Europäisches Zentrum der Künste Hellerau Cynetart-Festival für Medienkunst startet in Dresden

Wenn in Coronazeiten die Kunst digital wird, was heißt das für die Medienkunst? Das "Cynetart"-Festival am Europäischen Zentrum der Künste Hellerau liefert Antworten mit elektronischer Musik, Performances und Tanz.

Cynetart 5 min
Bildrechte: Ulf Langheinrich

Wenn in Coronazeiten die Kunst digital wird, was heißt das für die Medienkunst? Das "Cynetart"-Festival am Europäischen Zentrum der Künste Hellerau liefert Antworten mit elektronischer Musik, Performances und Tanz.

MDR KULTUR - Das Radio Do 15.10.2020 06:00Uhr 05:03 min

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Nicht nur visuell und akustisch wird die Performance "Vortex" die Zuschauer vereinnahmen. Streckenweise wird man sie wohl auch als eine Art Angriff auf den gesamten Körper empfinden. Ulf Langheinrich hat für diese Inszenierung aus den Vollen geschöpft – dröhnende Sounds, verstörende Bilder, andauernde Stroboskop-Lichteffekte. Der Künstler nutzt die Materialität der Medien, um Auflösungserscheinungen zu simulieren. "Vortex" beschreibt dabei das Energiefeld um ein schwarzes Loch.

Die Performance ist zusammen mit der Choreografin Maria Chiara de' Nobili entstanden, die seine Licht – und Bildwelten in Bewegung transferiert hat, und einer der Höhepunkte der diesjährigen CYNETART. Wenn man so will auch ein fulminanter Abschied für Ulf Langheinrich, der nach vier Ausgaben den Posten des künstlerischen Leiters abgibt.

Cynetart
Eine Aufnahme von den Proben zur Tanzperfomance "Vortex" für das Cynetart-Festival Bildrechte: Ulf Langheinrich

Umbruchsstimmung beim Festival

Überhaupt scheint einiges im Umbruch. Am offensichtlichsten wohl dadurch, dass das Festival mittlerweile als Biennale konzipiert wurde. "Wir haben 20 Jahre das Festival jährlich ausgetragen und gemerkt, wir hecheln ganz schön, das jedes Jahr neu zu denken", erläutert Thomas Dumke, Projektmanager des Festivals. "Da kam der Vorschlag von Hellerau und von der Stadt ob eine biennale Ausgabe auch sinnvoll sei und da haben wir zugestimmt." Dennoch musste man herbe Rückschläge einstecken, als schließlich die institutionelle Förderung der Transmedia Akademie, die Trägerverein der CYNETART ist, durch die Stadt Dresden von 77.000 Euro auf 50.000 Euro jährlich gekürzt wurde. Die Kürzung sei kein positives Zeichen und mache wenig Mut in die Richtung der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung weiterzudenken, findet Dumke.

Nichtsdestotrotz wird über neue Szenarien nachgedacht. Eine stärkere Vernetzung mit einer Reihe von Akteuren, die sich mittlerweile in Dresden im Bereich Medienkunst etabliert haben, gehört dazu. Thomas Dumke könnte sich auch vorstellen, den Festivalgedanken ganz aufzugeben zugunsten von kleineren, singulären CYNETART-Formaten.

Internationale Strahlkraft

Einen Ausblick auf kommende thematische Auseinadersetzungen gibt beispielsweise die Dresdner Künstlerin Katharina Groß mit einer Live-Performance, bei der sie mit Pflanzen Soundlandschaften kreiert. Was das Programm der 23. Ausgabe jedoch auch zeigt: Das Festival genießt international großes Ansehen. Nicht umsonst fördert die Vertretung Taiwans in Berlin die Aufführung von Arbeiten ihrer Künstlerinnen und Künstler auf der CYNETART. Inwieweit die CYNETART diese Exklusivität und die von ihr beanspruchte Vorreiterrolle in Sachen Medienkunst auch in Zukunft behaupten kann, dafür werden offenbar jetzt im 23. Festivaljahrgang die Weichen gestellt.

Mehr Informationen: CYNETART – Internationales Festival für Medienkunst
15. Oktober bis 18. Oktober 2020

"Flora Self"
Katharina Groß

Installation & Performance

C. Rockefeller Center for the contemporary Arts

Donnerstag, 15. Oktober, 20 Uhr, Installation
Freitag, 16. Oktober, 18 Uhr, Installation
Samstag 17. Oktober, 16 Uhr, Installation
Samstag 17. Oktober, 19 Uhr, Konzert

"Vortex"
Maria Chiara de' Nobili & Ulf Langheinrich

Festspielhaus Hellerau

Freitag, 16. Oktober, 18 Uhr
Freitag, 16. Oktober, 21 Uhr
Samstag 17. Oktober, 18 Uhr
Samstag 17. Oktober, 21 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Oktober 2020 | 06:15 Uhr