Eine Hand hält ein Glas unter einen laufenden Wasserhahn
Seit 2000 ist der Preis für Trinkwasser um 28 Prozent gestiegen. Bildrechte: dpa

Kostbares Nass Industriewasser billiger als Trinkwasser

14. Juli 2023, 13:36 Uhr

Trinkwasser kostet: Dabei zahlen Bürgerinnen und Bürger mehr als die Industrie. Gleichzeitig ist diese aber der größere Verbraucher. Durch heiße Sommer und wenig Regen sinkt zudem der Grundwasserspiegel. Das weniger werdende Wasser muss aufgeteilt werden. Bisher sollen dabei vor allem die Privatnutzerinnen und Privatnutzer sparen.

Wer in Deutschland den Hahn öffnet, ist es gewohnt, dass klares Wasser in Trinkqualität herauskommt. Dabei wird es nicht nur getrunken. Es wird damit geputzt oder gekocht, Pflanzen werden gegossen und im Badezimmer wird es zum Duschen und für den Toilettengang benötigt. Das führt zu einem Pro-Kopf-Verbrauch von 47.000 Litern pro Jahr.

Unternehmen zahlen deutlich weniger für den Kubikmeter

Der Wasserpreis kann bei jedem Unternehmen variieren. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung muss für den Bereich Landwirtschaft mit einem Preis von 0,5 Cent bis 31 Cent und für den Bergbau mit 6 Cent bis 31 Cent je Kubikmeter gerechnet werden. Auch der BUND kommt in einem Gutachten auf diese Preisspanne, sofern überhaupt ein Entgelt erhoben wird. Dadurch unterscheiden sich die Kosten für die Industrie deutlich von denen für Privatverbraucher und Privatverbraucherinnen. Bei diesen ist Thüringen mit 1,30 Euro das Bundesland mit dem niedrigsten und Sachsen-Anhalt mit 3,59 Euro das mit dem höchsten Wasserpreis pro Kubikmeter.

Kubikmeterentgelt für Endabnehmer und Endabnehmerinnen in Mitteldeutschland – Stand 2019
Bundesland Entgelt für einen Kubikmeter Wasser (brutto)
Sachsen 1,32 Euro
Sachsen-Anhalt 3,59 Euro
Thüringen 1,30 Euro
  Quelle: Destatis

Ein solcher Preisunterschied wirkt sich nicht nur auf den Geldbeutel aus. So kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seiner Studie zur Ressource Wasser auf die Schlussfolgerung: "Insbesondere sollte die Bevorzugung der Industrie, die derzeit große Mengen zu sehr niedrigen Preisen verbraucht, aufgehoben werden, um damit Anreize zur effizienten Nutzung zu schaffen."

Die Industrie verbraucht das meiste Wasser

2019 wurden laut Umweltbundesamt in Deutschland 20 Milliarden Kubikmeter Wasser verbraucht. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Erhebung wird alle drei Jahre durchgeführt. Den größten Anteil am Wasserverbrauch hatten jedoch nicht Privathaushalte, sondern die Industrie. Sie entnahm 14,2 Milliarden Kubikmeter. Die öffentliche Wasserversorgung hingegen – über die die Bevölkerung mit Trinkwasser versorgt wird – nutzte 5,4 Milliarden Kubikmeter. Die übrigen 0,4 Milliarden Kubikmeter kamen in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Die Industrie bezieht Wasser auf drei verschiedene Arten:

  • als Trinkwasser,
  • als sogenanntes "Betriebswasser",
  • direkt aus umliegenden Gewässern.

Beim Betriebswasser unterscheidet sich die Qualität vom Trinkwasser. Es muss nicht immer aufbereitet werden. Je nach den Anforderungen der Industrie kann es sich auch um Rohwasser handeln. Mit 15 extra Brunnen wird etwa in Dresden sichergestellt, dass die Industrie mit eigenem Wasser versorgt werden kann und damit nicht auf das Trinkwasser zugreifen muss.

Wenn die Industrie ihr Wasser direkt aus Flüssen oder Seen bezieht, muss sie ein Wasserentnahmeentgelt abführen. Wie hoch das ausfällt, hängt vom Bundesland ab. In drei Bundesländern jedoch muss momentan noch gar nichts dafür gezahlt werden: Hessen, Bayern und auch Thüringen.

Privathaushalte: Wasser sparen führt nicht unbedingt zu einer kleineren Rechnung

Die hohe Qualität von Trinkwasser schlägt sich in der Wasserrechnung nieder. Dabei ist es nicht möglich, mit weniger Verbrauch zu sparen. Denn nur etwa 25 Prozent der Versorgungskosten hängen vom tatsächlichen Verbrauch ab. Der Rest sind Aufwendungen für die Anlagen und Leitungen zur Aufbereitung und Verteilung. Diese müssen immer finanziert werden – unabhängig von der genutzten Wassermenge. Das heißt auch, dass ein geringerer Verbrauch nicht zwangsläufig zu einer kleineren Rechnung führt. Wenn der Wasserverbrauch zurückgeht, werden die Kosten auf die geringer werdenden Mengen verteilt.

Trinkwasser: Das ist der Unterschied zu herkömmlichem Wasser Trinkwasser ist Wasser, das auf Grund seines hohen Grades an Reinheit für den menschlichen Konsum geeignet ist. Der Unterschied zu herkömmlichen Wasser besteht darin, dass Trinkwasser speziell aufbereitet und überwacht wird, um sicherzustellen, dass es frei von schädlichen Verunreinigungen und Krankheitserregern ist. Die gesetzlichen Anforderungen und Qualitätsstandards sind in der Trinkwasserverordnung festgeschrieben. Hier wird auch eine bestimmte Mindestkonzentration an Mineralstoffen festgelegt.

Die Gäste im Fakt-ist-Studio 60 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer muss sparen, wenn das Wasser knapp wird?

In den Sommermonaten gab es in den letzten Jahren vermehrt Beschränkungen, wann wer Wasser nutzen darf. Aktuell ist es in Sachsen-Anhalt und Thüringen jeweils in sechs und in Sachsen in zwei Landkreisen nicht erlaubt, aus offenen Gewässern Wasser zu entnehmen (Stand: 12. Juli). Teilweise dürfen morgens auch keine Brunnen genutzt werden, um den privaten Garten zu pflegen. "Einsparziele für die Industrie werden bisher nicht ausgesprochen. In der Nationalen Wasserstrategie stand jetzt aber tatsächlich drin, dass künftig die Trinkwassersicherheit Vorrang haben soll. Aber wie das dann genau aussehen soll, ist bisher relativ unkonkret", berichtet Gesa Steeger, Journalistin bei "Correctiv".

Wasserwerk Dresden-Coschütz
Das Wasserwerk Dresden-Coschütz bezieht sein Rohwasser – wie das Wasser vor der Reinigung bezeichnet wird – aus der Talsperre Klingenberg. Bildrechte: Katrin Tominski

Durch heiße Sommer und wenig Regen sinkt der Grundwasserspiegel. Damit Trinkwasser überall ausreichend vorhanden ist, muss es teilweise über kilometerlange Trassen quer durch Deutschland geleitet werden. Es ist anzunehmen, dass die Bedeutung von Trinkwasser-Fernleitungen in den nächsten Jahren noch zunimmt, weil in vielen Regionen der Grundwasserstand eine ortsnahe Versorgung nicht mehr sicherstellen kann.

Verbundsysteme können eine Lösung für mögliche Versorgungslücken sein. "Sie bieten für jeden, der im Verbund ist, so eine Art Wasserreserve oder Wasserversicherung. So kann man sich gegenseitig auch in schwierigen Situationen aushelfen", erklärt Alexandra Schröder, Prozessorganisatorin im Wasserwerk Dresden-Coschütz.

Was ist ein Verbundsystem? In einem Verbundsystem sind verschiedene Wasserversorger – über Leitungen – miteinander vernetzt. Dadurch soll ermöglicht werden, dass Regionen ihr Wasser je nach Bedarf austauschen können. So können im Notfall feuchtere Gebiete trockenere unterstützen.

Am Ende bleibt also weiterhin die Frage, wie immer weniger Wasser zukünftig aufgeteilt werden soll. Das bestätigt Gesa Steeger: "Wir haben gesehen, dass in den vergangenen Jahren der Streit um Wasser zugenommen hat. Wenn man sich anschaut, wie sich das Grundwasser in den vergangenen 30 Jahren entwickelt hat und wo wir jetzt gerade stehen, dann lässt sich einfach absehen, dass dieser Streit sich verschärfen wird. Weil die Frage ist dann einfach: Wer muss sparen? Sind das die Privatnutzer oder ist es die Industrie? Bisher sind es vor allem die Privatnutzer, die das Wasser sparen müssen."

(Anm. d. Red.: In einer zuvor veröffentlichten Version des Artikels stand, dass es sich bei Betriebswasser immer um Rohwasser handele. Diese Information wurde entsprechend angepasst. Außerdem war in einer Bildunterschrift zu lesen, dass das Wasserwerk Dresden-Coschütz sein Wasser aus drei Quellen beziehe. Diese Information wurde korrigiert.)

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MDR (jvo)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 11. Juli 2023 | 20:15 Uhr

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