Inszenierung am Staatsschauspiel Nichts Neues bei "Im Westen nichts Neues" in Dresden

Das Staatsschauspiel Dresden zeigt den Romanklassiker "Im Westen nichts Neues" als Theaterstück. Erich Maria Remarques Buchvorlage ist ein Antikriegsroman, der die Schrecken des Ersten Weltkrieges schildert – brutal und ungeschönt. Doch es scheint, als hätten die Dresdner keinen wirklich originären Umgang mit Remarques Roman gefunden, meint MDR KULTUR-Theaterkritiker Matthias Schmidt.

Szene aus dem Stück "Im Westen nichts Neues"
"Im Westen nichts Neues" beginnt im absolut Dunklen. Nur schemenhaft sind die fünf Darsteller auf der Bühne zu erkennen. Bildrechte: Sebastian Hoppe

Der Abend versprach, ein besonderer zu werden, wenn auch vielleicht ein sehr düsterer: Inszeniert hat "Im Westen nichts Neues" die Hausregisseurin des Dresdner Theaters, Mina Salehpour, eine Spezialistin für ungewöhnliche, eindrückliche Theaterbilder.

So beginnt das Stück in einem absolut dunklen Saal. Man hört anschwellenden Kriegslärm, bis an die Schmerzgrenze. Dann plötzlich Stille. Schemenhaft sind auf der Bühne fünf nackte, im Wasser hockende Menschen zu erkennen, die versuchen, sich eine Zigarette anzuzünden. Sie beginnen, Sätze aus dem Roman vorzutragen.

Gespielte Lesung in gespenstischem Setting

Szene aus dem Stück "Im Westen nichts Neues"
Dunkel und düster ist die Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden. Bildrechte: Sebastian Hoppe

Diese fünf im kurzen Flackern der Feuerzeuge erkennbaren Gestalten, sind 19-jährige Jungs (in Dresden sind es – warum auch immer – drei Männer und zwei Frauen), die eben noch Schüler waren und jetzt nur noch nacktes Menschenfleisch sind, das seine Haut in einem Schützengraben zu Markte trägt. Dazu erklingen atmosphärische Töne: düstere Bässe, sphärische Sounds. Ein gespenstisches Setting. So beginnen Theaterabende, die man nicht vergisst – eigentlich.

Doch die reichlich anderthalb Stunden erwecken den Eindruck, dass die Dresdner keinen wirklich originären Umgang mit Remarques Roman gefunden haben. Ich würde sogar sagen, dass es sich letztlich um eine auf der Bühne illustrierte "best-off"-Textfolge handelte, statt um eine Bühnenfassung; um eine gespielte Lesung von – zugegebenermaßen wahnsinnig eindrucksvollen – Texten. Das sind und bleiben Sätze wie Messer, die gehen durch Mark und Bein.

Überlebenskampf plätschert dahin

Die ersten 15 Minuten der Dresdner Inszenierung sind konzentriert wie ein Energy-Shot. Aber je länger man auf diese dunkle Bühne starrt, desto mehr wird der Überlebenskampf der fünf Menschen mit den Füßen im Wasser zu einem Dahinplätschern. Man hat es verstanden und lauscht dem Text, der übrigens in Sachsen Abiturstoff 9. Klasse ist. Das kennen also viele, und ein Lehrer mit ein paar Dienstjahren findet die Seiten mit den ausgewählten Episoden im Schlaf. In der Inszenierung ist inhaltlich nichts Überraschendes drin.

Szene aus dem Stück "Im Westen nichts Neues"
Was eindrucksvoll begann, plätschert später nur so dahin: der Überlebenskampf der Soldaten im Stück "Im Westen nichts Neues". Bildrechte: Sebastian Hoppe

Ein eigener Zugriff auf das Thema – das Programmheft legt da einige Fährten ins Heute oder ins Zeitlose aus – findet im Grunde nur einmal statt. Und zwar am Ende (der Roman ist im Oktober 1918 angekommen, kurz vor Kriegsende), als plötzlich ein Saxophon-Quartett aus heutigen jungen Männern auf der Bühne steht und musiziert. Junge Männer, wie wir sie eben im Schützengraben haben sterben sehen. Junge Männer im Frieden. In unserem Frieden. Remarques Ende vermeldet "im Westen nichts Neues".

Das Dresdner Ende hingegen wirkt, nachdem nichts an diesem Abend darauf hindeutete, wie ein Fremdkörper. Wohlwollend ausgelegt, ist es der Link ins Heute. Böse zugespitzt: Am Ende der Veranstaltung, nach den Reden, wird meistens noch ein klassisches Musikstück gespielt.

Weitere Vorstellungen "Im Westen nichts Neues" nach Erich Maria Remarque
unter Verwendung einer Fassung von Kerstin Behrens und Lars Ole Walburg

Weitere Aufführungen im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden:
21. Februar
13. März

Dauer der Aufführung: 1 Stunde und 40 Minuten
Keine Pause

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2020 | 13:15 Uhr

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