Alexander Puschkin, 1827  Gemälde von Orest Adamovich Kiprensky (Öl auf Leinwand)
Alexander Puschkin, Porträt von Orest Adamovich Kiprensky, 1827 Bildrechte: imago/United Archives International

Klassikerlesung | 03.06. - 28.06.2019 Alexander Puschkin: Eugen Onegin

Alexander Puschkin gilt als der russische Nationaldichter schlechthin. Mit seinen Werken hatte er einen enormen Einfluss auf die Entwicklung einer modernen russischen Sprache. Am 6. Juni vor 220 Jahren wurde er geboren. Aus diesem Anlass senden wir in der Klassikerlesung sein berühmtestes Werk, den Verseroman "Eugen Onegin". Es liest Volker Risch.

Alexander Puschkin, 1827  Gemälde von Orest Adamovich Kiprensky (Öl auf Leinwand)
Alexander Puschkin, Porträt von Orest Adamovich Kiprensky, 1827 Bildrechte: imago/United Archives International

"Puschkin – unser alles." Die Russen lieben ihren Nationaldichter. Keiner wird mehr geliebt oder verehrt, als Alexander Puschkin (1799-1837).

Er verfasste seine Werke in einer leichten lebendigen Sprache von vollendeter Schönheit und legte den Grundstein für eine Renaissance der russischen Literatur. Der große russische Schriftsteller Nikolai Gogol schrieb über Puschkin:

In ihm spiegeln sich die russische Natur, die russische Seele, die russische Sprache, der russische Charakter in solcher Klarheit, in solcher reinen Schönheit, wie sich eine Landschaft in der gewölbten Fläche eines optischen Glases spiegelt.

Nikolai Gogol über Puschkin

Ob Liebeslyrik, Versroman, Erzählung oder Historiendrama – in allen Gattungen zeigte Puschkin sich gleichermaßen versiert. Mit dem Versroman "Eugen Onegin" schuf er sein kühnstes und berühmtestes Werk.

Eugen Onegin

Puschkin erzählt die Geschichte des jungen Adligen Eugen Onegin. Er verbringt seine Tage in St. Petersburg mit Ausschweifungen und Müßiggang: Theaterbesuche, Bälle, Empfänge. Doch Langeweile und Lebensüberdruss machen sich breit.

Ein Leiden welches aufzuklären,
obschon verwandt mit Englands Spleen.
Die Ärzte längst verpflichtet wären.
Kurz: Rußlands Trübsinn hatte ihn
[….]

Alexander Puschkin Eugen Onegin

Angewidert von der Petersburger Gesellschaft zieht Onegin sich auf ein geerbtes Landgut in der Provinz zurück. Hier macht er die Bekanntschaft des Poeten Waldimir Lensky, der gerade vom Studium aus Göttingen zurückgekehrt ist, und trifft auf die Familie Larin mit ihren Töchtern Olga und Tatjana. Während Lensky sich in die junge, hübsche Olga verliebt, fühlt sich die stille, verträumte Tatjana leidenschaftlich zum weltgewandten Onegin hingezogen. Sie entschließt sich, ihm ihre Gefühle in einem Brief zu offenbaren.

Ich bin so kühn, an Sie zu schreiben –
Ach, braucht es mehr als dies allein?
Nun wird gewiss – was soll mir bleiben? –
Verachtung meine Strafe sein!
Doch wenn, wo Angst und Qual mich treiben,
Ein Fünkchen Mitleid für mich spricht –
O dann verwerfen Sie mich nicht!

Alexander Puschkin Eugen Onegin

Onegin verschmäht Tatjanas Liebe. Auf dem Fest zu ihrem Namenstag wendet er sich demonstrativ Olga zu. Vor Eifersucht rasend fordert Wladimir Lensky ihn zum Duell auf. Onegin tötet den Freund und muss das Gut verlassen. Nach Jahren trifft er in St. Petersburg Tatjana wieder und versucht sie zurückzugewinnen. Doch Tatjana, die inzwischen mit einem Fürsten verheiratet ist, weist sein Werben zurück.

Enzyklopädie des russischen Lebens

Puschkin begann 1823 mit der Arbeit am "Eugen Onegin" und beendete das Werk sieben Jahre später. Aus finanziellen Gründen ließ er es kapitelweise herausgeben. Das erste Kapitel erschien 1825. Als Gesamtwerk wurde "Eugen Onegin" zum ersten Mal 1833 veröffentlicht.

"Enzyklopädie des russischen Lebens" hat der Literaturkritiker W.G. Belinski den Versroman genannt. Meisterhaft schildert Puschkins darin das Leben der zeitgenössischen Gesellschaft in seiner ganzen Vielfalt. Mit seinem Titelhelden gestaltete er erstmals den später sogenannten "überflüssigen Menschen", einen wiederkehrenden Archetyp in der russischen Literatur.

Der Roman enthält zahlreiche Anspielungen zu aktuellen Themen, zur Sprache und Kultur Russlands. Vom auktorialen Erzähler, der sich als Freund des Helden vorstellt, werden sowohl die Handlung, als auch der Prozess des Schreibens ironisch kommentiert. Viele Zitate aus "Eugen Onegin" sind als Sprichwörter in die Alltagssprache eingegangen.

Der Dichter Alexander Puschkin

Alexander Puschkin wurde am 6. Juni 1799 in Moskau geboren. Väterlicherseits entstammte er einem alten russischen Adelsgeschlecht. Sein Urgroßvater mütterlicherseits war der berühmte "Mohr Peters des Großen", Ibrahim Petrowitsch Hannibal.

Von 1811- 1817 besuchte Puschkin das Lyzeum in Zarskoje Selo, eine Eliteschule für junge Adlige. In dieser Zeit verfasste er bereits zahlreiche Gedichte und wurde noch als Schüler in den literarischen Zirkel Arsamas aufgenommen, der sich gegen tradierte Sprachvorstellungen richtete.

Nach Abschluss des Lyzeums nahm Puschkin eine Stellung im Petersburger Kollegium für Auswärtige Angelegenheiten an. Wegen politischer Spottgedichte gegen den Zaren und einige Minister wurde er 1820 nach Südrussland strafversetzt. Kurz darauf erschein sein Versepos "Ruslan und Ljudmila", das widersprüchliche Reaktionen hervorrief, aber seinen Ruf als Dichter festigte.

1824 wurde Puschkin endgültig aus dem Staatsdienst entlassen und auf das elterliche Gut Michailowskoje verbannt. Erst nach dem Tod Alexander I. wurde er begnadigt und durfte 1826 nach Moskau zurückkehren. Im Jahr 1831 heiratete er Natalia Gontscharowa. Das Paar zog nach St. Petersburg. Im Winter 1837 duellierte er sich mit dem französischen Gardeoffizier Georges-Charles d'Anthès. Zwei Tage später, am 10. Februar 1837, starb Puschkin an seinen Verletzungen.

Zu seinen bekannten Werken zählen außerdem die Verserzählung "Der Gefangene im Kaukasus" (1822), das Drama "Boris Godunow" (1825), "Die Erzählungen Belkins" (1831), "Pique Dame" (1834), das Poem "Der eherne Reiter" (1833) und der historische Roman "Die Hauptmannstocher".

Der Sprecher Volker Risch

Volker Risch,1953 in Bad Bertrich geboren, absolvierte seine Schauspielausbildung an der Folkwanghochschule in Essen. Seit 1982 Engagements in München, Frankfurt, Köln und Düsseldorf. Besonders erfolgreich war er mit dem Monolog "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" für den er den Kurt Sieder-Preis 2004 erhielt.

Im Fernsehen war er u.a. zu sehen in "Der Venusmörder" (1996), "Nichts als die Wahrheit" (1999), "Die Klasse von 99" (2003) und "Besser als Schule" (2004). Zusätzlich gastierte er in einzelnen Folgen der TV-Sereien "Stadtklinik" (1993-1994), "Die Wache" (1997) und "SOKO Köln" (2005). Risch arbeitet regelmäßig als Sprecher für Dokumentationen und den Hörfunk.

Angaben zur Sendung MDR KULTUR Klassikerlesung
"Eugen Onegin"
Roman in Versen
Von Alexander Puschkin

Übersetzung: Friedrich von Bodenstedt
Es liest: Volker Risch
Regie: Ingo Colbow
Produktion: NDR 2004

Sendung:
03.06. - 28.06.2019 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Aus urheberrechtlichen Gründen können wir Ihnen diese Sendung leider nicht im Internet zum Hören anbieten. Das private Aufzeichnen von Radiobeiträgen ist jedoch zulässig. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite "Radiobeiträge aufnehmen mit Computer oder Smartphone".

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 04:00 Uhr

Hörbuch: Alexander Puschkin: Eugen Onegin
Bildrechte: Der Audio Verlag

Hörbuchtipp Alexander Puschkin: Eugen Onegin

Alexander Puschkin: Eugen Onegin

Übersetzung: Friedrich von Bodenstedt
Ungekürzte Lesung mit Volker Risch
1 MP3-CD; Laufzeit: 4 Stunden, 23 Minuten
Der Audio Verlag 2016
ISBN-13: 978-3862317219
10,00 Euro

Buch: Alexander Puschkin: Eugen Onegin
Bildrechte: Suhrkamp/Insel Verlag

Buchtipp Alexander Puschkin: Eugen Onegin

Alexander Puschkin: Eugen Onegin

Taschenbuch: 272 Seiten
Insel Verlag 1999
ISBN: 978-3458342243
10,00 Euro

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren