Jack Savoretti: Singing To Strangers
Jack Savorettis sechstes Album: "Singing To Strangers" Bildrechte: BMG

Albumempfehlung Jack Savorettis "Singing To Strangers": Voller Romantik und Leidenschaft

Der Londoner Singer/Songwriter mit italienischen Wurzeln ist längst kein Geheimtipp mehr. Für sein sechstes Album durfte Jack Savoretti einen Text von Bob Dylan vertonen und das Finale des Albums im Duett mit Kylie Minogue bestreiten. Auf "Singing To Strangers" glänzt er mit berühmten Gästen, aber auch mit geballtem Anspruch.

von Marcel Anders, MDR KULTUR-Musikkritiker

Jack Savoretti: Singing To Strangers
Jack Savorettis sechstes Album: "Singing To Strangers" Bildrechte: BMG

Nach fünf Alben, die vor allem in Großbritannien erfolgreich waren, will der Italo-Engländer auch den Rest der Welt erobern. Mit seinem sechsten Werk "Singing To Strangers", auf dem der 31-jährige mit berühmten Gästen und geballtem Anspruch glänzt. Für ihn selbst hat es etwas von einer Hommage:

"Nicht nur an Italien, wo wir es aufgenommen haben, sondern auch an die Momente der europäischen Musik, als Klassik und Rock eine Verbindung eingegangen sind." Dabei seien umwerfende Alben entstanden – "wie 'Melody Nelson' von Serge Gainsbourg, die Sachen von Ennio Morricone oder Scott Walker. Große Orchestrierungen gemischt mit Soul. Das ist es, wovor ich meinen Hut ziehen wollte."

Verträumte Töne und opulentes Orchester-Pathos

Aus dieser Verneigung resultiert "Singing To Strangers". Ein Album voller Romantik, Leidenschaft und Drama. Mit einem interessanten Wechselspiel aus leisen, verträumten Tönen und opulentem Orchester-Pathos – aber auch Texten, in denen Savoretti seine Eheprobleme mit Schauspielerin Gemma Powell therapiert. Einfach, so der Künstler, weil er darin viel mehr sagen könne als im wahren Leben. Beim Schreiben sei er sensibler als im wahren Leben, wo er ungeschickterweise oft das Falsche sage: "Insofern versuche ich das mit meinen Songs wieder gut zu machen und strenge mich da besonders an. So, als ob man sich in Schale wirft bevor man ausgeht.

In meiner Musik bin ich quasi im Anzug unterwegs – während ich im wahren Leben im Pyjama rumlaufe, um bei der Analogie zu bleiben.

Jack Savoretti, Singer/Songwriter

"Wir haben hier einen Koffer mit Texten von Bob"

Ein Ansatz, der funktioniert. Bislang, sagt er, haben seine Frau und er noch jeden Streit gemeistert und sie stelle auch keine Fragen mehr zu seinen lyrischen Ergüssen. Nur mit dem Stück "Touchy Love", das von einer heftigen Affäre handelt, habe sie Probleme gehabt. Die betreffenden Zeilen, betont der Mann mit der Reibeisenstimme, stammen aber nicht aus seiner Feder, sondern aus der von Bob Dylan persönlich! Und das kam so:

"Ich hatte vor, etwas mit Steve Earle zu schreiben, einem meiner Helden. Aber der sagte ab und sein Management, das auch Bob Dylan betreut, meinte: 'Wir haben hier einen Koffer mit Texten, die Bob nie benutzt hat. Willst du sie dir anschauen und vielleicht Musik dazu komponieren?' Ich dachte: 'Wie toll ist das denn? – Aber wahrscheinlich wird eh nichts draus.'" Doch zwei Tage später bekam er eine Mail mit Texten, die einfach mit Bob unterschrieben waren.

Finale mit Kylie Minoque aufgenommen in Venedig

Kylie Minogue
Mit Kylie Minogue hat Savoretti das Finale des Albums aufgenommen: eine Live-Version von "Music's Too Sad Without You". Bildrechte: imago/DeFodi

"Touchy Situation" zählt zu den Höhepunkten eines Albums, das im letzten Sommer in Rom entstanden ist. Bei Temperaturen bis zu 45 Grad und im Studio von Maestro Ennio Morricone, das sich im Keller einer Kirche befindet. Hier haben Savoretti und Band ihre Passion für Filmmusiken ausgelebt, dem römischen savoir vivre gefrönt und sich ein grandioses Finale für das Album einfallen lassen: Eine Live-Version von "Music's Too Sad Without You", das er 2017 für Kylie Minogue geschrieben hat – aufgenommen im "La Fenice"-Theater in Venedig. Nicht nur der Ort sollte besonders sein. Also fragte er Kylie Minogue, ob sie nicht vorbeischauen und mit ihm singen wolle:

"Sie hat zugesagt, und das war ein einmaliger Moment. Denn Typen wie ich werden nicht oft ins La Fenice eingeladen, und wahrscheinlich wird das auch nie wieder passieren – schon gar nicht in Anwesenheit meiner Frau, die Geburtstag hatte und zusammen mit meinem Vater in der Loge saß. Diesen Moment haben wir festgehalten."

Angaben zum Album "Singing To Strangers"
Label: BMG

Mit dem Album geht Jack Savoretti ab Mai auf Tour, Konzerte gibt es in Frankfurt/M., München, Berlin, Hamburg und Köln.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. März 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 04:00 Uhr

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