Neue Ausstellung "Klinger 2020" im MdbK Leipzig – eine bombastische Schau

Um 1900 war Max Klinger ein Superstar. Er galt als der "deutsche Michelangelo" und war für seine Gemälde, Skulpturen und für seine Druckgrafiken berühmt. Nach seinem Tod 1920 war Klinger so gut wie vergessen. Wiederentdeckt wurde er immer, wenn man sich auf den Realismus besann. 2020, im 100. Todesjahr Klingers, versucht das Leipziger Museum der bildenden Künste das Klinger-Gedenken auf eine neue Stufe zu heben und ihn in Bezug zu den Großen seiner Zeit wie Gustav Klimt, Auguste Rodin oder auch Käthe Kollwitz zu setzen.

Die Halbfigur "Die neue Salome" von Klinger steht im Raum mit Werken von Max Klinger aus seiner Zeit in Rom im Museum der bildenden Künste (MdbK).
Die Schau "Klinger 2020" im Museum der bildenden Künste in Leipzig Bildrechte: dpa

Das Leipziger Museum der bildenden Künste feiert Max Klinger in seinem 100. Todesjahr groß: mit einer bombastischen Schau, die mit vielen Leihgaben den Künstler in den Kontext großer zeitgenössischer Künstler wie Rodin, Klimt oder Kollwitz stellt. Alfred Weidinger, Direktor des Museums der bildenden Künste erklärt: Weil er ein Verfechter des Gesamtkunstwerkes war, die Idee von Wagner aufgenommen und auch versucht hat, dies in die bildende Kunst zu übertragen. Das zweite Element ist, das Klinger den nackten Körper so dargestellt hat, wie er tatsächlich ist."

Klinger sei keiner gewesen, der idealisiert habe, wie die Franzosen oder die Engländer, sondern er sei einen anderen Weg gegangen – einen sehr bodenständigen, sehr authentischen und sehr ehrlichen, so Weidinger. "Das ist etwas, das wahrscheinlich sein wesentlichster Beitrag zur Kunstgeschichte war."

Klingers Grafiken erzählen anrührende Geschichten

Bei Klinger triumphierte letztlich das Unterbewusste. Manch Historiker sieht den Symbolisten gar als Vorvater von Freud. Vor allem Klingers Grafiken erzählen anrührende Geschichten. Sie beschwören düstere Träume und bizarre Situationen. Sie künden von Heuchelei und Doppelmoral der deutschen Gründerzeit.

Freier Eintritt zur Eröffnung Wegen des Coronavirus' fällt die Vernissage zur Klinger-Schau am Donnerstagabend aus. Wer möchte, kann aber zwischen 16 und 22 Uhr, bei kostenlosem Eintritt, die neue Ausstellung im Leipziger Bildermuseum unter dem einfachen aber programmatischen Titel "Klinger 2020" ins Auge fassen.

Eine Frau geht durch eine Ausstellung mit Werken von Max Klinger im Museum der bildenden Künste (MdbK). 
Die Klinger-Ausstellung besteht aus fünf Einzelausstellungen. Bildrechte: dpa

Im dritten Obergeschoss seines Hauses zeigt das Museum der bildenden Künste in Leipzig deshalb "Das Zelt", Klingers letzten und zugleich umfangreichsten Grafik-Zyklus. Dieser zeigt mit vielen Akt-Darstellungen Klingers ambivalentes Verhältnis zum weiblichen Geschlecht generell und im Besonderen zu seinen beiden letzten Lebensgefährtinnen, der Schriftstellerin Elsa Asenijeff und dem Modell Gertrud Bock.

Jeannette Stoschek, eine von fünf Kuratorinnen und Kuratoren für fünf Ausstellungskomplexe widmete Klingers Darstellungen von beiden Frauen jeweils eigene Ausstellungssäle, um zu Klingers Verhältnis zu Liebe, Sex und Erotik Aussagen treffen zu können – und natürlich zu Elsa Asenijeff und Gertrud Bock.

Inspiration für viele Künstler

"Klinger als gewollte oder nichtgewollte Inspiration für viele Künstler des 20. Jahrhunderts" – unter diesem Vorzeichen versucht das MdbK Leipzig schon länger,  ein neues Klingerbild zu erarbeiten. Das letzte Mal bei der Klingerschau 2007 anlässlich des 150. Geburtstages. Käthe Kollwitz etwa interessierte sich für die dunklen Seiten in Klingers Werk. Ebenfalls im dritten Obergeschoss, ein wenig versteckt zwischen den derzeit ausgestellten Impressionisten Corinth und Slevogt, zeigt die Schau Klingers Einfluss auf die Künstlerin.

Klinger war nicht jemand, der idealisiert hat, wie die Franzosen oder die Engländer, sondern er geht einen anderen Weg, einen sehr bodenständigen, sehr authentischen und sehr ehrlichen Weg.

Alfred Weidinger, Direktor des Museums der bildenden Künste
Klingers Skulptur "Beethoven" (1902) steht in der Jubiläumsausstellung mit Werken von Max Klinger im Museum der bildenden Künste (MdbK). 
Klingers Skulptur "Beethoven" (1902) steht in der Jubiläumsausstellung mit Werken von Max Klinger im Museum der bildenden Künste (MdbK).  Bildrechte: dpa

Um weitere exquisite Leihgaben besichtigen zu können, muss man das gesamte Museum durchqueren, das noch viele andere Ausstellungen parallel zeigt. So gibt es im ersten Obergeschoss  Grafiken und Plastiken aus Pariser Museen von Rodin zu sehen, der wiederum Vorbild für Klinger war.

Im Herzstück des Hauses, dem Klingersaal mit Beethovenbüste, der Kreuzigung Christi und dem Monumentalbild "Christus im Olymp" erwartet eine Videoinstallation die Besucher. Diese klärt noch mal, welche große Wirkung Klinger auf die Wiener Sezession hatte und auf ihren Protagonisten Gustav Klimt.

Fünf Einzelausstellungen

Klinger in Bombast und Herrlichkeit zeigt das Leipziger Kunstmuseum den Besuchern in seiner neuen Schau "Klinger 2020". Sie besteht aus fünf Einzelausstellungen in verschiedenen Stockwerken des Hauses. Da können die Verehrer Klingers nur demütig das Haupt neigen und still in den Sälen wandeln.

Weitere Infos zur Ausstellung Ab Freitag ist die Ausstellung "Klinger 2020" im Museum der bildenden Künste Leipzig regulär geöffnet. Die Ausstellung geht bis zum 14. Juni.

Öffentliche Führungen in der Ausstellung werden samstags 15 Uhr und sonntags 11 Uhr angeboten.

Die Ausstellung wird in zweiter Station in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt (04. September 2020 bis 10. Januar 2021).

Mehr Ausstellungen

Thomas Ranft, Gregor-Torsten Schade/Kozik, Ralf-Rainer Wasse (Fotograf): Berghäusler Abend Galerie Oben: Glatzköpfe, 1981, Fotografie, Print von digitalisiertem Kleinbildnegativ, 2020, 26 x 33 cm, Lindenau-Museum Altenburg
Bildrechte: Lindenau-Museum Altenburg/Archiv der Fotonegative von Ralf-Rainer Wasse: Die Künstlergruppe Clara Mosch und die alternative Kunstszene der DDR in den siebziger und achtziger Jahren 2020 / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. März 2020 | 08:10 Uhr

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