmetry"
Gemälde und Bodenarbeit in der Ausstellung "Crippled Symmetry". Bildrechte: PUNCTUM / Alexander Schmidt/Christoph Ruckhäberle

Jan Nicolaisen, Kurator der Ausstellung, betont Ruckhäberles Auseinandersetzung mit der bildnerischen Tradition des 20. Jahrhunderts, die jedoch unbedingt mit Ironie verbunden sei. Zudem zeigt der erste Ausstellungsraum neun neue Gemälde des Malers, in denen er seine eigenen Werke zitiert, die er nun zerschnitten hat – um sie zu neuen Collagen zu montieren. "Crippled Symmetry" lautet auch der Titel der Schau.

Vielfältig interessiert

Christoph Ruckhäberle, Mal-Professor in Leipzig, international wahrgenommen als Vertreter der so genannten Neuen Leipziger Schule, agiert in seiner Wahlheimat als Tausendsassa: mit einem beeindruckenden druckgrafischen Werk. Zudem ist der gebürtige Oberbayer sowohl Mitbetreiber des Kunstbuchverlags Lubok als auch des Programm-Kinos Luru, zudem Vater.

In der Schau sucht er das Experiment. So lässt Ruckhäberle im zweiten Saal den Fußboden mosaikartig mit Linoleum in abstrahierenden Ornamenten auslegen – Reminiszenz an seine "Laufbilder", die seit 2018 das Bildungswissenschaftliche Zentrum der Uni Leipzig schmücken. In einer Ecke hängt ein kaleidoskopisch-bunter Wandbehang mit tanzenden Männchen. Sie wurden genäht, nicht gedruckt, betont Ruckhäberle. Das mache sie plastischer.

Bunt, bunt, bunt

Die Augen flirren von den vielen Farben in dieser Schau. Und es geht auf, dass ein Künstler mit traditionellen bildnerischen Mitteln die Auseinandersetzung mit den machtvollen digitalen Bildwelten sucht. Im Lebenslauf gibt Ruckhäberle an, in jungen Jahren ein Zeichentrickfilmstudium absolviert zu haben. Und so erscheinen seine Werke denn auch als Sequenzen des Bewegt-Films - mit dem Vokabular von Kunst und Volkskunst aufgeladen und natürlich mit Christoph Ruckhäberles unbedingt wiedererkennbarer Bildsprache.

Angaben zur Ausstellung Christoph Ruckhäberle: Crippled Symmetry
vom 8. Mai bis 4. August 2019
Museum der bildenden Künste Leipzig

Öffnungszeiten:
Montag geschlossen
Dienstag und Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr
Mittwoch 12-20 Uhr
Feiertage 10-18 Uhr

Adresse:
MdbK Leipzig
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Mai 2019 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 12:28 Uhr

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