Neu im Kino Gegen das Vertuschen: François Ozons Missbrauchs-Drama "Gelobt sei Gott"

Dass der sexuelle Missbrauch durch katholische Priester in Frankreich ans Licht kam, ist auch den Aktivisten von "La parole liberee" zu verdanken. Beeindruckt von ihrem Mut erzählt Regisseur François Ozon diesmal eine ganz und gar nicht fantastische Geschichte, sondern würdigt mit seinem sorgfältig recherchiertem, "dokumentarischen Drama" auch ihren zivilen Widerstand gegen all die Versuche des Vertuschens.

Knut Elstermann
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von Knut Elstermann, MDR KULTUR-Filmkritiker

François Debord (Denis Ménochet), Gilles Perret (Éric Caravaca ), Emmanuel Thomassin (Swann Arlaud) und Alexandre Guérin (Melvil Poupaud), (vordere Reihe v.l.n.r.) bei einem Treffen von La Parole Liberée (Das gebrochene Schweigen) 3 min
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Mo 23.09.2019 14:19Uhr 02:33 min

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Einer muss den Anfang machen, gegen das Unrecht aufzubegehren ... In diesem großen, französischen Drama, das auf Tatsachen beruht, erfährt der Familienvater Alexandre, einfühlsam gespielt von Melvil Poupaud, dass der Priester, der ihn einst missbrauchte, weiter mit Kindern und Jugendlichen arbeiten darf.

Immer weitere Kreise

Alexandre Guérin (Melvil Poupaud)
Alexandre Guérin (Melvil Poupaud) bringt den Stein ins Rollen. Bildrechte: Pandora Film Verleih

Die katholische Kirche beschwichtigt und vertuscht, so dass Alexandre zur Selbsthilfe greift. Er erstattet Anzeige, sucht Leidensgenossen als Zeugen und Gefährten in dem Kampf, es entsteht eine breite Bewegung. François Ozon geht nach diesem Anfang, der wie ein ins Wasser geworfener Stein wirkt, immer weiter: Wir lernen andere Opfer kennen, sehen die schweren Folgen und unterschiedlichen Verarbeitungen des Missbrauchs.

Gegen Widerstände: Aus "Gott sei Dank" wurde "Gelobt sei Gott" Die Äußerung des Erzbischofs von Lyon, dass die Verbrechen seines Priesters Bernard Preynat "Gott sei Dank" ja verjährt seien, entwickelte sich 2016 in Frankreich zum geflügelten Wort: So geht die katholische Kirche also mit sexuellem Missbrauch um. Preynat allein wurden 70 Fälle zur Last gelegt.

Aus "Gott sei Dank" wurde der Arbeitstitel "Gelobt sei Gott", um Einflussnahme oder Behinderungen bei den Arbeiten am Film zu vermeiden. Der Filmstart sollte in Frankreich juristisch unterbunden werden, obwohl "Gelobt sei Gott" kurz zuvor auf der Berlinale 2019 Premiere gefeiert worden war.

"Gelobt sei Gott" zeichnet, dramaturgisch zugespitzt, die Ereignisse nach, die zur Gründung des Vereins "La parole liberee" (Das befreite Wort) führten, der erstmals eine Anlaufstelle für Betroffene in Frankreich schuf.

Würdigung zivilen Widerstands

Doch "Gelobt sei Gott" zeigt vor allem, wie sich die Menschen organisieren, wie sie ihre Rechte in die eigene Hand nehmen. So wird der Film zu einer Würdigung des zivilen Widerstands, denn die Betroffenen sorgen gemeinsam mit Freunden und Familien für späte Gerechtigkeit.

Edition Salzgeber 6 min
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MDR KULTUR - Das Radio Do 26.09.2019 08:10Uhr 06:07 min

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Edition Salzgeber 6 min
Bildrechte: Edition Salzgeber
Genre: Drama
Regie: François Ozon
Darsteller: Melvil Poupaud, Denis Ménochet, Swann Arlaud
Im deutschen Kino ab: 26.09.2019
Produktionsland: Frankreich, Belgien
Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Filmstarts der Woche mit Knut Elstermann | 26. September 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 04:00 Uhr