Filmstart "Giraffe" – klug inszeniertes Drama über Heimatverlust

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Anna Sofie Hartmanns Spielfilm "Giraffe" feierte auf dem Locarno Filmfestival Premiere. Darin verbindet die Regisseurin dokumentarische und inszenierte Elemente und erzählt fast beiläufig von Entwurzelung und Glückssuche. Ausgangspunkt ist ein Tunnelbau zwischen Deutschland und Dänemark, der Menschen zusammenbringt, während er anderen die Heimat entreißt.

Eine Frau 2 min
Bildrechte: Grandfilm

Eine Giraffe sieht uns zu Beginn dieses überaus sehenswerten Films an. Sie lebt im Safari-Park auf der dänischen Insel Lolland, ein verpflanztes, fremdes Wesen, das seine wahre Heimat verloren hat – und genau darum geht es auch in dieser Geschichte. Die Ethnologin Dara (gespielt von Lisa Loven Kongsli) kommt auf die Insel, wo ein gigantisches Tunnelprojekt viele Menschen von ihrem angestammten Grund und Boden vertreiben wird. Sie führt berührende Gespräche mit den Betroffenen, spürt einer schon lange verschwundenen Bibliothekarin nach und verliebt sich in einen sehr viel jüngeren, polnischen Gastarbeiter (Jakub Gierszał), der wie seine Kollegen auf ein neues Leben hofft.

Anna Sofie Hartmann ("Limbo"), die selbst aus Dänemark stammt, verbindet in ihrem zweiten Spielfilm genaue dokumentarische Beobachtungen und klug inszenierte Elemente. Unaufdringlich, leichthändig, fast beiläufig beschreibt sie dabei Heimatverlust und Glückssuche, Entwurzelung und Sehnsucht und die stummen Spuren unserer Existenz, die wir vielleicht auch in dieser hektischen, globalisierten Welt hinterlassen.

Eine Frau und ein Mann liegen in einem Bett
Dara verliebt sich in den jungen Polen Lucek. Bildrechte: Grandfilm
Genre: Drama
Regie: Anna Sofie Hartmann
Besetzung: Lisa Loven Kongsli, Maren Eggert, Jakub Gierszał
Im deutschen Kino ab: 06.08.2020
Produktionsland: Dänemark/Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆ (4 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. August 2020 | 08:10 Uhr

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