The Fairy Queen am Theater Erfurt mit Kathrina Wilke (Hermia) & Emanuele Rosa (Lysander) sowie Julia Neumann
Kathrina Wilke als Hermia und Emanuele Rosa als Lysander; Julia Neumann als Titania (M.) Bildrechte: Theater Erfurt / Lutz Edelhoff

Premiere "The Fairy Queen" am Theater Erfurt: Nur ein sehr bunter "Sommernachtstraum"?

Mit "The Fairy Queen" feierte am Samstag die größte Produktion der Spielzeit am Theater Erfurt Premiere. Purcells Oper nach Shakespeares fantastischer Geschichte vom "Sommernachtstraum" führt Regisseurin Ulrike Quade mit MusikerInnen und SängerInnen, TänzerInnen und PuppenspielerInnen auf. Nicht nur die Akteure, das Bühnenbild selbst gerät in Bewegung. Die Form, aber auch der Zugriff auf die Geschichte wirkt modern und heutig, sagt Vivien Vieth, die eine Probe erlebte.

von Vivien Vieth, MDR KULTUR

The Fairy Queen am Theater Erfurt mit Kathrina Wilke (Hermia) & Emanuele Rosa (Lysander) sowie Julia Neumann
Kathrina Wilke als Hermia und Emanuele Rosa als Lysander; Julia Neumann als Titania (M.) Bildrechte: Theater Erfurt / Lutz Edelhoff

Dass es sich bei der Inszenierung "The Fairy Queen - Ein Sommernachtraum" nicht um eine normale Oper handelt, das fällt ziemlich schnell auf. Eigentlich beginnt alles so, wie man es kennt: Das Orchester spielt sich ein. Höflicher Applaus ertönt. Denn der Dirigent tritt auf. Er begibt sich in den Orchestergraben, hebt die Arme und ... Puppenspieler übernehmen die Bühne!

Alle Sparten greifen ineinander

The Fairy Queen am Theater Erfurt mit Julia Neumann (Titania), Julian Freibott und Marieke Engelhardt (Elfen)
Buntes Zusammenspiel Bildrechte: Theater Erfurt / Lutz Edelhoff

Gekleidet in Schwarz finden sie ihre Figuren in bunten Müllsäcken, die auf der Bühne verteilt liegen. Es sind lebensgroße Skelette. Die Spieler legen sie sich an und erwecken die Handwerker des Sommernachtstraumes zum Leben. Dann erst setzt das Orchester ein. Opernsänger betreten die Bühne, singen und schauspielern. Hinzu kommen Tänzer. Alles scheint miteinander verwoben. Regisseurin Ulrike Quade sagt dazu:

"Ich würde meine Inszenierung als spartenineinandergreifende bezeichnen. Ich habe Schauspiel und Puppenspiel studiert, seit ich Regie führe, arbeite ich auch immer mit Komponisten zusammen, oft auch mit Tänzerinnen und Tänzern. In den vielen Jahren hat sich das so entwickelt, dass alles ineinandergreift."

Traumhafte Bühne: "Wie eine große Halluzination"

Das visuelle, bunte Zusammenspiel soll entstehen, indem die Darsteller etwas tun, was für ihre jeweilige Sparte sehr ungewöhnlich ist: Sei es die Opernsängerin, die sich von den Tänzern führen lässt, als sei sie selbst eine Puppe oder seien es die Puppenspieler, die sich im Operngesang probieren. Das bunte Zusammenspiel findet sich auch im Bühnenbild von wieder, wie Quade erklärt:

"Die ganze Geschichte geht ja vom Palast in den Wald und dann sozusagen ins Unterbewusstsein und dann wieder zurück in den Wald und in den Palast. Wir wolltne, dass sich das Bühnenbild an sich bewegt sowie alle anderen Kunstformen auf der Bühne ja auch in Bewegung sind, so dass wie eine große Halluzination wirkt, wie ein großer Traum, so dass man nicht mehr weiß, was Realität und was Fiktion ist.

Viele Formen der Liebe: Hermia emanzipiert sich

Fairy Queen am Theater Erfurt mit Julia Neumann (Titania), Ensemble des Tanztheater Erfurt; im Hintergrund: Puppenspieler des Theater Waidspreicher und Daniela Gerstenmeyer (Vertraute Titanias)
Auch Tänzer und Puppenspieler wirken mit. Bildrechte: Theater Erfurt / Lutz Edelhoff

So verwandelt sich die Bühne von der Menschenwelt in den Zauberwald bis hin zur Traumwelt. Die Kostüme sind modern und entsprechen der Botschaft der Inszenierung. Tänzerin Katharina Wilke verkörpert Hermia, die junge Frau, die zwangsverheiratet werden soll, aber mit ihrem Geliebten Lysander flieht. Für Wilke hat ihre Rolle eine sehr aktuelle Bedeutung: "Für mich ist das auch ein sehr zeitgenössisches Thema, wie sich eine Frau, die so unter der Hand steht vom Vater, emanzipiert. Ich finde es schön, dass die Inszenierung die Frauenrolle sehr modern gestaltet, dass es nicht so eine verstaubte Version von vor 500 Jahren ist."

Das Team um Ulrike Quade will im "Sommernachtstraum" nicht mehr die traditionelle Hochzeit feiern, wie Shakespeare und Purcell es vor Augen hatten, sondern vielmehr die Autonomie der Menschen. Im "Sommernachtstraum", dem Garten der Lüste, wie ihn die Regisseurin nennt, zeigen sich stattdessen viele Formen der Liebe und so soll ein Weltbild erschaffen werden, dass an Toleranz und Vielschichtigkeit appelliert.

Angaben zur Aufführung The Fairy Queen - Ein Sommernachtstraum
Oper von Henry Purcell
Text von William Shakespeare
Uraufführung London 1692
In deutscher und englischer Sprache mit Übertiteln

Koproduktion von Theater Erfurt, Theater Waidspeicher, Tanztheater Erfurt und Ulrike Quade Company (NL)

Premiere: 18. Mai
Weitere Aufführungen: 25. Mai / 5. Juni / 8. Juni, Jeweils 19:30 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Mai 2019 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 12:31 Uhr

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